Seit 35 Jahren versorgt Sakis Tolis die Extreme-Metal-Szene mit hochwertigem Material – mit seiner Band ROTTING CHRIST, zuletzt aber auch über sein Solo-Projekt SAKIS TOLIS. So sind mit „Everything Comes To An End“ sowie dem überarbeiteten ROTTING-CHRIST-Album „Aealo“ zuletzt gleich zwei Werke des Griechen erschienen. Im Interview berichtet der Gitarrist, was er von Re-Makes hält, warum ausgerechnet „Aealo“ einer Neueinspielung bedurfte und was ihn für sein Soloprojekt antreibt.

Ich war ziemlich überrascht zu sehen, dass ihr das Album „Aealo“ neu aufgenommen habt. Wie kam es dazu?
Zunächst einmal bin ich kein Fan von Neuaufnahmen. Zweitens: Ich hatte überhaupt nicht geplant, so etwas zu machen. Und drittens: Es gibt eine neue Generation. Ich bin seit ungefähr 35 Jahren dabei, ich habe so viele Alben aufgenommen – mehr als 200 Songs. Warum diese Songs nicht der neuen Generation vorstellen? Das ist für mich als Komponist sehr wichtig. Ich habe so viele Songs geschrieben … wer schenkt einem neuen Album schon groß Beachtung? Du bist eine Woche oder einen Monat in den Medien, und dann vergisst es jeder. Also versuche ich, meine alten Songs der neuen Generation vorzustellen, indem ich einige Alben neu mache. Und wenn ich sage „neu machen“, dann meine ich nicht, das Album zu nehmen und komplett anders zu machen. Nein, nur kleine Unterschiede, wie eine Retusche. Darum plane ich, einige Alben neu zu machen. Natürlich mit sehr großem Respekt vor der Ariginalaufnahme und mit nur sehr wenigen Änderungen, einschließlich eines neuen Mixes und eines neuen Masterings.
Aber warum hast du ausgerechnet mit diesem Album angefangen und nicht zum Beispiel mit einem der ganz frühen?
Weil dieses Album eines meiner Lieblingsalben ist. Aber die Produktion hält ein paar Fallstricke bereit. Darum habe ich mich für dieses als Einstieg entschieden – ich habe alles von Anfang an neu gemacht. Und das Ergebnis ist sehr gut! Ich bin wirklich überrascht, dass es so gut geworden ist. Normalerweise bin ich ein sehr negativer Mensch, aber ich hatte das Gefühl, den Leuten gefällt die neue Version. Aber ich bin es auch wirklich mit viel Respekt vor dem Original angegangen.
Lass uns zuerst über das Offensichtliche sprechen: Du hast das Cover neu gestaltet. Warst du mit dem alten nicht zufrieden oder warum hast du auch das Artwork geändert?
Ich mag das erste sehr, aber das hier ist ein Remake, darum wollte ich, dass es sich ein bisschen vom ersten unterscheidet. Darum habe ich auch das Cover geändert.
Und was ist mit den Instrumenten: Hast du wirklich jede einzelne Spur neu aufgenommen oder hast du die alten Aufnahmen für ein neues Re-Amping benutzt?
Ich habe alles komplett neu gemacht. Ich habe es neu aufgenommen, wirklich genau so, wie es war, und es dann re-amped, so wie man das heutzutage eben macht. Aber ich wusste auch genau, was zu tun ist, weil ich die Gitarren ja auch damals schon eingespielt habe. Deshalb habe ich einfach alles genauso nochmal gemacht.
„Es fällt mir leicht, ich kenne mich selbst.
Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Musik aufzunehmen“
Das ist ziemlich beeindruckend: Viele Musiker wissen nicht einmal mehr genau, was sie auf ihren alten Alben gespielt haben, geschweige denn, dass sie es noch spielen können …
Es gibt heutzutage Tools, mit denen man alle Instrumente voneinander trennen kann, sodass man alles sehr klar hören kann. Und natürlich hatte ich auch die Files von damals noch. Weil ich alle Gitarren schreibe, und ich es bin, der alles aufnimmt. Also habe ich immer noch alle Spuren von der damaligen Aufnahme. Also warum das nicht noch mal machen?

