Interview mit Argathon von Wintermoon

WINTERMOON veröffentlichten vor nicht allzu langer Zeit ihr zweites Album „Arroganz“ und konnten damit viele zufriedene Meinungen einfahren. Hier meldet sich nun Argathon zu Wort und gibt seine Sicht der Dinge über die eigene Weltanschauung und Black Metal wieder.

Grüße! Ihr habt nun vor wenigen Monaten euer zweites Album „Arroganz“ veröffentlicht. Erst einmal: worauf will der Titel hinaus?
Grüß Dich Patrick,
um mich selbst zu zitieren: „Arroganz“ – ein Titel mit vielen Bedeutungen. Denen wir mit Wintermoon ein Dorn im Auge sind – man kennt die ermüdenden Endlosdiskussionen um Abklatsch, Innovationslosigkeit etc. – ist „Arroganz“ der Schlag ins Gesicht. Für die, die unsere Kunst und unseren Kult vergewaltigen durch Kapitalismus und idiotische Ideologie, ist Wintermoon mit Arroganz” der Knüppel zwischen den Beinen. Wir blicken voller Stolz auf unser bisheriges Schaffen und nun auch, und besonders auf „Arroganz“ und nennen uns Teil der kleinen Elite des Black Metals – wer uns daraufhin als arrogant beschimpft, der soll sich in dem Albumtitel bestätigt finden… Weiterhin hat dieser Begriff noch persönliche Bedeutung, die hier allerdings keine Erwähnung finden braucht.

Nun las ich mir verschiedene Meinung zu eurem Werk durch und musste feststellen, dass ihr zwar nicht polarisiert, aber doch die Meinungen teilt. Kannst du dir erklären, warum dies so ist?
Die einen verteufeln uns, indem sie sich auf unsere angebliche Innovationslosigkeit berufen. Ich bezweifle zudem nicht, dass es einige Neider gibt, die eifersüchtig auf unser Schaffen nach den alten Idealen aufblicken. Die andere Seite erfreut sich enthusiastisch des altbewährten Schwarzstahls, den sie in solch qualitativ hochwertiger und authentischer Form seit den Anfangstagen und bis auf wenige Ausnahmen vermissen.

Du hast ja zusammen mit deinem Bandkameraden schon Necroccult betrieben. Kann man Wintermoon als Weiterführung von Necroccult ansehen, da das Material eures jetzigen Projektes ja erst auf die Demo von Necroccult folgte?
Ich formuliere es etwas anders: Necroccult und dessen „Chapter I…“ kann als eigentlich als Werk Wintermoons betrachtet werden. Ja, es ist offensichtlich, dass „Arroganz“ deren Weiterführung darstellt.

Meiner Meinung nach merkt man eurer Musik heute noch den Einfluss von Darkthrone an, doch hat dieser nachgelassen. Wo Necroccult noch hier und da wie regelrechte Kopien klangen, scheint Wintermoon davon lediglich beeinflusst. Wie siehst du das?
„Kopie“ ist hier definitiv fehl am Platz! Wir waren niemals Kopie, wenngleich wir uns nur allzu offensichtlich im Fahrwasser u.a. Darkthrones fortbewegten. Wintermoon hat mittlerweile allerdings mehr Eigenständigkeit erreicht – und das ist auf „Arroganz“ deutlich hörbar.

Lyrik, welche sich noch um die Thematiken der vergangenen Jahre – wie den Satanismus – dreht, wird nicht selten belächelt und als rückständig betrachtet, was angesichts der Tatsache, dass im Black Metal längst andere Thematiken vorherrschen bzw. immer wichtiger werden, seinen Hintergrund besitzt. Was würdest du zu diesem Vorwurf sagen?
Den Satanismus im Black Metal als rückständig zu belächeln, ist der reinste Schwachsinn! Er ist schließlich die Quintessenz dieser Kunst! Alle anderen lyrischen Thematiken sind Entartungen und dürfen sich nicht mehr dem Black Metal zugehörig nennen. Es ist irrsinnig – bspw. die mythologische Lyrik mit ihrem Götterglauben ist geradezu das Gegenteil zum Satanismus (wie ich ihn verstehe) und somit totale Idiotie!

Kommen wir mal zu dem Bild im Booklet, in dem du mit einem Kerzenleuchter zu sehen bist. Auch diese Darstellung ist keine, welche man heute noch häufig findet, sondern die man vielmehr von alten Werken kennt. Passt natürlich zur Musik, wäre das der einzige Grund bzw. was reizt euch an solchen Motiven?
Solche Insignien sind unablässlich mit dem Black Metal verknüpft. Wir mit Wintermoon haben uns speziell auf Arroganz wieder intensivst auf die einstigen Werte und Ideale des Black Metal konzentriert, um diese essentielle Tradition fortan zu bewahren und die Flamme nie erlischen zu lassen.

Da ich nun nicht euer Debütalbum „Sorrow & Hate“ kenne, kann ich natürlich vergleichend nichts sagen. Doch mir fiel anhand der Spieldauer der einzelnen Lieder auf, dass auf „Arroganz“ sämtliche Titel kürzer ausfallen? Woran liegt das, ist „Sorrow & Hate“ irgendwie epischer handelt es sich da überhaupt um eine bewusste Tat, wenn man so will?
Die beiden Werke sind sehr verschieden. „Sorrow & Hate“ ist sehr depressiv, teilweise schleppend und wehmütig in Musik und Lyrik. „Arroganz“ hingegen ist das Gegenteil dieser Resignation – es ist die pure Kraft aus Hass. Wintermoon hat zu mehr Stärke und Selbstbewusstsein gefunden, was diesen Werdegang erklärt.

