Konzertbericht: Non Est Deus w/ Antrisch

08.04.2026 München, Backstage (Halle)

Man kann KANONENFIEBER viel unterstellen – Faulheit aber gewiss nicht. Gerade mal eine Woche ist die letzte Show der vierwöchigen „Soldatenschicksale“-Tour auf dem Inferno Festival her, und schon geht es in nahezu gleicher Besetzung mit NON EST DEUS wieder los. Für zehn Shows reist die Band, begleitet von ANTRISCH, abermals kreuz und quer zwischen Wien und Hamburg herum. Bedarf ist jedenfalls da: Viele der Konzerte sind bereits im Vorhinein ausverkauft – so auch der Tour-Auftakt in München, wo die Tour in der Backstage Halle gastiert, die immerhin rund 500 Fans Platz bietet.

Die Dichte an KANONENFIEBER-Shirts ist hoch – dass sich die Halle pünktlich zum Einlass um 19:00 Uhr rapide füllt und ANTRISCH um 20:00 Uhr eine bereits komplett gefüllte Halle vorfinden, spricht sowohl für die Würzburger als auch für das Konzept einer schlanken Tour mit nur zwei Bands: Am Ende wird der Abend um 22:15 Uhr zu Ende sein. An einem Dienstag dürfte sich darüber niemand beschweren …

Zunächst jedoch gilt es, in das Konzept der Atmospheric-Black-Metaller einzutauchen – denn Konzept wird bei ANTRISCH großgeschrieben. Entsprechend greift hier an sich auch alles ineinander: Die eigene Lichtanlage und Nebelwerfer, das Auftreten und die Kostüme, sowie die musikalisch blitzsaubere Performance, die zum Glück (und längst nicht mehr selbstverständlich) auch die Live-Darbietung aller Clean- und Akustikgitarren einschließt. Je nach persönlicher Präferenz vermag das die mangelnde Abwechslung in der Musik entweder zu kaschieren – oder aber zu unterstreichen. Denn so engagiert ANTRISCH ihre Songs auch darbieten, wirkt das Ergebnis doch bis ins Letzte durchchoreografiert und unnahbar: Auf Ansagen oder sonstige Interaktionen mit dem Publikum verzichtet Fronter Maurice Wilson komplett.

Thematisch steht die Show ganz im Zeichen des neuen Albums, „Expedition III: Renitenzpfad Marañones“, das ANTRISCH (wohl auch aus Gründen des Konzepts) komplett und in Originalreihenfolge durchspielen. Das zeugt zumindest von Selbstsicherheit – sorgt aber, auch wieder aufgrund der strengen Konzeptreue, nicht eben für großen Abwechslungsreichtum. Das Publikum stört sich daran nicht, sodass ANTRISCH nach knapp 50 Minuten mit lautem Applaus und sogar Zugaberufen bedacht werden. Dass diese bei so viel Konzepttreue trotz des an sich lockeren Zeitplans nicht berücksichtigt werden (können) versteht sich von selbst.

  1. I. Prolog – Conquista
  2. II. Hidalgo infernal – Der baskische Wolf
  3. III. Los Marañones I Nattern & Narren
  4. IV. Los Marañones II Bittergrün
  5. V. Abkehr – Non Sufficit Orbis
  6. VI. Verschanzt – Perleneilandterror
  7. VII. Canis Lupum Edit – Wolfsfalle | verratener Verräter

Offen für Konzeptshows sollte aber sein, wer auf eine Show von NON EST DEUS geht – denn nicht minder als bei KANONENFIEBER ist auch hier wirklich nichts dem Zufall überlassen: Ein Intro dirigiert die Atmosphäre ins Sakrale, es folgen Glockenklänge und der Einmarsch der Band unter fleißigem Gebimmel mit dem Schellenstab. Dass die Bühne entsprechend hergerichtet ist, versteht sich von selbst: Ein Altar vor dem Schlagzeug, ein monströses Holzkreuz im Hintergrund, weitere Kreuze an den Mikrofonständern und allerlei weiter Utensilien aus dem Themenfeld Kirche bilden – wie auch die Mönchskluft der Musiker – ein ziemlich exaktes katholisches Pendant zum orthodoxen Bühnenbild von BATUSHKA.

Auch im weiteren Verlauf der Show wird nahezu kein Gimmick ausgelassen: Mal geißelt sich Fronter Noise mit einem Flagellum, mal besprenkelt Noise das Publikum mit Weihwasser oder malt eifrig Kreuze auf Stirnen. Der Gitarrist empfängt von Noise die Kommunion, wofür dieser ihn später – nicht so ganz zu den Gebräuchlichkeiten im Kirchenalltag passend – mit einer Dornenkrone krönt. Gänzlich phantastisch wird es, als der Kirchenvertreter Goldtaler ins Publikum wirft: Geld vom Pöbel einzusammeln wäre realistischer, zugegebenermaßen aber wohl nur schwerlich durchsetzbar gewesen.

All das ist nett anzusehen, wirft aber zum einen (wie auch bei BATUSHKA) die Frage auf, inwiefern das bloße Imitieren religiöser Bräuche als Kirchenkritik funktioniert. Und sorgt zum anderen dafür, dass alle nur dies tun: ansehen. Obschon die im Vergleich zu KANONENFIEBER deutlich rabiateren gehaltenen Songs (z. B. das wuchtige „Fuck Your God“) zum Headbangen oder Moshen einladen, bleibt das Publikum wie gebannt stehen und löst sich erst zwischen den Songs, beziehungsweise beim so vorhersehbaren, wie dennoch überraschend abrupten Ende nach „Transgression“ für frenetischen Jubel aus der faszinierten Starre. Stimmung kommt so bei aller Mühe nicht wirklich auf – zumindest nicht mehr als bei den Passionsspielen in Oberammergau.

  1. Show Mercy
  2. Forgive Me
  3. Hiob
  4. Thousand Years Of Sand
  5. Korah
  6. The Indulgence
  7. Flagellation
  8. Save Us
  9. Fuck Your God
  10. Burn It Down
  11. Transgression

Wer vornehmlich visuell unterhalten werden möchte, bekommt von NON EST DEUS viel geboten. Mit einem Konzert im klassischen Sinne hat die Darbietung – auch aufgrund der Rezeption durch das Publikum – aber wenig zu tun. Eine Bestuhlung wäre angesichts dessen gar nicht abwegig. In jedem Fall sollten sich NON EST DEUS aber überlegen, ob es der Sache wirklich dienlich ist, im Rahmen eines Metalkonzerts von der ersten bis zur letzten Sekunde in der Rolle zu agieren und keinerlei Emotion oder Nahbarkeit zu zeigen: Selbst Theaterschauspieler treten beim Schlussapplaus sichtbar aus ihrer Rolle heraus und heben so die Distanz zum Publikum auf.

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Moritz Grütz

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2 Kommentare zu “Non Est Deus w/ Antrisch

    1. Danke für den Hinweis! Von der Statur her hätte ich diesmal auf Ernst getippt- ich habe den Teilsatz aber entfernt, um keine unbelegbaren Gerüchte zu verbreiten.

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