Es fällt mir leicht, ich kenne mich selbst. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Musik aufzunehmen, die Riffs und die Musik für ROTTING CHRIST zu schreiben. Darum weiß ich genau, wie ich sie spiele. Natürlich erinnere ich mich nicht – ich bin nicht berühmt für mein Gedächtnis. Ich kann mich nicht 16 Jahre später an alles erinnern. Natürlich nicht. Aber wenn ich es höre? Klar – weil ich drei Monate damit verbracht habe, dieses Album aufzunehmen. Aber ich habe jetzt mehr auf den Gesang geachtet.
Warum das?
Der Gesang war sehr schlecht – OK, nicht schlecht, aber ich mochte ihn überhaupt nicht. Er ist bei der damaligen Aufnahme einfach nicht so geworden, wie ich es gerne gehabt hätte. Jetzt habe ich da ein bisschen mehr Augenmerk drauf gelegt, und ich habe auch die Chöre mehr hervorgehoben.
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Aber bei den Gast-Vocals hast du die alten Takes benutzt – oder wurden die auch neu aufgenommen?
Nein, die Gast-Vocals und Chöre nicht. Aber meine Vocals habe ich komplett neu aufgenommen.
Interessanterweise hast du fürs Mix und Master nicht, wie bei den letzten vier Alben, mit Jens Bogren und Tony Lindgren gearbeitet, sondern mit Dimitrios Douvras, der damals das originale Mix und Master für „Aealo“ gemacht hat. Warum?
Ja, ich habe Mix und Mastering mit demselben Kerl gemacht, der es für die Originalversion gemacht hat – er wusste also schon sehr genau, was ihn erwartet. Wir haben es zusammen gemacht, er ist ein Freund von mir und er ist sehr talentiert. Ich finde, das Ergebnis ist wirklich gut – viel besser als die alte Version.

Also, bist du jetzt zu 100 % zufrieden? Oder glaubst du, du machst es in 15 Jahren noch mal?
Ich bin in meinem Leben nie zu 100 % zufrieden. Aber ich glaube nicht, dass ich das noch mal machen werde, solange ich so viele andere Alben habe, die meiner Meinung nach eines Remake bedürfen. Einige alte Alben brauchen das aus meiner Sicht, um sie wieder vorzeigbar zu machen.
Davon abgesehen gibt es noch ein paar andere Aspekte, die ich erwähnen muss: Wenn du ein Album neu aufnimmst, bekommst du die Rechte an den Songs zurück. Das ist auch ein Thema bei einigen der sehr alten Alben: Die Labels von damals beuten sie immer noch aus. Es ist unglaublich, wie schlecht die Verträge waren, die Musiker, die jetzt in meinem Alter sind, unterschrieben haben. Wir müssen die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen.
„Ich mache das nicht, um Geldes zu verdienen –
ich verliere dabei sogar Geld“
Aber natürlich war das hier nicht der Grund. Viele Leute werden sagen, dass ich es wegen des Geldes mache. Nein, ich mache das nicht, um Geld zu verdienen – ich verliere dabei sogar Geld. Weißt du, wie viel es kostet, ein Album neu aufzunehmen? Sehr viel Geld. Und wie viel glaubst du, bekommst du pro Spotify-Stream? Sehr wenig, fast nichts. Also verlierst du Zeit und Geld. Denn etwas aufzunehmen kostet sehr viel Zeit. Insofern ist das nicht der Grund. Natürlich kann es auf die nächsten 15 Jahren gesehen relevant werden, die Rechte an einigen Alben zu besitzen. Vielleicht ist es eine sehr langfristige Investition. Aber es fühlt sich gut an, wenn man endlich die eigene Musik verwerten kann.

Wir haben unser ganzes Leben damit verbracht, Musik zu schreiben. Wir sind seit so vielen Jahren im Geschäft. Weißt du, was wir Musiker heutzutage bekommen? Sehr, sehr wenig. Also sind wir stolz und glücklich, zumindest etwas in der Hand zu haben. Das ist ein weiterer Grund, warum man das macht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mich. Für mich ist der wichtigste Aspekt, meine Musik der neuen Generation vorzustellen. Und weil ich an mich glaube, weil ich glaube, dass ich einige gute Alben aufgenommen habe, finde ich, dass dieses Album einen anderen Sound verdient hat.
Warst du versucht, diese Gelegenheit zu nutzen, um mehr als nur ein paar Details zu ändern?
Ich habe ein paar Soli eingebaut, ein paar Details geändert, aber grundsätzlich will ich nicht viel anders machen. Manche Alben lasse ich so, wie sie sind – wie unsere allerersten Werke. Das ist jetzt etwas Historisches, das will ich nicht anfassen. Aber einige Alben aus der mittleren Phase der Band müssen aus meiner Sicht neu gemacht werden. Aber ich werde niemals etwas komplett verändern. Ich werde nur versuchen, sie so gut wie möglich zu verbessern.

Ich finde spannend, dass du die alten Alben nicht anfassen willst. Die meisten Bands, die Neuaufnahmen machen, nehmen sich dafür die frühen Alben vor, wie zum Beispiel die Cavalera-Brüder mit dem Frühwerk von SEPULTURA, um gerade diese historischen Alben wieder präsent zu machen.
Ich weiß … und es klingt gut! Aber die ganz alten Alben, die ersten vier, will ich auf keinen Fall anfassen. Ich will niemandem sagen, dass „Thy Mighty Contract“ mit einer neuen Aufnahme besser klingen wird als die vorherige Version. Nein, die lasse ich, wie sie sind. Aber die mittleren Alben, wie „Khronos“, „Genesis“ oder „Aealo“ – ich glaube, die kann man auf eine bessere Art präsentieren.
„Ich mag, was ich mache. Ich fühle mich sehr jung …
vielleicht ist es die Midlife-Crisis“
Es gibt ein neues Album mit deinem Solo-Projekt SAKIS TOLIS, das sehr überraschend dieser Tage veröffentlicht wurde: „Everything Comes To An End“!
Ich weiß nicht, was mit mir los ist, ich fühle mich wie eine Maschine. Ich schreibe immer Riffs, und ich will dauernd etwas Neues haben. Eigentlich habe ich keinen Plan. Kannst du das glauben? Ich mag, was ich mache. Ich fühle mich sehr jung … vielleicht ist es die Midlife-Crisis, ich weiß nicht. (lacht) Ich bin jetzt 53, und ich habe das Gefühl, ich würde gerne zu meinen Wurzeln zurückkehren. Aber wie? Ich meine, OK, es ist für mich sehr leicht, etwas aus dieser Zeit zu spielen, aber das Wichtigste ist, sich zu fühlen wie in den alten Underground-Tagen. Jetzt habe ich die Rechte für, sagen wir, „Aealo“. Jetzt habe ich ein neues Album für mein Solo-Projekt veröffentlicht. Ich habe es ohne Label veröffentlicht. Ich gebe es digital über meine Kanäle kostenlos raus. Ich stelle es auf Spotify. Ich habe das Gefühl, ich mache es so, wie ich es früher gemacht habe.
Ja, das wirkt sehr „undergroundig“ – ich habe auch keine Ankündigung für dieses Album gesehen und war überrascht, als ich auf deinem YouTube-Kanal über dieses neue Album gestolpert bin …
Ich kündige nichts an, nein. Ich verfolge auch kein Ziel. Ich lege es nicht darauf an, dass dieses Album berühmt wird. Ich möchte damit einfach gerne anderen Leuten erreichen. Ich bin ein sozialer Mensch. Ich reise, seit ich mich erinnern kann. Ich kenne so viele Leute auf der ganzen Welt. Ich würde gerne mit ihnen durch meine Musik sprechen. Ich hoffe, ich kann einigen Leuten helfen, fünf gute Minuten zu haben, wenn sie meine Musik hören. Das ist der Sinn von Musik. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass meine Träume erreicht wurden. Aber nicht alle meine Träume lassen sich realisieren. Also kehre ich irgendwie zu meinen Wurzeln zurück, zumindest darin, wie ich mit Leuten spreche, wie ich reagiere. Musikalisch nicht – stilistisch gehe ich nicht zurück, auch wenn ich ein paar Pläne habe … aber ich will den Moment leben. Ich will so leben, wie es mich glücklich macht. Also biete ich den Leuten da draußen etwas Musik an. Manche mögen es, manche nicht. Ich verfolge keine Absichten … ich mache es einfach, weil ich es fühle, ganz spontan.
