CD-Review: Ensiferum - Victory Songs

April 2007

Besetzung

Petri Lindroos – Gitarre, Gesang
Markus Toivonen – E- und Akustik-Gitarre, Klar- und Hintergrundgesang
Sami Hinkka – Bass, Klar- und Hintergrundgesang
Meiju Enho – Keyboard
Janne Parvianen – Schlagzeug

Tracklist

01. Ad Victoriam
02. Blood Is The Price Of Glory
03. Deathbringer From The Sky
04. Ahti
05. One More Magic Potion
06. Wanderer
07. Raised By The Sword
08. The New Dawn
09. Victory Song


Regenprasseln, weit entferntes Donnergrollen und Hufgetrampel bestimmen die Szenerie, doch nicht allzu lange, denn schon bald übernehmen Flöten- und epische Keyboardklänge die Führung. Bei nahezu allen anderen Bands würde hier ein 08/15-Intro beschrieben, doch hier haben wir es mit ENSIFERUM zu tun, liebe Freunde, und jedem Fan der Truppe geht schon nach wenigen Sekunden der dreiminütigen Einleitung garantiert das Herz auf. Das ist von den beiden Vorgängern bekannt und auch bei ihrem dritten Album „Victory Songs“ brechen die Finnen nicht mit dieser wundervollen Tradition, die sie mit dem alten finnischen Kriegersmann auf dem Frontcover auch optisch fortsetzen.

Die fast ausnahmslose Enttäuschung über die zwischengeschobene „Dragonheads“-EP scheint mit einem Mal wie weggeblasen und als Experiment abgetan und als das erste richtige Lied „Blood Is The Price For Glory“ ertönt ist jegliche vorherige Negativeinstellung zur Weiterentwicklung nach dem Sängerwechsel vergessen. Klar, Jari Mäenpää ist ein absoluter Ausnahmesänger und für jede Band ein Verlust, der er den Rücken kehrt. Doch ENSIFERUM machen aus der scheinbaren Not eine Tugend und erweitern den vokalistischen Bereich einfach mal eben erheblich: Markus und Sami steuern mehr klare und Chorgesänge bei denn je und sogar der bei Norther reichlich monoton agierende Petri Lindroos scheint jetzt ein wenig mehr Variation in seinen Gesang zu bringen. Es gibt aber noch mehr, so etwa Hardcore-Shouts („Blood Is The Price For Glory“) oder Growls („Ahti“).

Instrumental bleiben ENSIFERUM ihrer Linie treu, sind aber weit von Stillstand entfernt. Ihr Folk / Viking Metal wird weiterhin mit melodischen Death Metal vermischt und überdies scheinen die Nordmänner nun mehr denn je den Power Metal für sich entdeckt zu haben, „One More Magic Potion“ zum Beispiel etwa klingt riffmäßig sehr powermetallisch. Der Atmosphäre zuträglich ist, dass hier überaus viele verschiedene Instrumente wie Banjo, Mandoline, Flöte, Dudelsack oder sogar eine irische Rahmentrommel (Bodhrán) verwendet werden.
Sehr auffällig ist über die gesamten 50 Minuten, dass „Victory Songs“ überaus schnell ausgefallen ist. In der Vergangenheit war ein Song wie „Slayer Of Light“ mit seiner Geschwindigkeit noch die Ausnahme, anno 2007 wird das Gaspedal viel häufiger durchgedrückt. Natürlich gibt es auch hier die willkommenen Ausnahmen, „Wanderer“ ist dabei sogar eines der großen Highlights der gesamten Bandgeschichte geworden, die Melodien und der durchgehend klare Gesang sorgen ein ums andere mal für Gänsehautattacken.

Und die Gänsehaut beschränkt sich nicht nur auf diesen einen Song oder den großartigen zehnminütigen „Victory Song“, der übrigens noch mal mit eigenem Intro aufwartet. An zahlreichen Stellen mag man einfach die Augen schließen und sich auf ein schlammiges Schlachtfeld unter brütender Sonne denken, während um einen herum hunderte und tausende Gleichgesinnter springen, tanzen, singen, Fäuste recken und einfach zusammen feiern. Wer ENSIFERUM auch nur einmal live gesehen hat, sollte wissen was ich meine, die Kerle treiben sogar einen Springmuffel wie mich das gesamte Konzert über mitten ins Getümmel. Überhaupt, ENSIFERUM schaffen es mit ihrer Musik geradezu kindliche Glücksgefühle beim Hörer freizusetzen, selbst dem gestandenen Wikinger dürfte beim Lauschen dieser Scheibe das Herz geradezu aufgehen und die Klänge ein Lächeln ins bärtige Gesicht zaubern.

Und textlich… Naja, mal ehrlich, dafür interessiert sich doch hier eh kaum einer. Die Lyrics sind ebenso klischeetriefend und sich-selbst-kopierend wie etwa bei Manowar und ebenso mitsingtauglich. Hier will auch niemand Poesie, sondern einfach Zeilen, die man beim Konzert oder wo auch immer man es gerade hört mitbrüllen kann, und Stoff dafür bekommt man hier reichlichst geboten!
„Ensiferum“ hat auch sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung kein bisschen seiner bezaubernden Magie eingebüßt, die „Iron“ ist auch mit drei Jahren auf dem Buckel noch ebenso klasse und mitreißend. Nein, es gibt von meiner Seite aus nicht den geringsten Zweifel daran, dass genauso „Victory Songs“ trotz seiner Eingängigkeit eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeitsdauer hat.

ENSIFERUM beweisen mit ihrem dritten Album, dass sie zurecht eine riesige Fanbasis haben und diese in Zukunft ins Unermessliche wachsen kann. Wie heißt es beim dritten Album doch oft so schön, „Make it or break it“? „Make it“, aber so was von!

Bewertung: 9.5 / 10

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