
Dass sich hinter dem unscheinbar wirkenden Namen BLACK COUNTRY COMMUNION eine Supergroup par excellence versteckt, lässt sich kaum erahnen. Vielleicht wurde das Konzert deswegen aus der Spandauer Zitadelle in die kleinere Columbiahalle verlegt? Schade, denn die Band macht ihrer Starbesetzung an dem Abend alle Ehre. Glenn Hughes (ehemals DEEP PURPLE) steht am Mikrofon und spielt Bass, Joe Bonamassa beweist, warum er als einer der erfolgreichsten Blues-Gitarristen gilt, Jason Bonham macht seinem Vater (Jon Bonham von LED ZEPPELIN) alle Ehre und Derek Sherinian (ehemals DREAM THEATER) haut ordentlich in die Tasten.
AFRODIZIAC ist der erste und einzige Opener des Abends, und er und seine Band haben es überraschend leicht, das Publikum in Gang zu bekommen. Trotz des strahlenden Sonnenscheins draußen, ist die Halle schon gut gefüllt und die Leute scheinen bester Laune. AFRODIZIAC spielt modernen, blueslastigen Rock und wirkt dank seiner lässigen Attitüde und seinem selbstbewussten Auftreten direkt sympathisch. Er lässt sich nicht davon verunsichern, dass er den Abend für wahre (Gitarren-) Legenden eröffnet und entlockt seiner Gitarre groovig-mitreißende Riffs, die das Publikum zum Tanzen bringen.

Als BLACK COUNTRY COMMUNION dann endlich mit einem pompösen Intro die Bühne betreten, ist es in der Halle doch noch merklich voller geworden. Die Meister fangen mit „Sway“ an und stellen mit dem rockigen Song schnell klar, dass es an dem Abend keine Schonkost gibt. Sänger Glenn Hughes versteht sich darauf, in unvergleichlicher Diva-Manier über die Bühne zu schlendern, den Liedern erfolgreich seine klare Stimme zu verleihen und zusätzlich noch Bass zu spielen.
Ein ähnlich großes Ego wie Hughes hat bekannterweise auch Gitarrist Joe Bonamassa, das er an diesem Abend allerdings überraschend so gut er kann, bei sich behält. Von den Konflikten, die Glenn Hughes im Interview mit Metal1.info erwähnte, bekommt man nur etwas mit, wenn man davon weiß und wirklich genau hinsieht. Die zwei Frontmänner teilen sich anständig die Aufmerksamkeit und tun ihren Fans damit einen großen Gefallen. Das meisterhafte Zusammenspiel von Bonamassas feinfühliger Gitarrenarbeit und Hughes‘ eingängiger Stimme sorgt besonders bei Liedern wie „Red Sun“, „Cold“ oder gegen Ende „Black Country“ für Gänsehaut.
Eher im Hintergrund halten sich dagegen Drummer Jason Bonham und Keyboarder Derek Sherinian. Sherinians Synthies und Orgelsounds sorgen für einen unverkennbaren Rock-Sound, wie ihn Bands wie DEEP PURPLE in den Siebzigern popularisierten. Bonham hat das Konterfei seines Vaters auf der Bassdrum und grüßt kurz gen Himmel, als er der Menge vorgestellt wird. Beide glänzen mit beeindruckender Kunstfertigkeit, die besonders bei Songs wie „The Outsider“ oder dem LED-ZEPPELIN-artigen „Save Me“ zur Geltung kommt. Ganz zum Schluss geben BLACK COUNTRY COMMUNION beim DEEP PURPLEs „Mistreated“ nochmal alles. Joe Bonamassa bringt seine Gitarre zum Singen und Glenn Hughes legt mit starker Stimme nach. Zusammen eskaliert der Song langsam zu einem intensiven Blues-Epos, das dem Konzert ein würdiges Ende beschert.
- Sway
- One Last Soul
- Wanderlust
- Save Me
- The Outsider
- Song Of Yesterday
- Red Sun
- Cold
- The Crow
- Stay Free
- Black Country
— - Sista Jane
- Mistreated
Frontmann Glenn Hughes hat im Interview nicht zu viel versprochen, das Niveau dieser Supergroup ist auch live nicht zu überhören. BLACK COUNTRY COMMUNION haben eine bemerkenswerte Performance hingelegt. Bleibt nur zu hoffen, dass Hughes und Bonamassa sich doch noch wieder einkriegen und die Band noch ein wenig länger existiert.
