Konzertbericht: Marko Hietala w/ Metal De Facto

18.10.2026 München, Backstage (Werk)

Nach einem deutlich zu warmen Start zeigt sich der Herbst an diesem Sonntagabend von seiner nass-kalten Seite und macht das Warten vor der Backstage-Halle zu einer ungemütlichen Angelegenheit. Frühes Anstehen wäre heute Abend aber nicht wirklich nötig gewesen, denn wie auch schon bei seinem letzten Headliner-Gastspiel 2020 hat MARKO HIETALA auch heute mit zu niedrigen Ticketverkäufen zu kämpfen. Musste die Show damals vom Werk in den Club verlegt werden, ändert sich diesmal nichts an der Location. Wahrscheinlich aber nur, weil der Club parallel auch bespielt wird. Seis drum, die Stimmung in der gut zur Hälfte gefüllten Halle ist trotzdem gut, und München freut sich auf einen der seltenen Live-Auftritte des charismatischen Finnen.

Um kurz vor 20:00 Uhr läuten die ebenfalls aus Finnland stammenden METAL DE FACTO ihren Auftritt mit „Crocket’s Theme“ aus der 80er-Kultserie „Miami Vice“ ein und stürmen gut gelaunt die Bühne. Die gute Laune erhält bei den ersten Tönen des Openers aber einen kurzen Dämpfer, denn der Sound ist schlecht abgemischt. Von den Gitarren und dem Gesang von Frontmann Aitor Arrastia hört man fast nichts, dafür lässt das Schlagzeug fast die Trommelfelle platzen. Erst im Laufe des zweiten und dritten Songs bessert sich der Sound, wirklich verständlich ist der Gesang aber trotzdem während der ganzen Show nicht. Das Quintett hat trotzdem Bock und zockt seinen energetischen Power Metal mit viel Spielfreude. Diese Freude ist ansteckend, und das Publikum reckt bald die Fäuste und singt bei einem Song sogar mit. Während Sänger Aitor teilweise fast schon etwas unsicher wirkt, ziehen die beiden Gitarristen Esa Orjatsalo und Zsolt Szilagyi immer wieder die Blicke auf sich und geben sich alle Mühe, die halb volle Halle in Stimmung zu bringen. Nach gut 45 Minuten ist dann aber auch wirklich alles gesagt, und das Set endet genau zur richtigen Zeit.

Nach 30 Minuten Umbaupause laufen MARKO HIETALA und Band zu spooky Synthieklängen ein und starten mit „Frankenstein’s Wife“ in ihr Set. Der Sound ist zum Glück deutlich besser als noch bei METAL DE FACTO, wobei auch hier der Gesang etwas mehr im Vordergrund stehen könnte. Im Fokus des heutigen Abends steht klar das aktuelle Album „Roses From The Deep“ aus dem letzten Jahr, von dem es acht Songs in die Setlist geschafft haben. HIETALA betont im Laufe des Abends immer wieder, wie sehr es ihn freut, dass die Fans auch diese häufig eher getragenen, progressiven Stücke feiern. Denn tatsächlich zeigt sich München heute deutlich begeisterter als beim letzten Konzert 2020. Sowohl schnellere Songs wie „Rebel Of The North“ oder „Impatient Zero“ als auch gefühlvolle Nummern wie „Two Soldiers“ oder „Roses From The Deep“ kommen gut an. Besonders schön: Bei den ruhigen Momenten herrscht auch wirklich Ruhe im Publikum, und man kann die Musik ohne störendes Gelaber im Hintergrund genießen.

Gut gelaunt und mit viel Witz führt HIETALA durch den Abend, macht Witze über den einzigen Schweden in der Band (Keyboarder Bob Engstrand), freut sich darüber, so viele Sci-Fi-Bücher von seinem Vater bekommen zu haben, oder macht sich über das Zugabe-Ritual am Ende von Konzerten lustig. Auf der musikalischen Seite kann man nicht genug betonen, wie gut die Band ist. Co-Kreativkopf und Gitarrist Tuomas Wäinölä, Keyboarder Bob Engstrand und Drummer Anssi Nykänen verstehen ihr Handwerk und tragen entscheidend zu Drive und hoher Qualität der Show bei. Besonders glänzen können sie beim epischen „The Dragon Must Die“ mit ausuferndem Instrumentalpart und energetischem Finale. Auch wenn HIETALA das Thema Zugaben humorvoll hinterfragt, verlassen die Musiker nach „Proud Whore“ natürlich erst mal die Bühne mit einem Augenzwinkern und warten darauf, dass lauter Jubel sie zurück auf die Bühne lockt. Lange lässt sich die Band nicht bitten und schließt den Abend mit „Star, Sand And Shadow“ und dem Hit „Stones“ ab, wobei gerade letzterer live einfach immer wieder mit seinem wuchtigen Refrain und den schweren Riffs großen Spaß macht.

  1. Frankenstein’s Wife
  2. Rebel Of The North
  3. Isäni Ääni
  4. For You
  5. Impatient Zero
  6. The Dragon Must Die
  7. Juoksen Rautateitä
  8. Two Soldiers
  9. Roses From The Deep
  10. Left On Mars
  11. Proud Whore
    —
  12. Star, Sand And Shadow
  13. Stones

Ja, die Mischung aus Prog Rock, Classic Rock und 80er-Synthies ist teilweise etwas herausfordernd, aber trotzdem ist es schade, dass MARKO HIETALA heute vor einer halbleeren Halle spielen musste. Der Finne mit der markanten Stimme und seine Mitmusiker haben dennoch Spaß und begeistern mit der Songauswahl, Spielfreude und einer Performance auf hohem Niveau. Auch METAL DE FACTO machen sich gut in der Rolle als Anheizer, wobei die Sound-Probleme der Show einen deutlichen Dämpfer verpassen. Insgesamt also ein gelungener Abend, der um 22:45 Uhr für einen Sonntag auch noch zu einer annehmbaren Uhrzeit endet.

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Juan Esteban

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