CD-Review: Negura Bunget - Zirnindu-sa

Besetzung

Hupogrammos Disciple's – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard
Negru – Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Blaznit
02. Negrii
03. In Miaz de Negru
04. Din Afundul Adincului Intrupat
05. Pohvala Hula
06. De Rece Singie
07. Dupre Reci Imbre
08. Vel Proclet


1996 erschien das erste Lebenszeichen der heute legendären NEGURĂ BUNGET, „Zirnindu-sa“. Während die Rumänen ihren heutigen tadellosen Ruf allerdings hauptsächlich durch avantgardistische Werke a la „Om“ erwarben, betont das Debut des damaligen Duos noch eindrucksvoll, dass es musikalisch auch mal gänzlich anders ausgesehen hat. 1996 stand nämlich noch ungeschliffener Black Metal auf dem Programm.

An True Black Metal im klassischen Sinne ist allerdings nicht zu denken. „Blaznit“ eröffnet im Gegenteil mit hintergründigem Keyboardteppich, der den Hörer zielsicher in eine andere Welt entführt: Nebelverhangene, finstere Wälder, welchen etwas abgründiges, böses innewohnt bilden die Grundlage für die einzigartige Magie, die dem alten NEGURĂ BUNGET-Sound eigen ist. Wabernde Trugbilder in finsteren Hainen, Unheil verkündende Raben im Astwerk knorriger Bäume – die Welt, in die die Rumänen entführen hat etwas faszinierend märchenhaftes. Ohne jemals kitschig zu wirken, dafür treiben die Gitarren zu sehr, der Gesang ist zu bösartig, die Melodien zu majestätisch im Sinne erhabener Naturmystik. Die Unterschiede zwischen den Songs sind höchstens insofern bemerkenswert, als dass der Gesamtsound mal schwelgender und mal rasender über den Nachthimmel fährt. Die Dichte der Atmosphäre ist so hoch, dass es gar nicht mehr in Frage kommt, einzelne Momente herauszupicken, wobei man hier sowieso seine Probleme hätte, da NEGURĂ BUNGET so songdienlich arbeiten, dass kein einziges Lied individuelle „Trademark“-Elemente auch nur besitzen würde.
„Zirnindu-sa“ ist im Prinzip ein einziges Bild, das 37 Minuten lang auf beinahe unveränderte Weise im Raum steht. Und dennoch fasziniert alleine diese eine Impression so sehr, dass man sich gar nicht von ihr lösen mag, die Magie des Albums brennt sich so fest, dass die Frage, ob das hier musikalisch oder technisch anspruchsvoll, abwechslunsgreich oder sonst etwas ist, überhaupt nicht aufkommt.

„Ungeschliffener Black Metal“, wie ich „Zirnindu-sa“ weiter oben nannte, ist also äußerst relativ zu sehen, denn hier stehen sicher keine rohen, grobschlächtigen Riffs im Vordergrund, die sich auf das propagieren unendlicher Misanthropie konzentrieren. „Zirnindu-sa“ muss man gehört haben, um die beschriebenen Eindrücke wirklich nachvollziehen zu können, da gerade die zwar relativ billige, aber extrem wirkungsvolle Produktion dem Album einen gänzlich eigenen Charakter verleiht. Wer auf der Suche nach guten Einzelsongs ist oder wer sich von Alben gerne Geschichten erzählen lässt, braucht sich das Debut der Rumänen sicher nicht zulegen, diese Aspekte existieren auf „Zirnindu-sa“ gar nicht. Dieses ist gar so „anders“, dass die erzeugte Stimmung ohne weiteres auch Nicht-Black Metal-Hörer ansprechen dürfte, darauf ist das Album nicht limitiert.

Bevor ich noch weiter drumherum rede: „Zirnindu-sa“ ist ein viel zu wenig beachtetes Meisterwerk, an welchem bei den paar Euros, die man heute noch dafür berappen muss, kein Weg vorbei führt. Den Versuch, das Werk mit neueren NEGURĂ-BUNGET-Alben zu vergleichen, sollte man indes tunlichst vermeiden.

Bewertung: 9.5 / 10

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