Das Gespenst aus Würzburg ist zurück. ANTRISCH sind vom Packeis ihres Debüts „Expedition II: Die Passage“ befreit und haben sich in ein völlig anderes, jedoch nicht weniger interessantes Setting begeben. Denn auf ihrem zweiten Album „Expedition III: Renitenzpfad Marañones“ verschlägt es die Truppe in den tiefsten Dschungel. Diesmal begleiten sie den Meuterer und Entdecker Lope de Aguirre, der im Rahmen der Amazonas-Expedition von Pedro de Ursúa eine blutige Meuterei provozierte und anschließend die Führung der Expedition übernahm.
Die Reise beginnt mit „I. Prolog – Conquista“. Der Titel legt als Einstieg nicht nur die etablierten Stärken von ANTRISCH offen, sondern zeigt auch erste Unterschiede zu allem Vorherigen. So sind die Harmonien nicht mehr eisig kalt, sondern vielmehr drängend. Anfangs mit einer Spoken-Word-Passage und Akustikgitarren eingeleitet, bricht der Song bald in wilde Raserei an allen Fronten aus. Dass die Herren sich aber nicht nur auf Hochgeschwindigkeit verstehen, zeigen auch schön pointierte, groovige Parts sowie erzählerische, ruhige Momente, in denen Sänger Maurice Wilson beweist, dass er sich bestens auf poetische wie brutale sprachliche Bilder versteht.
Nach dem epischen Finale des Openers erzeugen die Gitarrenwände von „II. Hidalgo Infernal – Der baskische Wolf“ in Kombination mit wendigem Drumming und dem zischenden Keifen von Maurice sofort eine weit aggressivere Grundstimmung, die stilvoll um düsternde Melodielinien ergänzt wird. Auch hier findet sich wieder ein ruhiger, gesprochener Part mit spanischem Flair bei den Gitarren, irgendwo zwischen Finsternis und Anmut, bevor das nächste große Blast-Gewitter losbricht. Ein wenig klingt die Band hier wie eine Mischung aus HELRUNAR, NOCTE OBDUCTA und DER WEG EINER FREIHEIT.
„III. Los Marañones I – Nattern & Narren“ reduziert dann die Geschwindigkeit zugunsten von Atmosphäre. Der im mittleren Tempobereich angelegte Song bereitet hier bestens den Boden für „IV. Los Marañones II – Bittergrün“ und „V. Abkehr – Non Sufficit Orbis“. Was beide Songs zu echten Highlights macht? Das Gespür für simple, aber große Melodien, gepaart mit dynamisch vielseitigen Arrangements zwischen Rasanz und Anmut. Über allem schwebt immer wieder Maurice, dessen schneidender Gesang einerseits Wut und Blutrausch repräsentiert und andererseits – wenn er fies flüsternd von Zorn und Hinterlist erzählt – ein faszinierendes Unbehagen zu erzeugen vermag.
Da ist es auch nicht schlimm, dass ANTRISCH sich bei ihren neuen Titeln auf einen gleichbleibenden kompositorischen Faden verlassen. Alle Songs funktionieren wellenartig: Schnelle Parts wechseln sich mit gelegentlichem Groove und stetig dunklen, ruhigeren Anteilen ab. Das erschließt sich recht schnell, stellt sich aber zugleich als große Stärke der Formation dar. Denn selbst wenn die Konventionen ihres Genres hier und da überdeutlich zutage treten („VI. Verschanzt – Perleneilandterror“), wissen ANTRISCH dennoch mit Geradlinigkeit und Hooks für sich einzunehmen, wie es der Albumcloser „VII. Canis Lupum Edit – Wolfsfalle | Verratener Verräter“ eindrucksvoll unterstreicht.
ANTRISCH beherrschen eine große Kunst: Sie sind Geschichtenerzähler und ordnen diesem Anspruch alles unter. Die Truppe agiert auf ihrem neuen Album reifer und wendiger als noch auf ihrem Debüt, und obwohl die meisten Stücke der neuen Platte ein und demselben kompositorischen Faden folgen, ist der Band dennoch ein ebenso stimmungsvolles wie abwechslungsreiches Konzeptalbum gelungen.
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Wertung: 8.5 / 10



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„auf ihrem zweiten Album „Expedition III“ , sollte ansich das dritte Album sein :-)
LG
andi
Hi Andi, jein: „Expedition I : Dissonanzgrat“ wird offiziell als EP geführt, da es auch nur 27 Minuten Spielzeit hatte. So kommt es zu dieser Verschiebung zwischen Nummerierung und ALBUMnummer. Liebe Grüße!
Hey Andi,
Danke für deinen Kommentar. Allerdings handelt es nach meiner Kenntnis bei „Expedition III“ tatsächlich um das zweite reguläre Studioalbum. „Expedition I“ ist als EP erschienen;)
Liebe Grüße
Philipp | Metal1.info
Ich bin echt gespannt auf das Album. Die beiden Auskopplungen, die ja wohl auch den Beginn der Platte darstellen finde ich leider erstaunlich mittelmäßig. Expedition I und II fand ich wirklich sehr gut deshalb hoffe ich das das im Gesamtkontext des neuen Albums besser kommt.
Hallo Oli,
nachvollziehbar dass du skeptisch bist wenn die Auskopplungen dich nicht unbedingt abgeholt haben. Mit dem Kontext hast du da absolut Recht. Das neue Setting (vom Eis in den Dschungel) hat die Band wirklich gut umgesetzt und bei Antrisch ist ja das Konzept immer erst in seiner Gesamtheit wirklich aussagekräftig.
Ich hoffe wirklich, dass dich das Album begeistern kann. Für mich definitiv der bisherige Höhepunkt der Band. Ich empfehle hier auch sehr unser Interview mit Maurice;)
Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar.
Philipp | Metal1
Danke, leider bleibt auch auf Gesamtlänge der Eindruck das Antrisch hier Stückwerk geschaffen haben und die Band irgendwie immer den gleichen „Trick“ abzieht. Speziell beim Gesang finde ich das mittlerweile richtig nervig. Schade, auf den ersten beiden Platten hat das für mich viel besser funktioniert.
Hey Oli,
es tut mir leid dass dich das Album nicht überzeugen konnte, aber vielleicht klappt es ja bei der nächsten Expedition wieder ;)
Liebe Grüße.
Philipp | M1