Review The Devil’s Trade – Nincs Szennyezetlen Szép

THE DEVIL’S TRADE – das war lange „dieses düstere Ein-Mann-Projekt mit dem Banjo“. Die Zeiten sind schon länger vorbei: Bereits das 2023 erschienene Album „Vidékek Vannak Idebenn“ war ein waschechtes Post-Metal-Album in voller Band-Instrumentierung, und mit JOHN CXNNOR wagte sich THE-DEVIL’S-TRADE-Mastermind Dávid Makó auf dem Roadburn Festival sogar in elektronische Sphären vor.

Nicht zuletzt diese Entwicklungen und Ereignisse dürften Makó in die Arme von Pelagic Records getrieben haben – jenes deutschen Labels also, das wie kaum ein anderes für Post-Metal höchster Güteklasse steht. THE DEVIL’S TRADE sind hier nicht nur zweifelsfrei gut aufgehoben, sondern haben umgekehrt auch absolut zu Recht einen Platz in dem erlesenen Roster gefunden. Denn mit „Nincs Szennyezetlen Szép“ knüpfen THE DEVIL’S TRADE nicht nur stilistisch an „Vidékek Vannak Idebenn“ an, sondern steigern sich in eigentlich allen Aspekten auch qualitativ nochmal.

Das größte Charakteristikum – der prägnante, wehmütige Klagegesang von Dávid Makó – ist auch auf dem neuesten Album das Alleinstellungsmerkmal. Ansonsten sind THE DEVIL’S TRADE zunächst kaum wiederzuerkennen: Mit „The Sleep That Dragged You Away“ startet das Album zunächst mit einer guten Minute schroffen Post-Metal im Stil von NEUROSIS und Konsorten, ehe sich über einen (ebenfalls stark an NEUROSIS erinnernden) ruhigen Part ebenjener ausdrucksstarke Gesang legt. Dabei ist es aber nicht nur das wuchtige Songwriting, das an NEUROSIS denken lässt: Auch der brachiale (Gitarren-)Sound mit einem wuchtigen Mastering von Nikita Kamprad (DER WEG EINER FREIHEIT) weckt Erinnerungen an Meisterwerke wie „Given To The Rising“. Der Umstand, dass Makó auch stimmlich eine Schippe draufgelegt und sich in harsche Shouts vorwagt, tut da sein Übriges.

Doch natürlich hat die Musik des großen Mannes mit der melancholischen Aura bei aller Brachialität nichts an Gefühl eingebüßt – es versteckt sich zwischen den lauten Riffs bloß etwas besser als umgeben von nichts als Banjo. Lag vielleicht das größte Manko am Vorgänger, auf dem THE DEVIL’S TRADE hörbar ihre ersten Schritte auf neuem Terrain wagten, in einer gewissen musikalischen Oberflächlichkeit, klingen THE DEVIL’S TRADE 2025 so vielschichtig wie noch nie: Electronica – mal dezent eingestreut („The Sleep …“), mal zur Soundscape ausgedehnt („All This Sadness“) –, stimmungsvoll integrierte Cleanparts oder eben seine dieser Tage meist kraftvoll, dann aber doch wieder anrührend zweifelnde Stimme machen „Nincs Szennyezetlen Szép“ zu einem Meisterwerk des Post-Metal, das nach nur knapp 40 Minuten eigentlich viel zu früh endet – oder eben früh genug, auf dem Höhepunkt der Lust auf einen weiteren Durchgang.

War „Vidékek Vannak Idebenn“ noch unüberhörbar eine Vision in Transition, wirken THE DEVIL’S TRADE nun angekommen: „Nincs Szennyezetlen Szép“ ist „das NEUROSIS-Album ohne bitteren Beigeschmack“, und als solches das vielleicht spannendste Post-(Sludge-)Metal-Album seit deren unrühmlichem Ende. So schade es um die unverwechselbare Musik war, die Dávid Makó seinem Banjo entlockt hat, so wenig seine Songs (stilistisch) noch mit dem gemein haben, was THE DEVIL’S TRADE ehedem ausgemacht hat: Über diese Entwicklung kann man nicht betrübt sein – zumal sich zwar die „Sprache“, nicht aber die Message geändert hat.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 9.5 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert