CD-Review: Aephanemer - A Dream Of Wilderness

Besetzung

Marion Bascoul - Gesang, Gitarre
Martin Hamiche – Gitarre
Lucie Woaye Hune – Bass
Mickaël Bonnevialle - Schlagzeug

Tracklist

01. Land Of Hope
02. Antigone
03. Of Volition
04. Le Radeau de La Méduse
05. Roots And Leaves
06. Vague à l’âme
07. Strider
08. Panta Rhei
09. A Dream Of Wilderness
10. Old French Song (Bonus Track)
11. Le Radeau de La Méduse (French Version - Bonus Track)


Aephanemer - A Dream Of Wilderness - Coverartwork

Läuft neue Musik im Player (oder dem Streaming- bzw. Musikvideodienst des Vertrauens), entstehen bei Hörerinnen und Hörern, abhängig vom eigenen Musikgeschmack und der musikalischen Erfahrung, unweigerlich Verknüpfungen im Kopf. AEPHANEMER werden von entsprechend konditionierten Melodic-Death-Metal-Synapsen aufgrund schneller Riffs, bombastischer Keyboard-Sounds und der gesamten musikalischen Atmosphäre schnurstracks nach Finnland einsortiert. AEPHANEMER entspringen jedoch Toulouse im Süden Frankreichs.

Der Bandname mutet erstmal sperrig an: AEPHANEMER ist ein Kofferwort aus den beiden französischen Wörtern „éphémère“ und „fanée“, was beides in etwa so viel wie „vergänglich“ und „flüchtig“ bedeutet. AEPHANEMER haben sich 2014 gegründet und mit „Memento Mori“ (2016) und „Prokopton“ (2019) zwei Alben in Eigenregie veröffentlicht. Letzteres wurde zwar von Napalm Records neu aufgelegt, der große Popularitätsschub blieb bisher aber trotz viel Zuspruch von Fans und Presse aus. Die Anhängerschaft der Combo scheint aber sehr loyal und wächst stetig, „A Dream Of Wilderness“ könnte als richtiges Napalm-Debüt nun endlich für die verdiente, größere Bekanntheit sorgen.

Nach dem instrumentalen Einstieg mit „Land Of Hope“ fackeln AEPHANEMER mit „Antigone“ nicht lange und feuern ein Blastbeat-Feuerwerk mit wilden Gitarren- und Keyboard-Melodien ab. Brutal oder enorm hart ist die Band dabei nicht unterwegs: Die Melodien und die detailreiche Instrumentierung stehen stets im Vordergrund. Durch den stark folkigen Einschlag und die Orchestrierung erinnert das Ganze sehr an Ensiferum oder Wintersun; auch dort lassen die symphonischen Elemente und eingestreute Chorgesänge den Sound größer, breiter, cinematischer wirken. Sängerin Marion Bascoul growlt und keift sich passend dazu ähnlich eines Jari Mäenpää durch die meist pfeilschnellen Harmonien und zeigt auch einen Hang zu garstigen, schwarzmetallischen Schreien. Im Refrain streut sie dazu noch hohen Klargesang ein, der zwar nur flüchtig verweilt, seine vergänglichen Spuren aber in den folgenden Sekunden hinterlässt.

Auch, wenn „Death Metal“ in seiner melodischen Form als Bezeichnung gut trifft, sind die Gitarren bei AEPHANEMER nicht tief gestimmt und „böse“ ist die Musik auch nicht: In den langsameren Parts klingen die zwei Frauen und zwei Männer eher nach Power Metal mit oft galoppierendem Rhythmus. Dazu pulsiert die Spielfreude der Band in jedem noch so kleinen Moment– AEPHENAMER haben so dermaßen Bock auf ihre Musik und der Funke springt dadurch erst recht auf die Hörer über. Wegen zu viel Kitsch oder Pathos machen sie sich darüber hinaus keine Sorgen und flechten immer wieder Nightwish-artige Chöre („Roots And Leaves“), schwelgerische Orchestrierungen und träumerische Harmonien ein.

Was AEPHENAMER dabei besonders überzeugend schaffen ist, jeden einzelnen Track wie eine eigene Reise, eine eigene Geschichte wirken zu lassen. Die ständigen Aufs und Abs der Songstrukturen sowie die Tempo- und Rhythmuswechsel mit ihren diversen musikalischen Themen haben stets eine erzählerische Note. Dabei scheuen sich AEPHENAMER auch nicht vor ganz harten Umbrüchen: In „Panta Rhei“ etwa darf Bascoul ihre klassische Gesangsausbildung bei einem klar gesungenen und ganz leisen Part zeigen, wodurch die instrumentale Raserei im Moment später umso wuchtiger einschlägt. Bei aller technischen Finesse und dem bombastischen Soundkonstrukt, in dem immer viel passiert, ist „A Dream Of Wilderness“ ein unglaublich eingängiges Album. Die Songstrukturen sind im Grund einfach, die musikalische Umsetzung macht mächtig Spaß und strahlt so viel Freude aus. Die Geschwindigkeitsausbrüche samt verspielter Leads und Soli sind dabei mitunter so absurd, dass man nicht anders kann, als AEPHENAMER mit einem breiten Grinsen im Gesicht und unvermeidlichem Dauernicken zu genießen. Hier schwingen im Geiste immer Children Of Bodom mit. Die Drums hätten im Mix zwar etwas mehr Druck vertragen können, der Sound ist aber angenehm ausdifferenziert geraten, sodass alle Instrumente und Details schön zu hören sind.

AEPHANEMER haben mit „A Dream Of Wilderness” ein faszinierendes Album am Start, das die Szene des Melodic Death Metal ordentlich aufmischen könnte. Durch die symphonische Komponente haben die Franzosen zudem ein spannendes Element, da sie beide Welten auf ganz eigene Weise kombinieren. „A Dream Of Wilderness” ist eine Platte für den Dauerlauf und kann stundenlang rotieren, ohne sich abzunutzen und wird stattdessen immer besser. Wer auf melodischen, folkigen, symphonischen und verspielten Death Metal steht, feiert mit AEPHANEMER ein glücklich machendes Freudenfest.

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Bewertung: 8.5 / 10

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