CD-Review: Frigoris - Morgenröte

Besetzung

Dominik Winter - Gesang, Gitarre
Stefan Rzehak - Gitarre
Florian Ristow - Bass
Florian Becker - Schlagzeug

Gastmusiker:
Andrea Winter - Flöte

Tracklist

01. Morgenröte
02. Söldner
03. Wotans Stärke
04. Leichentuch
05. Sauflied
06. Rachezeit

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Eieiei, so was sieht man auch nicht alle Tage… Ob es ein schlechtes Zeichen ist, wenn die Band selbst auf dem Promozettel zugibt, dass die Texte “Simpel und von Klischees getränkt” sind und sich quasi ausdrücklich dafür entschuldigen doch bitte unvoreingenommen an die Musik zu gehen und sich nicht von den lyrischen Ergüssen abschrecken zu lassen… naja, kann ich nicht sagen, so was ist mir eigentlich noch nie untergekommen. Bis die erste Demo der jungen Essener Band FRIGORIS auf meinem Schreibtisch landete und mir eben so etwas unter die Nase rieb. Okay, irgendwie sympathisch ist das schon, genau so wie das Durchschnittsalter der Band (das bei 18 1/4 liegt), aber wir sind nicht hier, um das Sympathielevel der Jungs zu besprechen, sondern ihre Musik.

Lasst mich erst mal etwas zur Aufmachung der Demo-CD sagen, die ist nämlich – ich weiß, ich habe das Wort schon öfter benutzt, aber es passt einfach so gut – sympathisch. Die Druckqualität des Inlays ist stark verbesserungswürdig, aber es sieht doch ganz nett aus. Und im Inneren findet sich ein Rohling, der mit einem weißen Bapperl beklebt wurde, auf das einer der Jungs in Handarbeit mit einem Kuli oder so das Bandlogo und den Albentitel (diesen sogar zweifarbig) gepinselt hat. Coole Sache, das, muss man ehrlich sagen. Nicht gerade der Gipfel der Professionalität, aber hey, wir haben es hier mit einer 2007 gegründeten Band bestehend aus Kerlen, die allesamt jünger sind als ich, zu tun. Da sieht man so eine Hingabe für die eigene Musik schon ganz gern…

Oh wenn diese doch nur besser wäre. Und wenn ich sage “besser” dann meine ich “Musikalisch habt ihr noch einen weiiiiiiten Weg vor euch”. Räumen wir erst mal das Positive aus dem Weg: Der Promozettel von “Morgenröte” verriet es bereits, FRIGORIS waren mit den heimischen Aufnahmemöglichkeiten nicht zufrieden und sind deswegen einen Tag lang im Hagener Studio “Schallsucht” vorstellig geworden, wo sie ihr Material eintrümmerten. Und der Sound ist zwar nicht perfekt, aber prinzipiell doch gar nicht mal von schlechten Eltern. Die Rhythmusfraktion hat viel Druck im Hintern, auch wenn die Bassdrum hin und wieder zu laut daher kommt, die Gitarre ist manchmal zu leise, aber ansonsten ist das Soundbild sehr schön voll geraten und der (übrigens sehr ordentliche) Gesang von Dominik kommt sehr gut durch, hier kann man nicht meckern.

Bei so gut wie allem anderen, was FRIGORIS’ Musik betrifft, allerdings schon. Das Intro “Morgenröte” ist noch ganz nett, sanfte Flötenklänge (man hört sogar das Atem holen der Gastflötistin) spielen eine hübsche Weise zu lockerer Akustikklampfe, aber irgendwie will das hier Gebotene nicht über simples Gedudel hinweg kommen, dafür entwickelt sich zu wenig in dem Song. Es klingt einfach viel zu planlos, als würden alle Beteiligten einfach zwei Minuten lang spielen wonach ihnen gerade ist (naja, immerhin schon zusammenpassenden Kram) ohne ein Gespür für irgend welche Höhepunkte. Dann ist das Ding auch schon aus und mit “Söldner” fängt der eigentliche Spaß an. Und wer nach dem Flötenauftakt dachte, dass hier irgend was folkig-paganisch-episches gespielt wird, der hat sich geschnitten. Während den mittleren vier Songs pusten FRIGORIS dem Hörer mit eher trümmerndem Schwarzmetall die Ohren durch.

Erster Störfall sind die Texte… Jungs, nett gemeint, dass ihr euch im Vorneherein dafür entschuldigt und sie nicht beilegt, damit man sich nicht so sehr dran stößt, aber Dominiks Gekreische ist so unverständlich jetzt nicht, so dass man das platte Geschwafel über Schlachten, Stahl, Blut, Saufen und was weiß ich in seiner ganzen Pracht vor den Latz geknallt kriegt. Klischeehaft, okay, aber das ist ja nicht immer ein Beinbruch. Einerseits sind die Texte allerdings so halbgar geschrieben, dass man selten auf einen Satz stößt, bei dem man abseits des lyrischen sagen könnte “Das klang jetzt gar nicht so blöd” (mit Ausnahme vielleicht der ersten paar Zeilen von “Söldner”). Andererseits wird alles so todernst vorgetragen – ja wirklich, dem geht jeder Anflug eines Augenzwinkerns ab – dass man nicht mal im alkoholisierten Zustand seinen Spaß damit haben könnte. Die Vocals sind zwar kompetent (obwohl sie auf Dauer wegen fehlender Abwechslung auch etwas stören), ihres Inhalts wegen aber unglaublich nervig.

Und was die technische Seite der Musik angeht… Hier wurde ziemlich geschlampt. Die einzelnen Tonspuren mögen an sich gut sein, aber zusammengesetzt ergeben sie teilweise ein mittelmäßiges Bild, teilweise tauchen ein paar Macken in der Synchronität auf und manchmal wird aus dem, was hier geboten wird, einfach nur noch ein heilloses durcheinander, das sich unheimlich schlecht hören lässt. Da greift die ganz gute Produktion wieder ein, denn wenn das Ganze etwas verrauschter oder druckloser wäre, dann würden solche Asynchronitäten gar nicht mal so sehr auffallen, aber da hier eigentlich alles relativ gut klingt springen einem diese Macken erbarmungslos ins Ohr und krallen sich fest.

Ein paar Trostpunkte fahren FRIGORIS sich mit ihrem guten Sänger und dem letzten Track “Rachezeit” ein, der etwas epischer klingt und teilweise sogar so etwas ähnliches wie Klargesang zu bieten hat. Zusätzliche Abzüge kriegen sie dann aber noch wegen dem – tut mir Leid das so offen zu sagen – total beschissenen “Sauflied” (hier stimmt wirklich gar nichts…). Kommt Summa Summarum eine Demo heraus, die die Welt nicht braucht. Hoffentlich halten die Jungs ihr Versprechen und machen auf der 2009 folgenden CD “Nach dem Krieg…” vieles besser. Zu “Morgenröte” bleibt abschließend wohl nur zu sagen: Naja, immerhin ist die Scheibe kurz…

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