Review The Ruins Of Beverast – Tempelschlaf

  • Label: Ván
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Doom Metal

THE RUINS OF BEVERAST stehen seit jeher für einen verschrobenen Mix aus Black und Doom Metal. Das ändert sich auch mit dem nunmehr siebten Album nicht, das Alexander von Meilenwald (ex-NAGELFAR) unter diesem Projektnamen veröffentlicht. Doch war „verschroben“ bei THE RUINS OF BEVERAST bisher stets positiv konnotiert, ist das bei „Tempelschlaf“ nicht unbedingt der Fall.

Schon der Opener mit seinen knapp zehn Minuten wirkt wie ein Medley aus etwas, das vielleicht ein cooles Album hätte sein können: Wild springt von Meilenwald zwischen Stilen und Elementen, die man so von THE RUINS OF BEVERAST zwar schon kennt (die verhallte Cleangitarre, etwas pathetischen Klargesang, ein paar Doom-Riffs und einige Ausbrüche in den Black Metal). In der Gesamtheit klingt das Ganze jedoch nach nicht mehr als der Summe seiner Bestandteile: Übergänge oder Spannungsaufbau sucht man hier vergeblich, auch entfaltet sich keiner der Parts zu mehr als dem, was er eben ist: ein kurzer Part, der schon nach wenigen Minuten durch einen anderen abgelöst wird. Dass der Song mit einem Gitarrensolo endet, passt perfekt zu ihm: Es passt nämlich genauso wenig zum Rest wie die anderen Parts zueinander.

Dass dieser Song der Opener und Titeltrack ist, ist nur fair: Wer jetzt nicht gewarnt ist und weiterhört, ist selbst schuld. Zwar ist das folgende „Day Of The Poacher“ kein ganz so holpriger Ritt – so richtig Stimmung kommt zwischen wilder Raserei, Gitarrensoli und punkigem Drumming aber auch hier nicht auf. Da hilft es auch nicht, dass gegen Ende des Songs die schamanisch-rituell angehauchten Gesänge wiederkehren, die man schon von „Exuvia“ (2017) kennt. Apropos kennen: Mit „Cathedral Of Bleeding Structures“ folgt an dritter Stelle (endlich?) ein Song, wie man ihn von THE RUINS OF BEVERAST erwartet hätte: Auf einen Einstieg mit groovigem Tribal-Pattern auf den Toms folgt ein eher bedächtiger Doom-Metal-Song, der durch viel Dynamik bei der Intensität und durch verschiedene Gesangsstile vielseitig und über seine 6:40 Minuten unterhaltsam bleibt.

Spätestens an dieser Stelle muss man allerdings doch fragen: Wo will dieses Album hin? Was soll es werden, düster-doomig, rasend-extrem … oder alles auf einmal? Denn auch in den folgenden vier Songs klingt das Album unentschlossen – und leider in den Übergängen unsouverän. Auch „Alpha Fluids“ ist dafür ein perfektes Beispiel: Klingt der eher schwarzmetallene Song, der nach gut 40 Sekunden „atmosphärischen“ Vorgeplänkels einsetzt, über rund fünf Minuten durchaus souverän böse, gleitet auch dieses Stück noch für fast zwei Minuten in einen grotesk „transzendentalen“ Mix aus Black Metal und Sounds ab. Ähnlich in „Babel, Your Scarlet Queen“: ein Drittel Highspeedgeschraddel, das im Sound auf unangenehme Art von den Becken dominiert wird, ein Drittel melodiöses Midtempo mit groovigen Drums, ein Drittel stampfender Doom mit Chören und Klargesang. Spannungsbogen? Fehlanzeige!

„The Last Theatre Of The Sea“ mag man das wiederum zugestehen: Der Song entwickelt sich aus einer schönen Akustikgitarre in treibendes Midtempo-Riffing mit coolen Drums, steigert sich in Sachen Intensität, und das nicht nur stumpf linear, sondern mit ein paar auflockernden Breaks und Zwischenparts, bis die Entwicklung im letzten Drittel wieder gefühlvoll „rückgebaut“ wird. Nach knapp 40 Minuten kommt das aber leider etwas zu spät … zumal das an sich elegant über ein durchgehendes Soundarrangement angebundene „The Carrion Cacoon“ wieder in bekannte Muster zurückfällt und trotz vieler starker Einzelelemente auf seine 13 Minuten recht ziellos und zusammengestückelt wirkt.