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Ja, das ist klingt sehr idealistisch, und wirklich großartig. Aber auf der anderen Seite steckst du sehr viel Arbeit in diese Projekte. Ist es dann nicht schade, dass dann viele Leute deine neue Musik wegen schlechter oder gar keiner Promotion verpassen?
Es gibt keine Promotion. Das ist mir egal. Alle, die es interessiert, können meine Musik einfach auf meinem YouTube-Kanal finden, wo ich all meine Musik hochlade. Ich habe meine Musik auch auf Spotify, wie jeder. Und das ist alles. Wenn jemand meine Musik entdeckt, ist das OK, wenn nicht, ist es mir auch egal. Mein Ziel ist nicht, berühmt zu sein. Ich habe ROTTING CHRIST, und ich bin sehr glücklich damit. Ich bin damit auch sehr beschäftigt. Aber ich habe noch andere musikalische Ideen, die ich über meine Solo-Alben herzeigen möchte.
„Ich bin endlich glücklich,
weil ich das mache, was ich will“
Aber kostet es nicht auch viel Geld, diese Alben zu machen, das du nicht zurück bekommst, wenn es keine Tonträger und kein Merchandise gibt?
Weißt du, die Solo-Sachen kosten nicht so viel. Weil ich keine Promotion in Auftrag gebe. Mir ist die Qualität der physischen Kopien und das alles auch völlig egal. Ich muss nur die Aufnahmen finanzieren, aber ich nehme viele Sachen bei mir zu Hause auf, ich habe ein paar Freunde im Haus. Also kostet mich das nicht viel … mehr als Geld kostet es mich Zeit. Das ist das, worüber ich mir Sorgen mache: Diese verdammte Zeit, sie ist mein Feind. Ich habe so viele Ideen, ich würde so viele Dinge aufnehmen wollen, aber es ist einfach unmöglich. Aber zum ersten Mal fühle ich mich glücklich. Ich bin endlich glücklich, weil ich das mache, was ich will. Kein Stress von Labels, kein Stress von Agenturen, kein Stress mit Deadlines. Ich mag es – ich veröffentliche es. Du willst es hören? Hör es dir an!

Wir das Album trotzdem auch physisch erscheinen? Die einzigen physischen Kopien, die ich bisher gesehen habe, wurden von dem russischen Label GS Productions veröffentlicht …
Ja, das ist nur für den östlichen Markt, für Asien. Aber ich habe einen Plan, es mit einem Label aus Griechenland zu veröffentlichen, Floga Records. Sie werden es offiziell veröffentlichen. Aber ich bin da nicht so drin – die Promotion, wer es veröffentlicht … ich will dieses Spiel dieses Mal nicht spielen. Du willst es veröffentlichen? Nimm es. Ich bestehe nicht auf den Rechten, gib mir einfach ein paar Kopien oder was auch immer. So läuft das heutzutage, und ich bin sehr glücklich damit. Ich habe sehr viel Glück, dass ich mit ROTTING CHRIST meinen Lebensunterhalt verdienen kann, weil ich so viele Shows spiele. Aber mit dem Solo-Projekt möchte ich gerne schreiben und aufnehmen, was auch immer ich will – ohne Deadlines.
