Review Rotting Christ – Aealo (2026)

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Death Metal

Waren Remakes alter Alben lange verpönt, erfreut sich die Aufarbeitung alten Materials bei Bands wie auch Fans wachsender Beliebtheit. Der Grund dafür ist schnell erkannt: Waren die „Remastered Editions“ der frühen 2000er-Jahre oft reine Geldmacherei, weil in einer lieblosen Überarbeitung kaum mehr gemacht wurde, als die Bass-Frequenzen anzuheben, setzen immer mehr Bands heute auf echte Remakes, bei denen alte Tonspuren aufwendig neu gemischt oder die Songs gleich komplett neu aufgenommen wurden. Da sich auch die Tontechnik insgesamt weiterentwickelt hat, bieten diese Werke einen echten Qualitätssprung – und das auch ohne Zweifel nach vorne.

Auch ROTTING CHRIST haben sich nun nochmal mit einem ihrer alten Werke beschäftigt. Anders als CAVALERA, die zuletzt das Frühwerk von SEPULTURA aufgearbeitet hatten, haben sich ROTTING CHRIST jedoch nicht einen wirklich „antiken“ Klassiker wie „Thy Mighty Contract“ (1993), „Non Serviam“ (1994) oder „Triarchy Of The Lost Lovers“ (1996) vorgenommen, sondern ihr Album „Aealo“ (2010). Das ist in vielerlei Hinsicht überraschend, handelt es sich dabei doch weder um einen Fan-Liebling noch um ein Album mit vielen Hits, die sich live etabliert haben – lediglich „Noctus Era“ ist einigermaßen beständiger Teil des Live-Sets. Vor allem aber klingt „Aealo“ im Original zwar vielleicht etwas schneidend, aber auch längst nicht schlecht.

Dieses „Manko“, wenn man es so nennen will, haben ROTTING CHRIST ohne jeden Zweifel erfolgreich ausgemerzt: Die neue Version klingt „zeitgeistig“ fett, rund und gefällig – also genau so, wie man es von ROTTING CHRIST zuletzt gewohnt war. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die im Original sehr markanten (und stellenweise wirklich extravaganten) Klargesangsspuren im neuen Mix weit in den Hintergrund gerückt sind. So stören auch diese den Albumfluss nun gar nicht mehr, der in der Folge aber auch ziemlich unspektakulär vorbeizieht. Das kann man mögen, denn fraglos klingt „Aealo“ nun insgesamt geschmeidiger und eingängiger. Ebenso kann man aber auch bedauern, dass dem Album in der neuen Version alle Ecken und Kanten abgeschmirgelt wurden. Damit entspricht die Änderung am Sound ziemlich genau der neuen Visualisierung: Auch das neue Cover ist fraglos „moderner“, aber eben auch viel harmloser als das durch Close-up-Perspektive und Hautfarbe unangenehme Original-Artwork.

Von der Darreichungsform in Sound und Bild abgesehen gibt es über die Neuauflage wenig zu berichten – was daran liegt, dass sich hinsichtlich der Aufnahme selbst erstaunlich wenig Unterschiede ausmachen lassen: Die Gastbeiträge wurden unverändert übernommen, und wennschon alles andere von Grund auf neu eingespielt wurde, haben Sakis und Themis Tolis doch wirklich ganze Arbeit dabei geleistet, die originalen Tracks möglichst identisch zu reproduzieren. Spielerisch mag das eine bemerkenswerte Leistung sein – wenn aber das Songmaterial allerdings so minimal überarbeitet wird, fragt man sich doch, worin überhaupt der Sinn eines Re-Recordings besteht, und ob ein neuer Sound basierend auf den Originalspuren nicht mit deutlich weniger Arbeitsaufwand zum gleichen Ergebnis geführt hätte.

Im neuen Chiton passt „Aeolo“ definitiv besser zu den letzten Alben von ROTTING CHRIST als das Original. Ob das allerdings erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Papyrus: Obschon ROTTING CHRIST am Songmaterial nahezu nichts verändert haben, klingt „Aeolo“ nun viel gefälliger – aber eben auch ähnlich unspektakulär wie zuletzt schon „Pro Xristou“ oder „The Heretics“.

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Wertung: 7 / 10

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2 Kommentare zu “Rotting Christ – Aealo (2026)

  1. Ich hatte mit Aealo einer eher späten Einstieg bei der Band. Mich hat der Name immer als sehr plakativ abgeschreckt, aber nachdem ich das Cover an sich ganz spannend fand, hab ich mir das Album blind gekauft. Und war völlig überzeugt! Ich fand diese rhythmische Getrommelt und diese Hauruck-Shouts immer ziemlich geil. Wie eine Triere, die im Wahn quer übers Mittelmeer gerudert wird mit einem Chor einäugiger Irrer. Sowohl Songs als auch Produktion fand ich damals richtig stark und hat mich da schnell reingezogen und genau das geht mir bei den aktuellen Produktionen wieder ab. Zu glatt, zu nett. Diese Lücke hat dann Varathron wieder für mich aufgefüllt.

    Trotzdem versteh ich diese Veröffentlichung nicht ganz. Liegt es an der Zusammenarbeit mit Manowar vor ein paar Jahren? Wer weiß, aber Non Serviam zum Beispiel hätte so eine Neueinspielung mehr gebraucht und verdient. Auch da mag ich die alte Version ganz gerne, aber in Sachen Sound würde ich mir da auch eine neue Version anhören. Für mich also eher im Bereich unnötig anzusiedeln.

    1. Ja, ich bin da ganz bei dir. Ein paar Hintergründe und Erklärungen gibt es hier in Kürze von Sakis selbst, ich hatte vor ein paar Tagen das Vergnügen, ihn zu dem Release zu befragen! :)

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