CD-Review: Sortilegia - Sulphurous Temple

Besetzung

Koldovstvo - Gesang, Gitarre
Haereticus - Schlagzeug

Tracklist

01. Night's Mouth
02. Speculum Tenebrarum
03. Ecstasies of the Sabbath
04. The Veil
05. Hymn for the Egregor
06. Exalting in Acrid Flames


Wenn eine Band so uninteressant und profillos ist, dass sie absolut nichts hergibt, begnügt man sich als Rezensent meist damit, für die Einleitung irgendwelche biographischen Daten hinzuklatschen. Für SORTILEGIA wäre selbst das zu viel Aufwand, zumal diese brutal trve Black-Metal-Band so dermaßen trve ist, dass sie es nicht für nötig hält, irgendwelche Informationen zu ihrem Album mitzuschicken oder gar eine Facebookseite zu führen (eine Bandcamp-Seite gibt es aber natürlich schon. So trve, dass man auf Kommerz scheißt und nichts verkauft, will das Duo dann anscheinend doch nicht sein). Anyway, SORTILEGIA haben nun ihr zweites Studioalbum „Sulphurous Temple“ veröffentlicht.

Als Caveman Black Metal bezeichnet ihr Label den Stil. Ein hübscher Versuch den billigen, seit mindestens 20 Jahren totgespielten Raw/Trve Black Metal auf dem Papier irgendwie noch interessant klingen zu lassen. „Sulphurous Temple“ bietet fünf Songs und ein Interlude, bei denen man nach 30 Sekunden alles gehört hat. Alle fünf Songs haben fast exakt das gleiche Tempo. Bei allen fünf spielt das Schlagzeug, bis auf bei vereinzelten Ausnahmen, durchgehend Midtempo-Blastbeats. Wer sich hier nicht schon nach einer Minute ins Reich der (Tag-)Träume verabschieden will, muss monotonem Black Metal gegenüber eine hohe Toleranzgrenze aufbringen.

Zu den Songs gibt es effektiv ansonsten nicht viel zu sagen. Das Schlagzeug macht, wie bereits erwähnt, sowieso die ganze Zeit das Gleiche. Die Gitarren versuchen irgendwelche Tremolo-Riffs darüberzulegen, die sich jeglichem Harmonieverständnis oder auch nur wenigstens dem Versuch, irgendeine Art von Stimmung oder Atmosphäre zu kreieren, gänzlich entziehen. Zusätzlich kreischt Sänger Koldovstvo zwischendrin immer mal wieder an scheinbar zufällig ausgewählten Stellen irgendetwas Unverständliches in die Songs hinein.

Wer nun meint, das Interlude „The Veil“ könnte diesen Totalausfall retten, der irrt. Im Gegenteil: Über viereinhalb Minuten hinweg laufen die gleichen 4 Synthesizertöne in Schleife. SORTILEGIAs Versuch, einen düsteren Ambient-Track zu erschaffen, unterbietet sogar noch das Schlafinduktionspotential der restlichen fünf Black-Metal-Stücke. Wer zu faul ist, seinen Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen oder ein Gute-Nacht-Lied vorzusingen, der kann also alternativ auch einfach „The Veil“ auf Dauerschleife schalten und dürfte damit wahrscheinlich noch einen besseren Effekt erzielen.

Kann man noch etwas Positives über das Album sagen? Im Grunde eigentlich nur, dass das Genre Trve Black Metal tatsächlich schon noch Schlimmeres hervorgebracht hat. Die Produktion ist zwar weit entfernt von gut, aber immerhin bei weitem nicht so schlecht wie die typischen Fisher-Price-Kassettenrecorder-Aufnahmen von so mancher Raw-Black-Metal-Platte. Die Instrumentalperformance ist zwar ebenfalls bestenfalls mittelmäßig, angesichts der häufig unterirdischen Instrumentenvergewaltigung im Trve Black Metal muss man das aber schon als klaren Positivaspekt werten.

Wer immer noch der Meinung ist, dass Trve und Raw Black Metal die einzig wahre Musik sind und jeglicher Black Metal nach den 90ern Poser-Scheiße ist, der kann hier gern mal reinhören und wird vielleicht glücklich. Allen anderen kann man nur raten, sich dieses Vierzig-Minuten-Kondensat purer Lebenszeitverschwendung zu sparen und stattdessen etwas Sinnvolleres zu machen, wie etwa seine Lebensmittelvorräte alphabetisch sortieren, die Blätter am Baum im Garten zählen oder mal seine Tante anrufen, mit der man nie etwas zu tun hatte und sich dann am Telefon unangenehm anschweigen.

Bewertung: 2.5 / 10

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2 Kommentare zu “Sortilegia – Sulphurous Temple”

  1. LiquidSoul

    Hey, endlich mal ein ehrliches / unverblendetes Sortilegia-Review. Kann den Hype um diese (und andere Van-)Band absolut nicht nachvollziehen.
    Respekt dafür gegen den Poser BM-Underground anzuschreiben.

  2. Simon Bodesheim Post Author

    Hallo LiquidSoul,

    vielen Dank für dein Lob! Dass die Band gehyped wird, hatte ich tatsächlich gar nicht mitbekommen. Warum derartige Gruppen aber immer wieder gelobt werden, ist mir genau so ein Rätsel wie dir. Musikalisch ist das jedenfalls nicht zu rechtfertigen, denn da geben solche Bands so wenig her wie kaum etwas anderes. Aber naja, man muss ja nicht alles im Leben nachvollziehen können. ¯\_(ツ)_/¯

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