Das Cover von "Pre-Historic Metal" von Darkthrone

Review Darkthrone – Pre-Historic Metal

Der Allosaurus hat’s nicht leicht. Der immerhin bis zu zehn Meter lange und bis zu drei Tonnen schwere Raubsaurier steht immer im Schatten seines größeren Kumpels Tyrannosaurus Rex. Big T hatte die coolen Filmengagements deutlich vor ihm, der Allosaurus kam erst in den Sequels dran. Immerhin wurde eine Doku über ihn gedreht, aber die heißt ausgerechnet „The Ballad Of Big Al“; kein Titel, mit dem man die Mädels in der Pangäa-Bar beeindruckt. Big Al ist also etwas melancholisch, denn er kommt irgendwie immer erst als zweiter dran. Der Buzz Aldrin der Jurazeit. Manchmal trinkt er ein Glas zu viel mit seinem Kumpel Deinonychos, dem damals der Velociraptor das Engagement weggeschnappt hat (Hallo?! Der Raptor war kleiner und hatte Federn. Federn!!!)

Während die große Echse so ihren existenziellen Gedanken nachhängt, freut sie sich darüber, dass heute immerhin das Mittagessen passt. Irgendwo im Wald ist eine Zeitmaschine gelandet, aus der zwei langhaarige, etwas in die Jahre gekommene Norweger gestiegen sind. Nun, der Allosaurus ist vielleicht depressiv, aber er ist schnell und so mampft Big Al nun einen unerwarteten Snack und hört dazu die neue DARKTHRONE. So richtig schmecken allerdings weder Zeitreisende noch die Musik.

Denn der so sinnfrei wie unbedingt kultig sein wollende Titel „Pre-Historic Metal“ deutet das Grundproblem lang vergangener Zeiten bereits an: In den alten Tagen gab es noch keine lineare Geschichte, die Zeiten verliefen zyklisch. Mensch, Mammut und Megalodon erlebten die Geschichte als immerwährende Wiederkehr des immer Gleichen. Das passt perfekt zur neuen DARKTHRONE. Denn musikalisch servieren Nocturno Culto und Fenriz bekanntermaßen seit vielen Jahren nur noch stete Variationen eines äußerst beschränkten musikalischen Grundgerüstes aus punkigem „Proto-Metal“ (was auch immer das eigentlich sein soll), Ausflügen in das Tal des Doom und sehr alten, meist sehr langweiligen Heavy-Metal-Riff-Großvätern. Ob das jetzt wie im Opener „They Found One Of My Graves“ (mit immerhin ganz nettem Pink Floyd-Teil am Ende) oder im Titeltrack (mit immerhin einem kultigen Video) wieder etwas schneller zugeht als auf dem teils brontosauriermäßig langsamen Vorgänger, oder ob sich im „Siberian Thaw“ die Zähigkeit von Erdöl (das irgendwie ja auch aus Dinos gemacht ist) wieder durchschlägt – es bleibt beim immer gleichen Befund: Die Aneinanderreihung von schnellen und langsamen Riff-Fragmenten bedeutet noch keine Spannung, eine demonstrativ zu Schau gestellte „Fuck Off!“-Attitüde keinen Freifahrtschein für die kompositorische Arbeitsverweigerung und wie sein eigenes Demo klingen zu wollen und das auch zu schaffen ist nichts Neues.

Der Rest ist so schnell erzählt wie ein Norweger verdaut. „The Dry Wells Of Hell“ startet punkig, verliert sich dann wieder in zähen Midtempo-Riffs, „Eat, Eat, Eat Your Pride“ geht es genauso. Mit „Eon 4“ steht ein Nachfolger zu, nun ja, Eon 3 vom Vorgängeralbum bereit. Überraschend ist einzig, dass es mit „So I Marched To The Sunken Empires“ ein – nenne wir es „atmosphärisches“ – Instrumental gibt. Ab und zu und damit viel zu oft versucht Fenriz zu singen, was nach wie vor jeden Pterodactylos dazu bringen könnte, sich in die nächste Schlucht zu stürzen. Die Gitarren schrubbeln dazu geradlinige E-Riffs, bevor sie von den Drums ausgebremst werden.

DARKTHRONE anno 202.600.000 vor unserer Zeit hinterlassen kaum also Spuren in der Erdgeschichte. Das ist nicht weiter schlimm, denn das nächste Album kommt so gewiss, wie die Erde sich immer und immer wieder um die Sonne dreht. Alle paar Jahrmillionen einmal kommt ein Komet und sorgt für etwas Abwechslung (siehe der gar nicht so verkehrte Vorgänger… der natürlich erst in 202.599.998 Jahren veröffentlich werden wird. Geheimnisse der Zeitreise). Doch davon weiß unser Freund, der Allosaurus, noch nichts. Er denkt sich nur „Schade eigentlich um den coolen Titel und das nette Video“ und stapft nach seinem Snack weiter durch die Vegetation des nördlichen Amerika zur Jurazeit. Irgendwo hatte Deino doch noch eine Flasche Palmwein versteckt. Die Laune von Big Al besserte sich zunehmend. Hey, immerhin war er ein Jäger. Und verdammt groß und beeindruckend anzuschauen. Haben Sie im Vergleich dazu mal einen Iguanodon gesehen? Die „Kuh der Dinozeit“!  Lass den mal eine Flasche Bier aufmachen, hahaha!

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Wertung: 4 / 10

Wenzel Widenka

Publiziert am von

4 Kommentare zu “Darkthrone – Pre-Historic Metal

  1. Ach Wenzel, wenigstens ist dein Review unterhaltsam. Bis auf die 3 1/2 Zeilen, wo es tatsächlich um Darkthrone geht. Darkthrone versteht man oder eben nicht. Man muss sie nicht mögen und ich könnte zu jedem einzelnen je erschienenen Metallica-Album nen Scheiß-Review schreiben, weil ich mit denen einfach nix anfangen kann. Juckt das Metallica? Fraglich…. Und jetzt kommt es nicht überraschend, wenn ich gestehe, dass ich jedes verdammte Darkthrone-Album besitze. Und höre. Und geil finde! Wegen diesem nerdigen Geschwurbel, den teils aberwitzigen Covern, die so nur NC und F machen (dürfen) und ja, auch den fragwürdigen Produktionsmethoden. Wer weiterhin daran festhalten muss, dass die Band nur 4 gute Alben rausgebracht hat, der halte sich bitte auch von diesem anarchistischen Werk fern. Ihr werdet eh nie verstehen, dass der Mittelfinger euch gilt.

  2. War das Ziel eine „WiXXXvorlage für WiXXXer“? Das ist vollbracht. Ich musste erstmal eine Menge „scannend“ überspringen, bis Worte zu mir durchdrangen, die sich bemüht cool geben, aber letztlich eine bleiben „bemüht“. Mir gefällt das Album im Längen besser als „It beckons us all“. Ich werde es mir noch ein paar mal anhören und dabei diese Rezension nicht im Kopf behalten.

  3. Du denkst, bewertest und schreibst für mich alles an die Wand, was sich derzeit Journalist nennt! RAAAAAWWWWRRRRR!
    Und PS: Isso mit dem Album.

  4. Coole Review! Dinos machen alles besser. Album werde ich mir erst gar nicht anhören, fand Darkthrone schon immer belastend öde.

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