Das ist ein ziemlich cooler Ansatz, finde ich. Aber du hast zumindest angefangen, Shows mit SAKIS TOLIS zu spielen …
Oh, sehr wenige. Drei, vier, fünf pro Jahr. Ich spiele übrigens im April eine in München, beim Dark Easter Metal Meeting 2026!
Wird es dann auch SAKIS-TOLIS-Merchandise geben?
Ich weiß es noch nicht. Wahrscheinlich nicht. Ich will nicht „Sakis Tolis“ auf meine T-Shirts schreiben. Das mag ich nicht. Das klingt wie Michael Jackson. Vielleicht, wenn ich eine gute Idee habe, mache ich etwas. Aber wenn nicht, dann nicht. Vielleicht bringe ich gar nichts mit. Außer die neue CD, wenn ich sie bis dahin habe, klar.
„Ich versuche, ein unterhaltsames Konzert zu spielen,
damit die Leute glücklich sind“
Bei den letzten SAKIS-TOLIS-Shows hast du auch ROTTING-CHRIST-Material gespielt, aber nur alte Songs …
Nicht alte – nur aus der Mitte unserer Karriere. Songs, die wir mit ROTTING CHRIST nie spielen. Ich spiele da sehr wenig ROTTING-CHRIST-Material, ich versuche, ein unterhaltsames Konzert zu spielen, damit die Leute glücklich sind. Das ist für mich alles, was zählt. Ich muss natürlich meine Musiker bezahlen, all die Leute, die daran beteiligt sind. Ich teile das Geld, weil es für Musiker sehr wichtig ist, etwas Geld zu bekommen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Also habe ich bei meinem Solo-Projekt einen ganz anderen, ideologischen Ansatz. Ich fühle mich frei. Wenn ich das Gefühl habe, ich will etwas veröffentlichen, dann veröffentliche ich es. Mir ist egal, was die Leute sagen oder was die Labels mir sagen werden.
Du hast 2023 auch ein Album veröffentlicht, mit einem Projekt namens Χ Ξ Σ, was auf Griechisch „666“ bedeutet. Ist das ein weiteres SAKIS-TOLIS-Album oder nochmal etwas anderes?
Es ist mein Album, also ist es ein SAKIS-TOLIS-Projekt, aber es ist anders, deshalb habe ich entschieden, einen anderen Namen zu benutzen. Aber es ist mein zweites Soloalbum, auch wenn mein Name nicht draufsteht. Also habe ich insgesamt drei. Und das weiß bisher niemand, aber ich habe noch zwei weitere Songs, an denen ich gerade arbeite. Und dann werde ich ein Album mit all den Singles rausbringen, die nie veröffentlicht wurden. Also werde ich vielleicht schon nächsten Monat ein neues Album fertig haben, oder wann immer ich Lust habe. Das ist eigentlich unglaublich. Ich bin sehr müde, aber ich weiß, dass ich all meine Probleme vergesse, wenn ich Musik schreibe. Es gibt heutzutage so viele schlechte, sehr negative Dinge. Lass uns versuchen, unser Leben besser zu machen – so wie wir früher gelebt haben. Darum ist Musikmachen für mich sehr wichtig, um all dem irgendwie zu entkommen, was weltweit passiert. Und ich bin sehr glücklich, dass es manchen Leuten gefällt. Dann habe ich das Gefühl, dass ich etwas erreicht habe. Ich habe mehr als 200 Songs veröffentlicht. Wenn ich damit einige Leute glücklich mache, bedeutet mir das viel.
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Arbeitest du auch schon an neuem Material für ROTTING CHRIST?
Ich versuche, meinen Kopf wieder zu sortieren und neue Musik zu schreiben. Ich fange grade so ein bisschen an, also ja – sagen wir, ich schreibe ein bisschen Musik.
Ist das für dich ein komplett anderer Ansatz, wenn du anfängst, einen Song für ROTTING CHRIST oder für SAKIS TOLIS zu schreiben?
Ja, es ist ein anderer Ansatz. Normalerweise kommen Ideen, wenn ich ins Bett gehe. Wenn ich kurz vorm Einschlafen bin, schießen mir die Ideen in den Kopf. Bam, bam, bam, bam … ich werde verrückt vor Ideen.
