
Showfreie Tage im Tourkalender tun jeder Band weh – zumindest finanziell. In der Festivalsaison sind insbesondere bei amerikanischen Bands Clubshows als Lückenfüller entsprechend beliebt. So kommen oft auch kleine Clubs zu günstigen Konditionen an große Bands – allerdings sind die Shows oft schwerer zu vermarkten: Die einen Fans sind vom letzten Festival abgebrannt, die anderen schon auf dem Weg zum nächsten. So erklärt sich, dass selbst ein Publikumsmagnet wie HATEBREED das Backstage Werk am Dienstag zwischen WACKEN OPEN AIR und SUMMER BREEZE nur mit Mühe einigermaßen gefüllt bekommt.
Da hilft es auch nichts, dass mit DUST BOLT spontan noch eine bekannte und doch lokale Vorband ins Boot geholt wurde: Der „Gig Spontanicus“, wie Fronter Lenny Breuss es nennt, wurde erst fünf Tage zuvor eingetütet – und so kommen die Thrasher heute eben aus ganz Deutschland im Backstage statt im Proberaum zusammen. Viel mehr Stimmung als dort kommt im Werk allerdings nicht auf: Obwohl die Venue dank seitlicher Größenreduzierung einigermaßen voll wirkt und sich DUST BOLT wirklich bemühen, will der klassische Thrash Metal der Landsberger bei den HATEBREED-Fans nicht richtig zünden: Gerade mal eine Handvoll Fans findet sich zu einem Moshpit zusammen, und erst, als Lenny Breuss inklusive Gitarre und Mikrophon selbst ins Publikum klettert, kommt etwas Bewegung in die Menge. Sympathisch sind die Jungs ohne jeden Zweifel, und das Mindset, auch nach all den Jahren noch jede sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen, auf einer Bühne zu stehen, verdient höchsten Respekt. Aber sind wir ehrlich: Hier und heute gibt es für DUST BOLT – trotz Quasi-Heimspiel in dem Club, in dem sie groß geworden sind – keinen Blumentopf zu gewinnen.
- Ghost
- Killing Time
- Chaos
- Possession
- Trapped In Chaos
- Rhythm
- Sick Brain
- I Am The One
- Agent
- Supergau
Das sieht bei HATEBREED erwartungsgemäß ganz anders aus: Schon als um 21:20 Uhr MOTÖRHEADs „Ace Of Spades“ erklingt, ist im Werk eine ganz andere Energie zu spüren – und als HATEBREED ihr Set mit „Proven“ eröffnen, tobt die Halle. Und das nicht ohne Grund: Vom mittlerweile dauerhaft in die Reihen der Band aufgenommenen Carl Schwartz (FIRST BLOOD, ex-TERROR) tatkräftig unterstützt, lassen HATEBREED keinen Zweifel daran, dass diese Show für sie nicht nur ein Pflichttermin für die Tourbilanz ist: Jamey Jasta grinst über beide Ohren und bedankt sich mehrfach wortreich beim Publikum, aber auch bei DUST BOLT und dem Backstage München, dessen Stellenwert in der deutschen Kulturlandschaft er nochmals explizit hervorhebt.
So vergeht die Zeit wie im Flug – nicht zuletzt, weil HATEBREED bereits in der Setmitte Über-Hits wie „Live For This“, „This Is Now“ und „Destroy Everything“. Den Song „As Diehard As They Come“ widmet Jasta seinem Bandkollegen Wayne Lozinak mit einem kurzen Verweis auf dessen überstandene Krebserkrankung und die erfolgreiche Operation des Hirntumors – ein überraschend emotionaler Moment für eine HATEBREED-Show, bei dem alle gemeinsam komplett eskalieren. Zwischen die Songs aus immerhin sieben der insgesamt acht HATEBREED-Alben schieben die Amerikaner mit „Kill Count Increase“ und „Make The Demons Obey“ gleich zwei neue Songs vom kommenden Album „Fatal Paradox“ (Release: 6. November 2026) ein. Und die lassen keinen Zweifel: HATEBREED werden auch auf diesem ersten Album ohne Chris Beattie, der bisher maßgeblich zum Songwriting beigetragen hatte, nach HATEBREED klingen.
- Proven
- Tear It Down
- To The Threshold
- Make The Demons Obey
- Smash Your Enemies
- A Stroke Of Red
- Seven Enemies
- Live For This
- Kill Count Increase
- This Is Now
- Destroy Everything
- Everyone Bleeds Now
- Driven By Suffering
- I Will Be Heard
- Perseverance
- As Diehard As They Come
- In Ashes They Shall Reap
- Looking Down The Barrel Of Today
Nach einer schweißtreibenden Stunde beenden HATEBREED ihr Set mit „Looking Down The Barrel Of Today“ – und auch, wenn die Fans wohl noch ewig weiter moshen würden, lässt diese intensive Stunde Hardcore eigentlich keine Wünsche mehr offen. Zumal HATEBREED im November für fünf Shows nach Deutschland zurückkehren – wenn auch nicht in den Süden der Bundesrepublik.


