CD-Review: Skepticism - Stormcrowfleet (Re-Release)

Besetzung

Matti Tilaeus – Gesang
Jani Kekarainen – Gitarre
Lasse Pelkonen – Schlagzeug
Eero Pöyry – Keyboard

Gastmusiker:
J. Korpihete – Bass

Tracklist

01. Sign Of A Storm
02. Pouring
03. By Silent Wings
04. The Rising Of The Flames
05. The Gallant Crow
06. The Everdarkgreen
07. Outro


Die meisten Musikrichtungen, die das 20. und das 21. Jahrhundert hervorgebracht haben, nahmen ihren Anfang mit einer Handvoll Bands, deren Pionierarbeit die Schöpfung neuer Klangformen zur Folge hatte. SKEPTICISM ist es neben Thergothon und ein paar anderen Vorreitern beispielsweise zu verdanken, dass der Funeral Doom am Anfang der 90er Jahre aus dem Death/Doom hervorgegangen ist. Über 20 Jahre nach dem Release ihres wegbereitenden Debüts „Stormcrowfleet“ veröffentlichen die Finnen ebenjenes ein weiteres Mal. Erstmals in Vinyl-Form und mit einem verbesserten Mixing, ermöglicht der ansonsten weitgehend bei seinem ursprünglichen Klang belassene Re-Release einen Blick auf die Wurzeln der Band, wie auch eines gesamten Genres.

Ruft man sich ins Bewusstsein, dass die Stilelemente, für die Bands wie Shape Of Despair heute gefeiert werden, vor dreißig Jahren noch gar nicht gebräuchlich waren, ist es nicht zu überhören, warum „Stormcrowfleet“ heute einen gewissen Klassikerstatus innehat. Dass SKEPTICISM die Death-Metal-typische Brutalität und technische Komplexität gegen narkotisierend langsame Gitarrenriffs und Drums eintauschten, war gewiss ein mutiger Schritt. Selbiges lässt sich über den dominanten Einsatz Gothic-artiger Keyboards und die eher geflüstert als gebrüllten Growls sagen, die mit Sicherheit so manchen nach immer extremerer Musik lechzenden Metalhead am falschen Fuß erwischten.

Den Metal leichter zugänglich zu gestalten oder gar spielerisches Unvermögen zu kaschieren, scheint nicht das Motiv hinter diesem neuartigen Ansatz gewesen zu sein, vielmehr hatten es SKEPTICISM offensichtlich darauf abgesehen, ihre Songs mit einer dichteren Atmosphäre auszustatten. Das ist dem Quartett tatsächlich gelungen – bis zu einem gewissen Grad. Die in ihrer Trübsinnigkeit geradezu erhabene, für den Funeral Doom charakteristische Grundstimmung, die insbesondere über die Keyboards zum Ausdruck kommt, ist durchaus beeindruckend.

Dennoch lässt sich nur schwer leugnen, dass SKEPTICISM als Songwriter im Jahr 1995 noch einiges zu lernen hatten. Abgesehen von den Akustikgitarren auf „The Galant Crow“, die leider nicht so anmutig klingen, wie es der Titel vermuten lässt, weichen SKEPTICISM kein Stück weit von ihrem Konzept ab. Frei nach dem Motto „Kennt man einen, kennt man alle“ gibt es auf „Stormcrowfleet“ somit letztlich nur wenig Herausragendes zu entdecken. Ganz und gar nicht gut gealtert ist außerdem die Produktion, sie klingt schlichtweg kraftlos und dünn. Nostalgie hin oder her, hier wäre eine zeitgemäßere Überarbeitung wirklich wünschenswert gewesen.

Es gibt Vorreiteralben, die sich auch nach Jahren noch mit ihren Folgewerken messen können, und es gibt solche, auf die das nicht zutrifft. „Stormcrowfleet“ fällt leider in letztere Kategorie. Während die Gitarren bloß im Hintergrund vor sich hin dröhnen und die Growls, die Drums und der gesamte Sound jedwede Durchschlagskraft vermissen lassen, fehlt es den Keyboards als einziges melodieführendes Instrument einfach an der nötigen Spannung. Was SKEPTICISM mit ihrem frühen Schaffen in Gang gesetzt haben, ist selbstverständlich beachtenswert und als atmosphärischer Prototyp funktioniert es allemal. Dennoch gibt es kaum einen Anreiz dafür, „Stormcrowfleet“ den späteren Alben der Band vorzuziehen.

