15 Jahre Metal1.info: Früher war nicht alles besser

Zur Feier unseres Jubiläums – 15 Jahre METAL1.info –  haben wir euch viel über uns erzählt – in einem Leserfragen-Interview und einem Kreuzverhör durch Stefan und Thomas Lindner (Schandmaul) haben wir euch veranschaulicht, wie die Arbeit bei einem Online-Magazin im Generellen und bei Metal1.info im Speziellen abläuft, haben über die fortschreitende Digitalisierung der Welt diskutiert und versucht, bei alledem ein höchst seriöses Bild abzugeben. Aber natürlich bedeutet Magazin-Arbeit auch viel Spaß – vor allem, wenn man in alten Archiven stöbert.

„Früher war nicht alles besser. Wir waren nur jünger und uns war alles scheißegal.“ lautet eine regelmäßig durch die sozialen Netzwerke gejagte Internet-Weisheit. Eine Weisheit, die ironischerweise gerade in der sich ständig wandelnden Welt des Internets auf vieles, und auch auf METAL1.info zutrifft: Wie jedes derartige Projekt hat auch METAL1.info erst über die Jahre und mit zunehmender Erfahrung zur heutigen Professionalität gefunden. Wenig spiegelt das besser wider als so mancher „Konzertbericht“ aus den Anfangstagen dieses Magazins.

Im Rahmen diesem dritten und letzten Jubiläums-Specials wollen wir – nicht ganz ohne Ironie – einen Blick zurück werfen: Wir sind hinabgestiegen in die tiefsten Tiefen des Internets und haben für euch in den staubigsten Winkeln des METAL1.info-Archives gestöbert. Lest hier was wir euch von dort mitgebracht haben: Die witzigsten Konzertberichte aus einer Zeit, als METAL1.info noch mehr ein Fanblog für den Freundeskreis war.

Ohne diese Texte und ihre Verfasser gäbe es METAL1.info heute nicht. Dieser Satz soll dem folgenden Special als kleiner Reminder vorangestellt sein. Denn alle, die an diesem Projekt in den letzten 15 Jahren mitgewirkt haben, haben ihren Teil dazu beigetragen, METAL1.info am Leben zu halten. Ihnen allen gebührt unser Dank.


 

Es fing alles damit an, dass wir uns wie im Vorjahr bei der Babs eingefunden haben. Am Freitag grillten wir, tranken Bier und jene, die sich noch nicht persönlich kannten, hatten einen Tag vor dem Festival schon einmal die Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Es war ein wunderschöner Abend mit Grillsteaks und Massen an Gerstensaft. Die optimale Vorbereitung auf die folgenden zwei Tage. Zum Festival-Gelände fuhren wir dieses mal mit dem Taxi, damit niemand einem Cola-Rausch ausgesetzt ist.  […] Die Umbaupausen zwischen den Bands vergingen eigentlich immer recht schnell. Man konnte ja ein Bier holen gehen, oder bei Bedarf eines wegbringen.

Rock-Hard Open Air (2004)

 

MOTÖRHEAD machen live ziemlich viel Spaß. Angetrunken haben wir uns dann zu viert in die Menge heben lassen, waren über den Leuten eine Runde schwimmen und hatten unseren Spaß. Bei „Ace Of Spades“ dürfte am meisten los gewesen sein. Ich landete nach dem Crowdsurfing direkt im tobenden Moshpit und muss noch immer verwundert sagen, dass es bei MOTÖRHEAD einen verdammt harten Moshpit hatte. Das war mir bei meinem ersten MOTÖRHEAD-Konzert gar nicht aufgefallen.

Wacken Open Air (2004)

 

Der Tag der Abfahrt! Allerdings galt es erstmal, körperlich wieder auf einen transportfähigen Stand zu kommen. Der vorherige Abend hatte mir ungewohnt hart zugesetzt, was ich zu einem gewissen Teil doch auf dich brüllende Hitze zurückführen möchte. Im Laufe weiterer Einkaufstouren kam es zur unkonventionellen Ausscheidung, was leider schlicht unvermeidlich erschien. Auferstanden aus Ruinen vermachte ich der Klofrau des Werre Park (ein Einkaufszentrum in Bad Oeynhausen) dann aber auch gütige 30 Cent und schloss mich Andi und Basti wieder an. […] Zurück am Zelt wurde erstmal verköstigt, eine Flasche Jägermeister, diverse Bier und irgendeine fiese Waldmeister-Mixtur fielen der barbarischen Tilgung im Pavillon zum Opfer. Das in kurzer Zeit und gewohnt großer Hitze! Gegen Nachmittag wollten wir dann zum Festivalgelände, doch es kam was kommen musste: Der Leibhaftige beraubte Andi seines Mageninhaltes, der prompt und unkompliziert an den Wegesrand entlassen wurde. Schnell fand sich eine johlende Menge ein, die enthusiastische „Maulbach!“-Chöre anstimmte. […] Um 18 Uhr begannen ZODIAC MINDWARP wohl zu spielen, diese straften wir aufgrund von akutem Desinteresse aber mit Ignoranz. Urteile ich nachdem was ich vom Campingplatz aus hören konnte, ist das alles halb so wild. […] Was ich nach MNEMIC tat habe ich gerade vollkommen vergessen, ich weiß lediglich noch, dass auf der True Metal Stage eine ganz furchtbare Kapelle namens PARAGON unterwegs war. Die hielt ich zuerst für Rhapsody, dazu waren sie aber nicht hässlich genug.

Wacken Open Air 2004 (II)

 

Nach einem Planungschaos, wie zumindest ich es im JUSTICE-Vorfeld nicht gewohnt war, machte mich ich mit Matze, Heining, Jessy und Corinna als Stiefelknechte auf den verregneten Weg nach Trockau, wo wir wie gewohnt um halb 10 mit die ersten dort waren (so muss das sein, der Parkplatz neben der Hecke gehört mir, allein mit – hahaha…). Innerhalb der nächsten Stund kamen dann a so langsam die andern… bis auf S.F. auch alle, die vor zwei Wochen mit bei In Flames waren… Benni, Marco, Seimen H. („Can it be…?“… und ich wusste trotzdem nix von Finntroll) , Markus H. und Chrissidoffi (auf besonderen Wunsch – gern geschehen! :-)), dazu natürlich auch die beiden hässlichen im In Flames Shirt (ihr wisst schon, ihr hässlichen). Ich könnte ja auch erwähnen, dass Döbi, Jenny, Dani, Sandra, Sandra ihr Bruder, Pam, Baumgart, Resi, Martina, Punky, Fuchsl und noch viel mehr da waren, aber so viel Platz hab ich nicht. Vergesst alles was ich geschrieben hab.

Justice, Trockau (2004)

 

Tja, Breitenlesau… Gott weiß, wo das ist (na ja, wohl nicht mal der). Auf der Hinfahrt haben wir uns minimum 2mal verfahren und alle 500 Meter angehalten, um die Landkarte nach dem Weg zu fragen, aber irgendwie sind wir dann doch angekommen. Auf der Fahrt wurde erstmal die komplette Hammer Of Justice (von Justice natürlich) durchgeknüppelt, das hat wunderbar die Vorfreude gesteigert. Fünf Euro Eintritt war schon ziemlich happig, aber handeln is da net drin. Gut, wir sind endlich da, und Cherokee haben es tatsächlich gewagt ohne uns anzufangen. Macht aber nix, denn bis auf Holy Diver von Dio spielen die in der ersten Runde eh nur ausgelutschten New Metal wie zB Clawfinger, Linkin Park oder Slipknot und dazu noch ne Portion Rammstein. Naja, da hilft nur n Bier, so taten wir dann auch und verzogen uns in den letzten freien Tisch in der letzten Ecke. […] Sehr amüsant waren dann auch drei Möchtegernbanger, die voll auf American BadAss abgegangen sind… Nu musste die zweite Runde Jägermeister herhalten, dabei spielten die mit Maidens Wicker Man sogar mal ein gutes Lied! Langsam is also auch meine anfangs eher gedrückte Laune besser geworden, und in der Pause nach Runde 2 musste erstmal kommod ein Stück Pizza verdrückt werden. Beim rundenweißen Austreten musste ich dann von Psycho nach einem „Schiff halt gegen den Opel da“ einen schmerzhaften Tiefschlag verdauen (Pff, Opel-Fans… ;-)), der aber gleich gekontert wurde. So nicht, mein Freund! Die kompletten ersten beiden Runden haben wir uns dann noch über die Affenbande von Cannibal Corpse amüsiert (uh uh uh uuuuuh uuuuuuuuuuh uuh!!!!!!), war einfach nur zu schön.

Cherokee, Breistenlesau (2004)

 

Nach den planmäßigen Sparkasse- und Anal-Stopps (anner Aral-Tankstelle, nur ein Hinweis an alle Wurstsalat-Outsider) und einem unplanmäßigen Pissstopp waren wir dann fast genau um 22 Uhr in Gunzendorf. 5 € Eintritt für Justice geht in Ordnung, und leicht ausgehungert geh ich mit Biersi und Psycho direkt ins Bistro. Kaum steht die Pizza aufm Tisch, scho ertönt Bonanza – verdammt, wir verpassen den Anfang! Domination müssen wir uns komplett vom Bistro aus anhören, den Schluss von Cowboys From Hell kriegen wir gerade so ziemlich hinten noch mit (natürlich beide von Pantera). […] Mindestens ne halbe Stunde wurd dann nach Psycho und dem Rest gesucht, aber finden wollten die sich nicht lassen. Verdammt, waren wir kaputt und durchgeschwitzt! So schnell wie da hab ich wohl noch nie ne Flasche Spezi getrunken. Ein fünftes Bier an dem Tag wollt ich mir auch nicht antun, weil mir das eher kaum gut getan hätte. 

