Interview mit The Void von Make Them Die Slowly

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Quasi aus dem Nichts ist mit MAKE THEM DIE SLOWLY ein neues Projekt aus dem Dunstkreis von Anaal Nathrakh aufgetaucht. Sänger The Void gibt erste Einblicke in das neue Extreme-Metal-Projekt – nicht jedoch, ohne mit einem Augenzwinkern hinterherzuschicken: „Ungeachtet dessen, was in dem Interview gesagt wird, bin ich kein Serienmörder, also kontaktiere bitte nicht die Polizei!“

Hallo und vielen Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast! Wie geht es dir?
Gerne! Ich bin gerade ziemlich aufgeregt und dankbar für das Feedback, das wir in den etwa 24 Stunden seit der Veröffentlichung unseres Albums bekommen haben. Ich habe mich in meinem Studio versteckt, dem Splatterhouse, höre Soundtracks und schaue mir Filme an …

Es gibt ein White-Zombie-Album namens „Make Them Die Slowly Die“ – hat eure Namenswahl etwas damit zu tun oder woher kommt der Name?
Es gibt absolut keinen Zusammenhang mit White Zombie, aber ich möchte wetten, dass es einen 100%-igen Zusammenhang hinsichtlich des Ursprungs der Namenswahl gibt … es ist der Originaltitel von Umberto Lenzis Kannibalen-Opus „Cannibal Ferox“ von 1981. Offensichtlich hat Rob Zombie eine tief verwurzelte Liebe zum Horror- und Exploitationfilm und ich würde wetten, dass das einfach eine gemeinsame Inspiration war.

Der Name trifft eine sehr deutliche Aussage – aber wen meint ihr mit „them„?
Wie gesagt, der Titel stammt aus einem Film, daher vermute ich, dass Lenzi sich auf die Westler bezieht, die in den Dschungel der einheimischen Stammesangehörigen eindringen, und – Spoiler-Alarm – sie sterben wirklich langsam, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Ich persönlich habe eine Liste von Leuten im Kopf, die einen langsamen Tod verdienen, und sie enthält hauptsächlich Politiker und rechte Agitatoren, die jeden Winkel des Internets zu verschmutzen scheinen.

Wie lange gibt es die Band schon, wann habt ihr euch zusammengefunden?
Ungefähr seit einem Monat. 99 % der Musik war fertig, als ich die Rohversion der Demos erhielt. Innerhalb von 24 Stunden hatte ich die Texte geschrieben und mit den Aufnahmen in meinem Splatterhouse-Studio begonnen. Innerhalb von sechs Tagen war alles fertig und ich musste nur noch darauf warten, dass es gemischt und gemastert wurde. Ich habe bei keinem anderen Projekt, das ich in der Vergangenheit gemacht habe, eine so schnelle Umsetzung erlebt. Da ich von Anfang an wusste, dass die Texte und die Ästhetik der Band mit Horror/Exploitation/Giallo zu tun haben würden, war es wirklich ein Werk der Liebe, und so sprudelte das Material sofort aus mir heraus, fast wie Blut aus einer Arterie.

Ist es das erste Mal, dass du musikalisch in Erscheinung trittst, oder kennt man dich schon von anderen Projekten – etwa von Fukpig, wie einige Fans vermuten?
The Void ist überall, und doch ist The Void nirgendwo, ist nichts. Ich bin ein Fan von Fukpig und wusste, dass der Gesang eines Duncan Wilkins gut zur Band passen würde. Nach einem kurzen Gespräch (bei dem vielleicht ein Messer im Spiel gewesen sein mag) haben wir uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt.

Die Musiker auf den Bandfotos sind alle maskiert – gehört es zum Konzept, anonym zu bleiben, oder ist es nur eine Stilfrage?
Die Personen auf den besagten Fotos sind eine handverlesene Sammlung begnadeter Messerstecher aus der ganzen Welt. Sie wurden aufgrund ihrer Kreativität, ihres Gespürs und ihrer Fähigkeit, Körper zu entsorgen, ausgewählt. Sie können und werden jedoch jederzeit ersetzt werden, wenn wir nicht einer Meinung sind.

Es ist zumindest bekannt, dass Mick Kenney von Anaal Nathrakh hinter MAKE THEM DIE SLOWLY steckt. Tatsächlich könnten die Riffs auch von Anaal Nathrakh stammen. Weißt du, warum Mike sie stattdessen für ein neues Projekt verwendet hat?
The Void ist der Chef dieses Projekts. Mr. Kenney ist ein fantastischer Musiker, Produzent und Performer von Weltklasse. Als solcher wurde ein weiteres Gespräch in seinem Barracks-Studio in Kalifornien geführt und wir kamen recht schnell überein, zusammenzuarbeiten. Aber sei versichert, dass The Void bei diesem Projekt die Fäden in der Hand hat. Der Mastermind muss nicht unbedingt an der konkreten Musik beteiligt sein – The Void ist alles.