Was hat es mit der Kältetod Legion auf sich?
Die Kältetod Legion ist eine Bruderschaft, die sich die Bekämpfung der Pestilenz des NSBM sowie des Kommerzes innerhalb des Black Metal auf die Fahnen geschrieben hat.

Black Metal-Musik scheint geteilt zu sein. Zum einen gibt es da die Traditionalisten wie euch, die noch Black Metal der alten Schule spielen, zum anderen Avantgardisten, die in immer andere Extreme gelangen und Black Metal ein anderes Gesicht geben. Wie siehst du die weitere Entwicklung dieser Seiten?
Unter solchen Gruppierungen sind, wie in jeder Musiksparte, zweifellos auch ein paar Juwelen zu finden. Ich selbst bin sehr offen für Neues. Nur bringt es mir den Ekel, zu sehen, wie teilweise Widersprüchliches vereint wird. Ein Beispiel ist der eben genannte Pagan Metal.

Ihr frönt ja nun Black Metal der primitiveren Sorte, wo seht ihr da die Vorzüge gegenüber melodischem, progressivem, et cetera Black Metal? Ist es nur eine bessere Möglichkeit, eure Musik auszudrücken oder steckt was anderes dahinter?
Unseren Black Metal spielen wir, weil wir ihn lieben; es ist uns ein essentielles Bedürfnis. Nur hier können wir das, was wir ausdrücken wollen, wirksam umsetzen.
Alles andere soll nicht in Wintermoon einfließen; dafür haben wir andere Projekte.

Was haltet ihr generell von Bands, die mehr Wert auf melodische, symphonische Details legen? (Damit meine ich jetzt keine Keyboardschwulst-Orgien)
Generell spricht nichts dagegen, solange die Musik gut ist.

Welche Bands, die heutzutage agieren, findest du denn äußerst ansprechend und weshalb?
Einerseits gibt es kaum aktuelle Bands, die mir gefallen, zum anderen würde es den Black-Metal-Rahmen sprengen, weshalb ich diese Frage auslasse.

Nun sagtest du mir, dass du populäreren Magazinen eher kritisch gegenüberstehst. Weshalb und gibt es da konkrete Beispiele?
Mit Wintermoon und später mit Seelenkrieg Records hatte ich Promos auch an solche populäreren Magazine geschickt. Dort wurden die Werke, welche bei einigen Leuten sehr viel Anklang fanden, auf Übelste zerrissen. Ein Beispiel sei die metal.de-Rezension zu Nachtreichs Debüt, was mich spekulieren ließ, was für hochglanzverwöhnte Gefühlskrüppel dort agieren müssen. Zweifellos gibt es verschiedene Geschmäcker, doch eben deswegen sollte es auch verschiedene Rezensenten für die entsprechenden Genres geben, die denen, welche solcher Musik zugetan sind, ein guter Wegweiser sind.
Über das Final War Magazin musste ich mich auch sehr aufregen. Man schaue sich die Necroccult-Rezension an und erkenne, was für ein primitiver Schwachmat von einem Schreiberling dort schafft.

Seelenkrieg Records, dein eigenes Label, sagt zwar, dass es musikalisch offen ist, dennoch befinden sich außer Nachtreich nur Black Metal-Werke unter den Veröffentlichungen. Wie passt das zusammen?
Seelenkrieg Records steht erst am Anfang. Wenn sich eine Zusammenarbeit auch mit einer nicht-schwarzmetallischen Gruppe ergibt, ist das natürlich sehr erfreulich.

Welche Alben, Demos et cetera werden demnächst via Seelenkrieg Records veröffentlicht werden?
In Bälde erscheinen noch zwei Kassetten von Hellvetic Frost, deren Debüt bereits auf Tonband bei uns erschien. Zudem „Blodvegen“ von Vetle, einem Ambient-Projekt mit verträumter Atmosphäre. Du sprachest Nachtreich an; mit ihnen werden wir wahrscheinlich längerfristig zusammenarbeiten. In den nächsten Monaten folgt deren „Sturmgang“, und daraufhin in konstanter Nachfolge weitere Werke, auf die man wirklich gespannt sein kann!
Und nicht zuletzt werden auf Seelenkrieg Records die beiden ersten Werke der dt. Formation „Island“ nochmals auf CD erscheinen. Hier zeigt sich endgültig unsere stil-offene Richtung.

Was für eine Intention hattest du für die Gründung eines eigenen Labels?
Anfangs sollte es lediglich eine Plattform für sämtliche Werke meines Schaffens darstellen. Doch bald erweiterte sich die Intention dazu, ein fester Standpunkt qualitativ hochwertiger Musikwerke zu werden und der Überschwemmung des Marktes durch schlechte bis absolut grottige Veröffentlichungen ein Gegenpol zu sein.

Dann danke ich dir für die Beantwortung meiner Fragen und hoffe, sie waren nicht allzu profan. Die letzten Worte gehören – wie es Usus ist – dem Künstler.
Ich danke Dir ebenfalls, Patrick, dass ich mich hier aussprechen durfte.

Geschrieben am von Metal1.info

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