Das Beste an „Tempelschlaf“ ist sein Cover-Artwork. Wer es nicht bei Ansehen belassen möchte, sollte sich auf einen selbst für THE-RUINS-OF-BEVERAST-Verhältnisse kruden Stilmix einstellen und sich insbesondere beim ersten Durchlauf nicht von der ersten Albumhälfte abschrecken lassen. Tendenziell wird „Tempelschlaf“ gegen Ende merklich stärker, was aber auch daran liegt, dass man bei rund einer Stunde Spielzeit viel Zeit hat, sich an die eine oder andere Merkwürdigkeit im Stil von THE RUINS OF BEVERAST zu gewöhnen.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 6.5 / 10

Publiziert am von

7 Kommentare zu “The Ruins Of Beverast – Tempelschlaf

  1. Fand ich am Anfang auch, von Durchgang zu Durchgang aber immer besser auch wenn das für mich eher ein gefälligeres Wirken als früher darstellt. Empfinde ich persönlich auch als etwas negativ dargestellt aber das ist selbstverständlich Geschmackssache.
    Höre ich mir dennoch gerne an, Reißt mich nur nicht so mit.

  2. Ich höre das Album ganz anders – „zum Glück“ will ich an der Stelle sagen. Es klingt für mich Ruins-typisch wie aus einem Guss. Und ebenso Ruins-typisch sind für mich die schönen Harmonien, die sich zwischen der – im positiven Sinn – grundsätzlich eher unangenehmen, beunruhigenden Stimmung wie Lichtblicke ausnehmen. Diese Stimmungsschwankungen wurden meiner Ansicht nach bereits auf Exuvia perfektioniert und es ist schon für mich die Besonderheit von TROB, diese Stimmungswechsel an Stellen zu vollziehen, an denen ich sie im Lied-Kontext einfach nicht erwartet hätte.
    Und die in der Rezension – die insgesamt durchaus nachvollziehbar und detailliert erläutert – kritisierten fehlenden oder nicht stimmigen Übergänge, scheinen mir auch weniger durch die Gitarren als vielmehr durch das Schlagzeug vollzogen, weshalb mir das beim Hören anfangs auch oft durchgegangen ist. Aber das Album ist nach mehreren Durchläufen stets gewachsen. Und das Urteil „ohne erkennbare Struktur“ kann ich wirklich überhaupt nicht teilen.
    Kurzum: Das Album wird am Ende des Jahres in meiner Top-Liste deutscher Black-Metal-Alben (im weitesten Sinn) sicher sehr weit oben stehen. Insofern sehr schade, dass es dich nicht so sehr berührt. Ich freue mich, dass es das für mich schafft. Exuvia hat für mich die Messlatte sehr hoch gelegt, so dass Tempelschlaf in meiner subjektiven Liste knapp dahinter zurücksteht. Aber auch hier mögen sich die Geister scheiden.

    1. Es freut mich ehrlich für dich, dass das Album für dich besser funktioniert – ich hätte mich sehr gefreut, wenn es bei mir auch noch gezündet hat. Was das drumming angeht, hast du sicherlich recht, ich finde aber auch an den Gitarrenarrangements einiges unausgegoren.

  3. Ich bin tatsächlich nach ein paar Hördurchgängen ziemlich positiv überrascht von der Platte. Wann hat Meilenwald zuletzt soviel rumgebolzt bei TROB? Sicher net mehr so viel seit „Rain upon the Impure“ und die Songstrukturen der Songs finde ich auf jeden Fall spannend, auch wenn sie sich nicht immer ganz erschließen.

    1. Umso besser für dich 😅 ich bin davon weg, dass ich „ohne erkennbare Struktur“ spannend finde, aber das ist Geschmacksache. Aber ja, die Platte hat ihre Parts, darum ja auch 6.5 und nicht 4 P.

  4. Bei so viel Kritik und dem Wort „krude“ sind 6,5 Punkte noch ganz schön viel.

    Na, ich bin gespannt, hatte neulich den Vorgänger und das erste Album im Player und erwarte eigentlich wie immer Großes. Mal sehen wie unvoreingenommen ich da rangehen kann :D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert