CD-Review: The Ocean - Phanerozoic Live

Besetzung

Loïc Rossetti - Gesang
Robin Staps - Gitarre, Gesang
David Ramis Åhfeldt - Gitarre
Mattias Hägerstrand - Bass
Paul Seidel - Schlagzeug
Peter Voigtmann - Synthesizer

Tracklist

01. The Cambrian Explosion
02. Cambrian II: Eternal Recurrence
03. Ordovicium: The Glaciation of Gondwana
04. Silurian: Age of Sea Scorpions
05. Devonian: Nascent
06. The Carboniferous Rainforest Collapse
07. Permian: The Great Dying 08. Triassic
09. Jurassic | Cretaceous
10. Palaeocene
11. Eocene
12. Oligocene
13. Miocene | Pliocene
14. Pleistocene
15. Holocene


The Ocean - Phanerozoic LIve Cover

THE OCEAN sind ein schönes Beispiel dafür, wie man als Band versucht, jeden möglichen Pandemieverlauf in der eigenen Tour- und Release-Planung zu berücksichtigen, um dann letzten Endes doch vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden: So wurde die in unterschiedlichen Varianten mit verschiedenen Startdaten geplante Tour zum aktuellen zweiteiligen Post-Metal-Zyklus „Phanerozoic“ mehrfach verschoben und als Trostpflaster gab es zwei Streaming-Konzerte, in denen die Band beide Alben stimmungsvoll und technisch nahezu perfekt präsentierte – besser als nichts. Dass die Mitschnitte dieser beiden Konzerte ohne Publikum nun „Phanerozoic Live“, das erste Live-Album der Musiker um Robin Staps darstellt, zeugt in diesen Zeiten allerdings durchaus von einer gewissen Ironie.

Aber kann das funktionieren: Ein Live-Album ohne Live-Charakter, ohne Applaus oder sonstige Publikumsreaktionen? Im Falle von THE OCEAN lässt sich die Frage mit einem klaren „Jein“ beantworten. Die Band ist auch in Nicht-Corona-Zeiten nicht unbedingt für ihre ausschweifenden Ansagen oder andere verbale Interaktionen mit dem Publikum bekannt, hier ändert sich also gar nicht mal so viel. Was allerdings fehlt, ist die Reaktion des Publikums auf die Performance – es ist mucksmäuschenstill zwischen den Songs, man könnte eine Stecknadel fallen hören, was den eigentlichen Sinn eines Live-Albums, das Einfangen der guten Stimmung, auf gewisse Art und Weise beinahe pervertiert.

Wer die Streaming-Konzerte gesehen hat, kann bestätigen, dass man THE OCEAN spiel- und produktionstechnisch absolut nichts vorwerfen kann. Es gibt Post-Metal-Studio-Alben, die ohne Frage schlechter klingen als „Phanerozoic Live“. Das Klangbild ist mächtig fett und trotzdem transparent genug, dass Kleinigkeiten im Arrangement nicht untergehen – ohne dabei nach einem billigen Proberaummitschnitt zu klingen. Man merkt den Musikern die Spielfreude nach anderthalb Jahren unfreiwilliger Spielpause auch ohne Bild absolut an – wobei dem Package die Konzertvideos als Download beiliegen werden.

Als klassisches Live-Album ist „Phanerozoic LIve“ somit irgendwie witzlos und, böse formuliert, vielleicht sogar überflüssig. Als Souvenir an einige ziemlich schräge Jahre im Leben von uns allen haben THE OCEAN allerdings ein spannendes Zeitdokument erschaffen, welches aufgrund seiner Umsetzung in jedem Moment daran erinnert, wie sich unser Leben als Musiker, Musikfans und Konzertgänger verändert hat. Wer die beiden Studioalben „Phanerozoic I – Palaeozoic“ und „Phanerozoic II – Mesozoic | Cenozoic“ noch nicht im Regal stehen hat, kann den Kauf des Live-Albums als Alternative durchaus in Betracht ziehen. Und alle anderen als Trostpflaster bis zur nächsten Tour des Kollektivs (hoffentlich 2022) eigentlich auch.

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Bewertung: 8.5 / 10

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