CD-Review: Vader - The Empire

Besetzung

Piotr Paweł Wiwczarek – Gesang
Marek "Spider" Pająk – Gitarre
Tomasz "Hal" Halicki – Bass
James Stewart – Schlagzeug

Tracklist

01. Angels Of Steel
02. Tempest
03. Prayer To The God Of War
04. Iron Reign
05. No Gravity
06. Genocidius
07. The Army-Geddon
08. Feel My Pain
09. Parabellum
10. Send Me Back To Hell


Kreativpausen? Schaffenskrise? Altersmilde? Unbekannte Worte im Hause VADER, wie es scheint. Seit 1992 mussten die Fans der Polen nie länger als drei Jahre auf ein neues Album warten. Nur zwei Jahre nach „Tibi Et Igni“, und damit voll im Plan, stehen VADER schon wieder Gewehr bei Fuß. „The Empire“ lautet der Titel des neuen Werkes, das gleich mit dem Ersteindruck punktet: Düster und morbide, gelungen retro und dabei keine Stangenware aus dem Klischeeladen, weiß das Artwork zu begeistern wie lange kein Cover der Polen.

Erfreulicherweise lassen VADER auf das optische Versprechen musikalisch Taten folgen: Gleich der Opener „Angels Of Steel“ weiß mit knackigen Riffs im unverkennbaren VADER-Stil, gewohnt präziser Arbeit an den Instrumenten und einem herrlich bissigen Sound zu begeistern. Ob schmissig („Tempest“), griffig („Prayer To The God Of War“) oder groovig („Iron Reign“) – nach nunmehr 33 Jahren im Geschäft beherrschen VADER die Klaviatur ihres Genres scheinbar blind.

Ohne all zu tief in die Trickkiste zu greifen, gelingt es VADER, für gute Unterhaltung zu sorgen – gelernt ist gelernt, wie man so schön sagt. Gewiss, echte Neuerungen sucht man hier vergebens: Im entsprechenden Sound abgemischt würde wohl keiner der Songs, zwischen Material der letzten Alben gemogelt, auffallen. Ein Makel? Auf dem Level, auf dem VADER nun seit Jahrzehnten musizieren, sicher nicht.

Verglichen mit dem direkten Vorgänger kann sich „The Empire“ dennoch in einigen Punkten absetzen: Neben dem Sound, der noch eine Nuance organischer klingt, ohne gleich wie dereinst „Welcome To The Morbid Reich“ im Retro-Gewand daherzukommen, ist es vor allem der Verzicht auf Spielereien, die Rückkehr zur Nüchternheit, die „The Empire“ auszeichnet: War „Tibi Et Igni“ noch voll von orchestralen Passagen und kompositorischen Ausschmückungen aller Art, steht 2016 wieder klar und unangefochten das Riff im Mittelpunkt des Geschehens. Spannung kreieren VADER dabei vor allem über das geschickte Spiel mit dem Songtempo: Die Routiniers VADER wissen genau, wann sie welches Register zu ziehen haben, um ein Album auch ohne große Überraschungen unterhaltsam zu halten. Die vergleichsweise kurze Spielzeit von einer guten halben Stunde tut ihr Übriges, dass mit „The Empire“ keine Langeweile aufkommt.

Der zentrale Punkt ist jedoch die Spielfreude: Jedem Song auf „The Empire“ merkt man an, dass er von Herzen kommt: VADER hauen hier nicht schlicht ein neues Album raus, weil es an der Zeit ist, sondern weil sie auch nach 33 Jahren noch Spaß an der Sache haben. Die Authentizität und Stärke, die diese Freude am eigenen Tun dem Material verleiht, ist durch nichts zu ersetzen.

Bei aller Unbeständigkeit in der heutigen Zeit freut man sich über jede Konstante im Leben. Auf musikalischer Ebene sind VADER eine davon. Der Deal ist denkbar einfach: Man weiß eigentlich immer schon, was einen erwartet – wird dafür aber auch nie enttäuscht. Auch „The Empire“ ist dahingehend eine sichere Bank: Sportliche 33 Minuten und zehn Tracks lang liefern VADER ihren unverkennbaren Sound in Reinform. Aber mal ehrlich: Was will man mehr?

Bewertung: 8.5 / 10

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