CD-Review: Slayer - Christ Illusion

Besetzung

Tom Araya – Bass, Gesang
Jeff Hanneman – Gitarre
Kerry King – Gitarre
Dave Lombardo – Schlagzeug

Tracklist

01. Flesh Storm
02. Catalyst
03. Skeleton Christ
04. Eyes Of The Insane
05. Jihad
06. Consfearacy
07. Catatonic
08. Black Serenade
09. Cult
10. Supremist


Die allmächtigen SLAYER melden sich nach geschlagenen fünf Jahren mit ihrem neunten Studioalbum zurück. Während man ausgerechnet am weltberühmten 9/11-Datum das letzte Werk „God Hates Us All“ veröffentlichte, steht „Christ Illusion“ zum Glück lediglich lyrisch im Zeichen des Terrorismus. Seit der ’90er Platte „Seasons In The Abyss“ agierten SLAYER im Studio erstmals in der „Optimalbesetzung“ mit Dave Lombardo am Schlagzeug. Während man im Vorfeld einige Songschnipsel zum Ärger der Anhängerschaft veröffentlichte, folgten daraufhin die drei kompletten Songs „Cult“, „Jihad“ und „Eyes Of The Insane“, welche mit geteilten Meinungen diskutiert worden sind. Meine Ersteindrücke waren ebenfalls stark verhalten, jedoch stand außer Frage, dieses Album weitgehend blind anzuschaffen. SLAYER eben.

Bereits der erste Durchlauf, den zehntausende von Metallern – ob nun gewollt oder ungewollt – auf dem Wacken:Open:Air erhielten, zeigte auf, dass die Songs vor Groove strotzen entschieden eingängiger sind, als die des Vorgängers. Rückblickend komme ich auf stolze drei Songs, die ich noch immer gerne höre: „Bloodline“, „New Faith“ und „Disciple“. Hier ist alles anders. Wer dem GHUA-Album einen New Metal-Touch nachsagte, wird nun ruhig gestellt. Das gesamte Album knallt gut, bringt durch das zum Teil melodische Riffing einiges an Abwechselung ins Haus. Hierbei wäre ausgerechnet der Promosong „Jihad“ zu erwähnen, der vielleicht das coolste Riffing aller zehn neuen Titel bietet. Auch der mit 4:54 Minuten längste Song der Platte, „Catatonic“, verfügt über hervorragendes Zusammenspiel der Gitarren mit den Drums. Dass die Füße Mr. Lombardos noch lange nicht schlapp sind, zeigt er in jedem Song durch solide Doublebass-Einlagen. Rasende Solospielereien sind selbstredend auch in unverkennbarer Art zu hören. Mir war etwas bange was die Stimmgewalt Tom Arayas betrifft. Wer SLAYER in den letzten Jahren mal live sah oder sich Videos im Netz zu Gemüte führte, merkte schnell, dass Araya lange nicht mehr das Feuer in den Stimmbändern hat, wie früher. Während der letzten Unholy Alliance-Tour im Jahr 2005 hatte er sogar eine Entzündung der Stimmbänder, weil sie überreizt waren. Hiervon ist auf „Christ Illusion“ nichts zu hören, er macht seine Aufgabe wunderbar, wird es live aber höchstwahrscheinlich nicht so umsetzen können.

Textlich behandelt „Christ Illusiion“ die Gedanken von Terroristen und die Gedanken der Band über Religion, was spätestens im Song „Cult“ deutlich wird. „Religion is hate, religion is fear, religion is war, religion is rape, religion’s obscene, religion’s a whore“ verrät dem Hörer im Chorus, ob Kerry King und Co. Sonntags zum Beten in die Kirche gehen oder eben nicht. Araya, als gewordener Christ, tut dies ja bekanntlich nicht und gröhlt lediglich die ihm vorgesetzten Texte heraus. Das Coverbild entstammt der Kreativität von Larry Carroll, der bereits die Artworks zu „Reign in Blood“, „South Of Heaven“ und „Seasons In The Abyss“ erstellte. Seine Zeichnungen hielt er auf einer 1,20m x 1,20m großen Leinwand fest, die mittlerweile im Original der Besitz von Kerry King ist. Ob das Album „heavier, härter und temporeicher als alles zuvor“ ist, wie Tom Araya behauptet, ist dem Hörer selbst überlassen. Jedenfalls sollte „Christ Illusion“ alle Erwartungen überschlagen. Der Slayer-Fan wird die Platte ohnehin kaufen und Interessierte sollten unbedingt ebenfalls zuschlagen! „Christ Illusion“ ist definitiv ein Album für Dauerrotation!

Bewertung: 8 / 10

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