Justice, Gunzendorf (2002)

 

Unser Tag begann damit, dass wir gegen 13 Uhr mit dem Zug Richtung Erfurt fahren wollten. Doch wie es sein sollte, vergaßen 2 von uns ihre Eintrittskarten. Einer hat sie liegen lassen, einer wusste nichtmal wo sie war. Als beide ihre Karte hatten fuhren wir nun doch nach Erfurt. Eine Stunde Verspätung, dennoch waren wir noch im Zeitplan. Wir gingen erst mal in der Innenstadt zu McDonalds und fuhren danach mit der S Bahn zur Messehalle hoch. In der S-Bahn trafen wir schon viele Metallica Jünger. Doch meiner Meinung nach waren die Fehl am Platz… alle hatten ein St Anger Shirt an und kamen mit ihrem „Schlachtruf“ „FRANTIC TIC TOC“ in die Bahn… Mehr als ein müdes Lächeln konnten die Jungs uns nicht abverlangen.

Metallica, Erfurt (2003)

 

17 Uhr stand auf meiner Karte für den Einlass, doch dies wurde beinahe ignoriert. Satte 25 Minuten ließen die Wichser von Securitys die Leute an diesem recht kühlen Dienstag warten! Eine Frechheit, die mit lauten Pfiffen und Beschimpfungen quiettiert wurde. Recht so, dachte ich nur! Für den Preis von knapp 40 Mäusen müsste man doch wenigstens „Artgerecht“ behandelt werden! Dies war wohl nicht so die Stärke dieser Konzerthalle, die ich zum ersten Mal betrat! Zu allem überfluss nahm man den Besuchern auch alle Wasserflaschen ab, mit Fotokameras kam man jedoch durch! Da fragte man sich, was wohl gefährlicher wäre, wenn man es zur Bühne schmeißt! Ich verstand die Welt nicht mehr!

Linkin Park, Berlin (2003)

 

Die Umbaupause dauerte dann mit knappen 15 Minuten auch kürzer als erwartet, doch leider war mit „Infest“ von Papa Roach die Pausenmusik nicht wirklich perfekt gewählt. Darüber war ich natürlich nicht erfreut, genau so wenig wie vom Anblick des Sängers von CALIBAN, der aussah wie ein abgemagerter Raver. Das muss ja noch nichts heißen, aber der hüpfte auch noch rum wie ein Nu-Metal-Kiddie und mit seiner Stimme konnte ich erst recht nichts anfangen. Gut, die Musik ging zwar in Richtung Devil Driver, doch Caliban waren im Gegensatz dazu einfach nur langweilig und viel zu eintönig, auch wenn’s instrumental nicht schlecht war.

Caliban, Nürnberg (2004)

 

Es ist Freitag der 09 Mai 2008, als Han & Jutta mich in der Getränkeabteilung des Real Markts in Bochum-Langendreer aufgabeln (dies ist übrigens ebenfalls als Beweis für die Friedliebigkeit in der Metalszene zu verstehen – Anm. JM). Dankbar für jede Abwechselung geselle ich mich mit meinem besten Freund König Ouzo dem 12ten zu ihnen, um die Fahrt zu einem ominösen Rock Hard Festival anzutreten. Wie es sich für einen ordentlichen Alki gehört, fahre ich schwarz. Zumindest herrscht Dunkelheit in meiner gepolsterten Luxusbehausung. Kaum angekommen, versenke ich den Ouzo gegen den Rat der Obrigkeit (an dieser Stelle ein Sorry an Marcel, ich hätte wohl auf Dich hören sollen) im nächstgelegenen Busch, um so später den enormen Getränkepreisen zu entgehen. Groß ist die Enttäuschung, als die Flasche eine Stunde später verschwunden ist, schade drum.