„ROTTING CHRIST muss wie ROTTING CHRIST klingen.
Die Band hat Fans, die etwas erwarten“
An welchem Punkt entscheidest du, ob es ein ROTTING-CHRIST- oder ein SAKIS-TOLIS-Song wird?
ROTTING CHRIST hat ein bestimmtes Konzept. Es ist anders. ROTTING CHRIST muss wie ROTTING CHRIST klingen. Die Band hat Fans, die etwas erwarten. Also wenn ich die Ideen bekomme, fühle ich einfach, was für ROTTING CHRIST ist und was nicht.
Wenn du sagst, die Fans erwarten etwas Bestimmtes von ROTTING CHRIST: Wie passt das dazu, dass sich der Stil der Band über die Jahre so verändert hat?
Ja, ich weiß, ich weiß. Das bin ich! (lacht) Ich kann nicht stillstehen. Ich will die ganze Zeit in Bewegung sein, ich erkunde gerne Dinge. Ich würde gerne die Welt verändern. In meinem Kopf herrscht ein ziemliches Chaos. Darum habe ich die stilistische Ausrichtung oft geändert. Aber ich glaube nicht, dass ich mich vom jetzigen Standpunkt aus noch weiter verändern kann, weil ich meinen Stil schon drei- oder viermal geändert habe. Es war ziemlich erfolgreich, aber ich weiß nicht, ob ich im Moment stark genug bin für eine weitere Veränderung. Vielleicht werde ich mich mehr auf die klassischen Riffs von ROTTING CHRIST fokussieren. Das ist ja auch das, was viele Leute von ROTTING CHRIST erwarten.

Aber ist das nicht für dich als Künstler limitierend, wenn du versuchst, das zu schreiben, was die Leute erwarten?
Alle sagen immer „Ich mache das nicht, ich mache die Musik nicht für die Leute.“ Das ist nicht wahr. Wenn du 35 Jahre lang eine Band hast, bin ich sicher, dass du auch an die Leute denkst. Es ist eine Lüge, wenn du sagst: „Mir ist egal, was die Leute sagen.“ Nein – es ist dir nicht egal, was die Leute sagen! Deshalb schreibst du Musik. Deshalb bist du seit 35 Jahren da. Du hast eine starke Fanbase und manchmal beeinflussen sie dich. Das ist normal.
Allerdings bekam das letzte Album „Προ Χριστου (Pro Xristou)“ auch negative Kritiken von Leuten, denen es zu sehr nach Altbekanntem klang. Ist das nicht auch ein Risiko?
Ja, vielleicht stimmt das, aber andererseits: Wie willst du das vermeiden? Wenn du etwas anderes machst, beschweren sie sich, dass du deinen Stil änderst. Wenn du nichts anders machst, sagen sie: „Ihr klingt immer gleich!“ Ich habe 15 Alben gemacht. Ich habe mehr als 200 Songs geschrieben. Ja, manche dieser Songs klingen ein bisschen wie andere. Aber das ist bei IRON MAIDEN auch so, bei SLAYER, bei allen. Nach so vielen Jahren kannst du dem nicht entkommen. Und wenn du deinen Stil änderst, dann wird es nur schlimmer und die Leute sagen, du verrätst deine Wurzeln. Was soll ich tun? Sag du es mir!
Nichts … du bist gefangen. Mach einfach das, was dein Herz dir sagt! (lacht)
Genau. Ich versuche, zu allen da draußen so ehrlich wie möglich zu sein. Ich bin so viele Jahre dabei und ich behaupte einfach mal, dass ich meinen Wurzeln treu geblieben bin. Meine musikalische Unruhe bringt mich manchmal dazu, musikalisch in eine anderen Richtung zu denken, aber ich kann auch nicht jeden zufriedenstellen. Das Wichtigste ist einfach, glücklich zu sein. Das ist das Wichtigste.
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Dieses Interview wurde per Telefon/Videocall geführt.