Stört dich diese musikalische Ähnlichkeit zu Anaal Nathrakh?
Ganz und gar nicht. Das wäre so, als würde man James Hetfield dazu bringen, in die Band einzusteigen, und sich dann darüber aufregen, dass es nach Metallica klingt. Anaal Nathrakh ist eine der wenigen Bands, deren Musik es schafft, das Gefühl des Schreckens und des Terrors, das auch MAKE THEM DIE SLOWLY vermitteln soll, genau wiederzugeben.

Das Album wurde vorerst nur digital veröffentlicht. War das schon vor Corona so geplant oder habt ihr da spontan umdisponiert?
Das war die ganze Zeit unser Plan. Die Entstehungsgeschichte des Albums war so spontan, dass ein physischer Release erst einmal nicht in Betracht gezogen wurde. Aber die schiere Menge an Anfragen nach physischen Versionen hat uns schon jetzt, einen Tag nach der Veröffentlichung, gezwungen, unsere Position zu überdenken. Insofern wird es hoffentlich bald zumindest in begrenztem Umfang auch eine physische Version geben. Ich bin selbst Sammler von Vinyl, Blu-rays, VHS, Körperteilen, Seelen … da verstehe ich das vollkommen. Aber aus unserer Sicht ging es eher darum, das Album so schnell wie möglich, wie aus dem Nichts, erscheinen zu lassen und von da aus dann weiterzumachen.

Das Album trägt den Titel „Ferox“ – was war die Idee hinter diesem Titel, warum passt er perfekt zur Musik?
Wie oben angeschnitten ist auch das von „Cannibal Ferox“ übernommen. Etymologisch kommt „Ferox“ glaube ich von „heftig“ oder „wild“, sodass es zusammen mit der direkten Inspiration durch den Film eigentlich perfekt passt. Ich habe auch ein größtenteils ruhendes, von Carpenter/Frizzi inspiriertes Soundtrack-Projekt namens FEROX1980, auch das ist also ein Bezug.

Ist MAKE THEM DIE SLOWLY ein reines Studioprojekt – oder vielleicht sogar nur ein Album – oder plant ihr – nach Corona – auch Live-Auftritte?
Natürlich bedeutet das Leben unter diesem Virus, dass wir keine andere Wahl haben, als es für die unmittelbare Zukunft bei einem Studioprojekt zu belassen. Aber wir bereiten uns auf jeden Fall auf ein Live-Mordritual vor, wenn die Zeit gekommen ist … hoffentlich auf einigen Festivals im Jahr 2021.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Boris Johnson: Scharlatan. Lügner. Spielt mit unschuldigen Leben. Eine Schlange in der Kleidung eines Clowns.
Deutschland: Nekromantik
Das erste Getränk, das du in einer Bar bestellst: In einer perfekten Welt ein hochprozentiges Double Indian Pale Ale.
Slipknot: Ich bin kein riesiger Fan ihrer Musik, aber was die Ästhetik und die Live-Performance angeht, sind sie in dem, was sie tun, verdammt gut. Man kann es einer Band mit so vielen extremen Metal-Einflüssen nicht übelnehmen, dass sie Erfolg hat … ob nun im Mainstream oder nicht.
Dein aktuelles Lieblingsalbum: : Video Nasties – „Dominion“, The Wraith –  „Gloom Ballet“, und generell das Werk von John Carpenter, Fabio Frizzi und Goblin.
MAKE THEM DIE SLOWLY in zehn Jahren: Aufrechtstehend, die Körper unserer Opfer zu unseren Füßen.

Nochmals vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir:
Danke, dass du mutig genug warst, auf uns zuzugehen. Du sollst verschont bleiben, um bei der Verbreitung unseres Evangeliums des Gore zu helfen. Vielen Dank an alle aus der Metal- und Horrorgemeinschaft für das bisherige Interesse. Da die meisten von uns unter Quarantäne stehen, hier noch ein paar Filmtipps, die gut zu „Ferox“ passen:

„Demons“ (1985, Lamberto Bava)
„Pieces“ (1982, Juan Simòn)
„The Mutilator“ (1984, Buddy Cooper)
„Bad Taste“ (1987, Peter Jackson)
„Burial Ground“ (1981, Andrea Bianchi)
„Cannibal Ferox“ (1981, Umberto Lenzi)
„Cannibal Holocaust“ (1980, Ruggero Deodato)

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