CD-Review: Sonata Arctica - Ecliptica Revisited: 15th Anniversary Edition

Besetzung

Tony Kakko – Gesang, Keyboards
Elias Viljanen – Gitarre
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Schlagzeug
Henrik Klingenberg – Keyboards

Tracklist

01. Blank File
02. My Land
03. 8th Commandment
04. Replica
05. Kingdom For A Heart
06. Fullmoon
07. Letter To Dana
08. UnOpened
09. Picturing The Past
10. Destruction Preventer
11. I Can't Dance (Bonustrack; Genesis-Cover)


Wie, das ist erst 15 Jahre alt? Manche Alben haben einen derartigen Ruf als Klassiker, dass der unbedarfte Beobachter vermuten könnte, es hätte sie schlicht schon immer gegeben. Tatsächlich aber veröffentlichten SONATA ARCTICA ihr Debütalbum „Ecliptica“ erst 1999. Dieses Meisterwerk öffnete den Finnen schnell Türen, sodass Touren im Vorprogramm von Stratovarius sie zügig überregional bekannt machten. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Heute gehören sie zur Speerspitze des Melodic Metals, zumindest wenn man den Begriff weit auslegt, denn Veränderungen werden im Hause SONATA ARCTICA großgeschrieben. Verkaufszahlen im mittleren sechsstelligen Bereich (!) und Plattenvertrag bei Nuclear Blast sind natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht gewinnt „Ecliptica“ gerade aus der Retrospektive wieder an Charme: Im Gegensatz zu all den Experimenten und Ideen, die die Band seit „Unia“ in ihren Sound einfließen ließ, ist „Ecliptica“ ein erstaunlich straightes und kompaktes Werk voller Power-Metal-Hymnen. 1999 konnte man wohl noch so unbeschwert, ja fast naiv, Musik schreiben und aufnehmen. Nicht umsonst sind die Songs des Debütalbums noch heute Garanten für großartige Stimmung bei den Live-Touren, und kaum ein Liveset kommt ohne die Über-Hymnen „Replica“ oder „Fullmoon“ aus – das sind immer noch zwei der besten Songs der zweiten großen Welle des Power Metals!

Entsprechend leicht fiel der Band die Entscheidung, ihren Klassiker neu aufzunehmen. Angeblich in den Pausen der letzten Welttour wurde das Album komplett eingespielt und wird nun auf den Markt geworfen. Die Songs sind dabei in exakt derselben Reihenfolge auf die Scheibe gebrannt wie beim Original und als Zusatz gibt es lediglich einen mageren Bonustrack. Sehr viel besser ist der Sound der Neueinspielung ausgefallen: mehr Tiefe, mehr Differenzierung, mehr Wumms, aber mal ehrlich, das war ja klar. Ansonsten wurde wenig am Erfolgsrezept verändert. Die Songs wurden nicht umarrangiert, nicht modifiziert, selbst die Soli sind zum Verwechseln ähnlich.

Das einzige, was sich nennenswert verändert hat, ist Tony Kakkos Gesang – denn auch Tony ist 15 Jahre älter als 1999. Seine Stimme ist dunkler geworden, und dass SONATA ARCTICA auf den aktuellen Alben nicht mehr so hohen Gesang verwenden, hat auch hörbar andere Gründe als den geänderten Geschmack der Band. Glücklicherweise versucht er auf „Ecliptica Revisited“ nicht, den alten Stil zu imitieren, sondern wagt immer wieder leichte Neuinterpretationen, variiert im Gesang und singt Passagen tiefer oder in anderer Intonation. Das verleiht der Aufnahme im direkten Vergleich einen gewissen Reiz, aber um den richtig schätzen zu können, sollte man das Original wirklich gut kennen.

Und damit kommt sie jetzt, die Frage nach dem Sinn des Manövers. Braucht die Welt die Neueinspielung von „Ecliptica“? Eigentlich nicht, denn dafür hat sich zu wenig geändert und es gibt zu wenig Bonusmaterial. Sicherlich hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben, dieses Überwerk des Melodic Power Metals zu ehren, wie ein Re-Release der originalen Tonspuren samt Bonus-CD mit aktuellen Liveversionen der Songs. Dem Kapital „Ecliptica“ haben SONATA ARCTICA nämlich 2014 nichts mehr hinzuzufügen – eben weil es schon 1999 an der Grenze der Perfektion kratzte.

Keine Wertung

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