Bewertung: 4 / 10

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3 Kommentare zu “Skepticism – Stormcrowfleet (Re-Release)”

  1. hypnos

    selten so einen Schmarrn gelesen…ein ‚review‘ das an Ahnungslosigkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst gilt diese geniale Scheibe seit jeher als ein Meilenstein im Funeral Doom.

    „…letztlich nur wenig Herausragendes zu entdecken.“
    wat? die ganze Platte ist durchgehend herausragend!

    „… hier wäre eine zeitgemäßere Überarbeitung wirklich wünschenswert gewesen“
    um Teufels Willen, alles bloß DAS nicht!
    Die Produktion ist genau so wie sie sein sollte.

    btw. Shape Of Despair sind soweit davon entfernt die Klasse dieser Scheibe zu erreichen, da macht es null Sinn die auch nur zu erwähnen
    10/10 Punkten natürlich

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hallo Hypnos,
      auch wenn dein Kommentar nicht unbedingt sehr feinfühlig formuliert ist, trotzdem danke für das Feedback. Ich bin immer für eine Diskussion über Musik zu haben, aber die gegenseitige Wertschätzung sollte da nicht zu kurz kommen.
      Dass „Stormcrowfleet“ ein Klassiker ist und dass man den Grund dafür auch heute noch nachvollziehen kann, habe ich ja grundsätzlich auch in meinem Text erwähnt – dass du mir hier Ahnungslosigkeit vorwirfst, finde ich schade, denn eigentlich ist dies hier keine Frage von (Nicht-)Wissen, sondern von persönlichem Geschmack. Klassikerstatus hin oder her, ich bin der Ansicht, dass man nicht alles in den Himmel loben muss, nur weil viele Leute es toll finden oder weil es Pionierarbeit ist. Manche Alben altern eben gut, andere nicht. Für mich persönlich tut sich auf der Platte zu wenig und die Produktion klingt in meinen Ohren schwach. Und nein, das liegt nicht daran, dass es Funeral Doom ist. Es gibt in dieser Stilrichtung durchaus Alben, die ich schätze.
      Aber vielleicht kannst du mir deinen Standpunkt ja noch etwas deutlicher erklären: Warum bist du der Ansicht, dass dieses Album hier mit mehr Variation und einer druckvolleren Produktion schlechter wäre?

  2. Pascal Weber

    Hallo Hypnos!

    Sag, ist es eigentlich nicht möglich, die Antwort auf andere Meinungen freundlicher und respektvoller zu formulieren? „selten so einen schmarrn gelesen“, „Ahnungslosigkeit“, weil es nicht deiner Sichtweise entspricht? Sorry, aber das ist doch arm. Ich selbst kenne und besitze diese Platte schon recht lang, sicher so an die fünf Jahre oder mehr, also schon länger, als ich bei metal1.info tätig bin. Ich habe sie in der Tat auch immer sehr gern gehört und war daher auch etwas überrascht, bzw. zu Beginn vielleicht sogar leicht enttäuscht von der Wertung meines Kollegen – schlussendlich freut man sich natürlich mehr darüber, wenn sich die Sichtweise mit der eigenen deckt. Dennoch begründet er die Wertung so, dass sie zu jeder Zeit nachvollziehbar ist. Und wie Stephan richtig schreibt, letztlich ist eine Review eben auch stark von der eigenen Meinung abhängig. Wenn Musik-Kritiker miteinander diskutieren, gehen die Ansichten trotz dieses Hintergrundes oft sehr weit auseinander. Objektivität gibt es da höchstens bis zu einem gewissen Punkt, also läuft es völlig ins Leere, die Ahnungslosigkeit-Karte auszuspielen – ein beliebtes Mittel, wenn sich die Meinung des anderen nicht mit der eigenen verträgt. Damit sollte man aber doch klar kommen, wenn man über Musik, Filme, Literatur, Videospiele, Essen oder sonst etwas diskutiert.

    Und auch wenn das eine populäre Vermutung ist: Nein, der Klassiker-Status eines Werkes bedeutet nicht, dass dieses Werk jedem auch persönlich gefallen muss.

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