Rock Hard Festival 2008

 

Richtig los ging es dann am Donnerstag Vormittag mit SWALLOW THE SUN aus Finnland. Da ich die Truppe zugegebenermaßen von sehr weit hinten anschaute, gleichzeitig ein wenig das Festivalgelände inspizierte und zur Hälfte des Sets dann zu allem Übel noch über längere Zeit das ToiToi beehren musste, will ich mir hier gar kein richtiges Urteil erlauben. Der Auftritt langweilte mich aber irgendwie ein wenig, was neben dem nicht überwältigenden Sound eben auch an den genannten Faktoren liegen kann und nicht zwingend an der Leistung oder dem Material der Band. Das Publikum freute sich jedenfalls trotz früher Morgenstunde schon einigermaßen und so war die Band immerhin ein solider Start in den Tag. […] Auf ein Hoch muss scheinbar immer ein Tief folgen: Obgleich ich die Musik IMMOLATIONs nicht kannte, und doch nur gutes über die Amerikaner vernommen hatte, enttäuschten sie mich doch ziemlich. In meinen Ohren krachte es eigentlich ausschließlich, viel Struktur bemerkte ich ebensowenig wie Melodien oder ähnliches. Gut, braucht es eigentlich auch nicht, aber schon wieder empfand ich die Musik als überaus langweilig, und schon wieder war der Sound nicht der Bringer, diesmal war das ganze aber auch nervtötender als bei SWALLOW THE SUN, die das ToiToi wenigstens bemerkenswert zum Beben gebracht hatten. 1-2 Songs vor Schluss machten wir uns dann auch auf zurück zum Campground.

Summer-Breeze Open Air 2008

 

Irgendwie hatte man mehr erwartet. Waren doch im Vorfeld recht viele Stimmen zu hören, die einen Auftritt der Pandabären kaum erwarten konnten, vielen die Reaktionen beim Auftritt doch recht verhalten aus. Doch beginnen wir von vorne. Nachdem sich eine Schnapsleiche vor unseren Füßen endlich weg zu den Johannitern gerollt hatte, enterten die Könige des Black Metal die Bühne. Gewohnte Ansage „Hello Ladies and Motherfuckers. Wer are Immortal and the Sun no longer rises“ und schon fliegen die Lumpen, bzw die Pyros. Die Setlist orientiert sich stark an der letztjährigen und lässt somit kaum Wünsche offen. Es knallt und kracht an allen Ecken und Ecken, zudem lässt Abbath noch eine schicke Feuerspucker-Einlage vom Stapel. Da fallen auch spielerische Mängel wie zb bei Tyrants nicht weiter ins Gewicht, denn wer bei IMMORTAL technische Raffinesse erwartete, konnte sich den Auftritt von vornerein schenken. So vergehen 1,5 Stunden Geholze vom Feinsten vor einem Amphitheater, das Randvoll gefüllt ist. Stimmung kommt allerdings wie erwähnt leider nur vor der Bühne auf, sie restlichen 5000 Zuschauer schauen lieber verhalten zu. Fakt ist, dass rein optisch mitsamt der Pyroshow IMMORTAL diesbezüglich das Highlight des gesammten Festivals darstellten. Für Freunde der Pandabären, war dieser Auftritt ungeachtet jeglicher Kritik ohnehin die Offenbarung. Hail IMMORTAL.

Rockhard Festival 2008


PS: Dieses Special ist der Beweis dafür, dass der Satz „Das Internet vergisst nie“ alles ist, bloß keine leere Floskel: Aus unseren Datenbanken schon längst getilgt, konnten wir diese Schätze mithilfe der Web-Archive-Version von Metal1.info bergen. Wer sich selbst auf eine kleine Zeitreise begeben oder sich selbst auf die Suche nach weiteren unterhaltsamen Fundstücken machen will, ist hier richtig!

>> Alle Specials zum Thema „15 Jahre Metal1.info“ im Überblick!

3 Kommentare zu “15 Jahre Metal1.info: Früher war nicht alles besser”

  1. conaly

    Breitenlesau, Gunzendorf, Trockau (und früher auch noch Hirschaid) und die Coverbands, die dort regelmäßig auftreten xD Ja, das waren noch Zeiten, wo man zu solchen Shows regelmäßig hingegen ist und man über Jahre hinweg quasi das selbe Programm bekommen hat :P Justice, MacLoud, Cherokee, Audio-Gun, Schlachtschüssel… in Franken war man echt gut gesegnet mit derartigen Bands^^

    1. Stefan Popp

      Oh ja, das war echt eine geile Zeit mit den ganzen Coverbands. An den Auszügen aus den „Konzertberichten“ – die in dem Fall alle ich verbrochen hab – kann man ja auch gut erkennen, dass das mehr ein schönes regelmäßiges Zusammenkommen einer verrückten Truppe war als alles andere. Einfach schöne Rituale alle paar Wochen. Schade, dass es das heute so nicht mehr gibt und die Coverszene in Franken immer mehr verkümmert und da nicht wirklich was neues nachkommt.

      Ich war übrigens erst Ende letzten Jahres mal wieder bei Justice in Trockau – außer, dass sie inzwischen im kleinen MC2 spielen, hat sich nicht viel geändert, einen großen Teil der Setlist von damals findet man heute immer noch :-D

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