Versengold

  • München, Freiheiz
  • 02. Oktober 2015

Ende letzten Jahres starteten VERSENGOLD einen erneuten folkigen Eroberungszug. Mit ihrer aktuellen CD „Zeitlos“ reisten die Nordlichter zu Beginn ihrer Tour in den Süden der Republik, genauer gesagt nach München. Am 02. Oktober 2015 stand erstmals das Freiheiz im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt auf dem Tourplan der Szenedurchstarter, die auch fernab ihrer Heimat einen schwungvollen Konzertabend voller Herz und Hirn hinlegten.

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Parallel zum Münchner Oktoberfest wagen VERSENGOLD den Sprung vom kleinen Spectaculum Mundi im beschaulichen Süden der Stadt direkt in die deutlich größere Backsteinhalle nahe dem Hauptbahnhof. Dies versinnbildlichte gleichzeitig die musikalische Reise der Folk-Musiker, die erstmals als fixes Septett touren. Besonders mit „Zeitlos“ haben sich die Folk-Musiker in den Vordergrund und aus der Szenenische gespielt, Platz 22 in den Media-Control-Charts belegt dies. Dass die Norddeutschen inzwischen weit mehr als ein mittelalterlich inspiriertes Marktphänomen sind, haben sie bereits zuvor mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt und so nach und nach die größeren Festivalbühnen und Clubs erobert. Für ein ausverkauftes Haus reicht es in München dennoch nicht ganz. Dies tut der Stimmung allerdings keinen Abbruch.

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Mit Bassist Eike und Schlagzeuger Schorti eröffnen die beiden „Neulinge“ den Konzertabend und betreten als Erste die Bühne, die sich nach und nach füllt, ehe das gesamte Kollektiv sichtlich gut gelaunt das Titel- und namensgebende Stück des aktuellen Albums anstimmt. Schnell schwingt München das Tanzbein, auch wenn der Sound einige Minuten benötigt, um sich in den alten Gemäuern einzupendeln. Versengold spielen galant über die kleinen Unwägbarkeiten hinweg und ziehen die Menge in ihren (Spiel-)Bann. Das folkige Potpourri umfasst auf der Tour neben Ausflügen in poppigere Gefilde („Schon immer mal“) auch das vielleicht folkrockigste Stück der Bandgeschichte („Spaß bei Saite“) und einige balladeske Momente („Wolken“, „Frühlingsgruß“). Dazu gesellen sich etablierte Live-Kracher wie „Drey Weyber“, „Wem? Uns!“ und der Szene-Hit „Ich und ein Fass voller Wein“. Die Besucher in München genießen die Bewegungsfreiheit und tanzen fröhlich oder liegen sich stimmungsvoll in den Armen, um ein Meer zu simulieren. Den Fans im Vorfeld der Tour bei der Songauswahl ein Mitspracherecht zu gewähren, erweist sich als goldrichtige Entscheidung, um möglichst viele Besucher abzuholen. So scheint auch in München ein einer „sein“ Lied zu finden.

Die Freude überträgt sich von der Bühne auf die Zuschauer – und zurück. Somit fällt es nicht ins Gewicht, dass Faun-Gastsängerin Katja keinen Abstecher unter den Weißwurstäquator unternehmen kann und nur im weiteren Verlauf der Tour bei „Die Schönheit der Schatten“ für einige Gastauftritte im Norden zur Verfügung steht. Sänger Snorre entschädigt dafür mühelos mit „Vom Zauber des jungen Wildfräuleins“. Ein Zeitpunkt zum Innehalten, um den Liebsten in den Arm zu nehmen und einfach dem Text zu lauschen.

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Dies empfiehlt sich bei Versengold generell, da Malte alias Snorre lyrisch einige Genregrößen problemlos in die Tasche steckt – sei es durch Tiefgründigkeit oder den munteren Schalk im Nacken. Mit Bass und Schlagzeug im Line-up wirkt das Soundkleid noch voller und ergiebiger. Lediglich Pinto an der Bodhrán setzt nun vermehrt gezielte Akzente, anstatt als Taktgeber für die gesamte Truppe zu dienen. Diesen Platz nimmt Schorti ein, der sich in München früh seines Shirts entledigt und sein Talent an der Schießbude auch in einem kurzen Solo beweist. Generell erhalten alle Musiker die Zeit und den Raum, um mit ihren Instrumenten zu glänzen, insbesondere die beiden Geiger Honza und Hengest bei „Sol’s Reel“ und „Luna’s Reel“.

Als Kollektiv funktionierten Versengold mit einem Mix aus ihren alten und neuen Songs hervorragend – selbst wenn Malte am Mikro vereinzelt das Textgespenst ereilt wie an jenem Abend bei „Halunken betrunken“. Geschenkt, bei so viel Herzblut, Hingabe und Leidenschaft! Eine Live-CD war nun die logische Folge.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von:
Bernd Sonntag / http://www.konzertreport.de – dort findet ihr unter anderem die vollständige Galerie zu diesem Festival!

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