Iron Maiden: Burning Ambition

Iron Maiden Burning Ambition

Zum 50. Jubiläum reihen sich nun auch IRON MAIDEN mit ihrer neuen Dokumentation „Iron Maiden: Burning Ambition“ in die zuletzt vermehrt veröffentlichten Bandporträtierungen ein. Dabei stehen sie in einer Reihe neben Größen wie JUDAS PRIEST, KREATOR oder MEGADETH. Es ist klar, 50 Jahre Bandgeschichte bringen viel Material mit sich, worüber erzählt werden kann. Um die Geschichte von IRON MAIDEN auf die Leinwand zu bannen, hat sich Malcolm Venville als Regisseur verdingt. Interessant ist, dass IRON MAIDEN selbst keinen Einfluss auf die Produktion hatten. Sie haben es sich aber nicht nehmen lassen, bei der Weltpremiere am 5. Mai 2026 in London persönlich dabei zu sein. Vor Ort durfte natürlich Eddie nicht fehlen, der auf dem roten Teppich sein Unwesen getrieben hat.

Bevor der Film im Berliner UCI Luxe startet, wird sicherheitshalber noch mal gefragt, ob hier wirklich die IRON MAIDEN-Dokumentation läuft. Dies wird kurzerhand von mehreren Gästen mit Kopfnicken quittiert. Anhand der hohen Anzahl von Metalshirts – klar, insbesondere IRON MAIDEN – hätte man aber auch so darauf kommen können. Und dann startet der Film: Im Universum fliegt ein grotesk anmutender Ball aus Gliedmaßen auf die Erde zu. Dieser schlägt in Großbritannien ein und Eddie steigt aus dem Krater empor. Verschiedene Videoausschnitte ihrer Geschichte geben einen Vorgeschmack auf das, was die kommenden 106 Minuten bereithalten.

Die Dokumentation zeichnet die Reise von IRON MAIDEN – die ab 1970 mit Steve Harris beginnt – mal mehr, mal weniger chronologisch nach. Die Beziehung der Band zu ihren Fans ist eines der Kernelemente, zu denen sich IRON MAIDEN immer wieder bekennen. Es kommen auch Stimmen anderer Musiker zu Wort. Hier tauchen natürlich mit Gene Simmons, Lars Ulrich, Scott Ian oder auch Tom Morello das Who-is-who der Metal-Szene auf. Die Einspieler lockern auf und tragen zum Erhalt der Spannung bei.

Wer auch immer wieder auftaucht: Eddie. Er wurde im Laufe der Jahre zum Gesicht der Band und ziert jedes Albumcover. Dabei nimmt er immer wieder andere Formen an, mal als Mumie, mal als Samurai, und schlägt mit seinen Allüren die Brücke zu den Fans. Eddie wird in der Dokumentation regelmäßig mit kleinen Einspielern gewürdigt.

Einer der schwersten Schritte in der noch jungen Geschichte von IRON MAIDEN war mit Sicherheit der Ausstieg von Paul Di’Anno. Dieser war absolut notwendig, um die Band weiter nach vorn zu bringen, die Alkohol- und Drogeneskapaden von Di’Anno waren nicht mehr tragbar. Kurzum: Es musste ein neuer Sänger her, die Wahl fiel auf Bruce Dickinson. Ein wahrer Glücksgriff, wie heute alle wissen. Der ehemalige SAMSON-Sänger war das komplette Gegenteil: professionell, achtete auf sich und kann dazu noch ausgezeichnet singen. Natürlich kam das nicht bei allen Fans gut an, so wie das bei einem Sängerwechsel eben sein muss.

Ab dem vierten Album ist auch Nicko McBrain mit von der Partie und IRON MAIDEN entwickeln sich im Laufe der 80er Jahre zu einer der größten Heavy-Metal-Bands der Welt. In der Zeit wird ihr Konzert in Polen des damaligen Ostblocks als eines der wichtigsten Ereignisse hervorgehoben. Als erste westliche Band überhaupt haben sie ihre volle Produktion aufgefahren – die Reaktionen der Fans fielen frenetisch aus. In Posen gab es dabei einen spontanen Auftritt auf einer Hochzeit, auf der sie keiner kannte.

Auch Fans kommen zu Wort und beschreiben, wie wichtig IRON MAIDEN für sie sind. Über „Fear Of The Dark“ hat eine Frau 1992 zum Metal gefunden und den Bürgerkrieg in ihrem Land damit besser überstehen können. Einen ähnlichen Effekt beschreibt ein Feuerwehrmann aus New York, der die Erlebnisse vom 11. September 2001 mit MAIDEN verarbeitet.

Ende der 80er Jahre bahnte sich der größte Einschnitt in ihrer Geschichte an. Der Ausstieg von Adrian Smith (1989–1999) und Bruce Dickinson (1993–1999). Blaze Bayley folgte am Mikro: Er kam aber stimmlich nie an Bruce ran und die Beziehung zu den Fans war über die gesamte Dauer schwierig. Während dieser Durststrecke spielten sie teilweise wieder Hallen mit höchstens 1000 bis 2000 Personen. Wenn man es positiv nimmt, war das noch mal eine Chance, IRON MAIDEN in intimerer Atmosphäre zu erleben.

Die Rolle rückwärts kam 1999: Bruce und Adrian kehrten zu IRON MAIDEN zurück. Janick Gers, der Adrian Smith ersetzt hat, blieb. Seitdem gibt es MAIDEN mit drei Klampfen-Spielern auf der Bühne. Für die Karriere war das die beste Entscheidung, spielen sie doch heute wieder die größten Stadien und Festivals.

Neben Bruce Dickinsons Pilotenausbildung greift die Dokumentation auch seine Kehlkopfkrebserkrankung auf, die er glücklicherweise 2014 überwinden konnte. Mit der EdForce One flog er über viele Jahre seine Bandmitglieder zu allen Auftritten auf der Welt. Nicht nur das, er flog auch für eine gewisse Zeit als Linienpilot für Astraeus Airlines.

Der Abschluss von „Iron Maiden: Burning Ambition“ wird mit dem letzten Konzert von Nicko McBrain 2024 in São Paulo und der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame gefunden. Wie wichtig ihnen ihre Fans auch heute noch sind, lässt sich an diesem Ereignis gut festmachen. Anstatt die Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame zu feiern, haben sie ein Konzert gespielt.

Diesen Geist merkt man „Iron Maiden: Burning Ambition“ auch an, er ist für alle Fans gemacht. Dass man dabei einen guten Querschnitt über die gesamten 50 Jahre finden muss, ist klar. Was bleibt, ist dann aber eine gewisse Oberflächlichkeit, die wenig Tiefgang erlaubt. Viel Neues gibt es somit nicht zu erfahren, aber das, was erzählt wird, ist gut in Szene gesetzt. Malcolm Venville ist eine Dokumentation gelungen, die langjährige Fans sicherlich ins Schwelgen alter Zeiten zurückversetzen kann, sowie neuen Fans oder Außenstehenden einen guten Überblick über 50 Jahre IRON MAIDEN gibt.

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Michael Schurig

Publiziert am von

Christoph Emmrich

Fotos von: Christoph Emmrich

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