CD-Review: Der Weg Einer Freiheit - Unstille ( + )

Besetzung

Tobias Jaschinsky – Gesang
Nikita Kamprad – Gitarre, Bass
Tobias Schuler – Schlagzeug

Tracklist

01. Zeichen
02. Lichtmensch
03. Nachtsan
04. Zu Grunde
05. Verhängnis
06. Zerfall


Auch wenn es seltsam ist, dass beinahe jede Review zu DER WEG EINER FREIHEIT mit einem irgendwie gearteten Zusatz versehen wird, soll auch hier vorneweg gleich etwas klargestellt werden: Zu behaupten, ich wäre so etwas wie ein Kenner der Black-Metal-Szene, wäre schlicht und ergreifend gelogen. Über lange Jahre hat sich mir diese Musikrichtung nicht einmal im Ansatz erschlossen, viele der sogenannten „Größen“ finde ich immer noch himmelschreiend schlecht und einfach hohl. Durch diverse mit dem Präfix „Post-“ ausgestattete Bands habe ich in den letzten Jahren allerdings einen Zugang zu dieser Musikrichtung gefunden, auch dann, wenn es mehr in Richtung „True-Black-Metal“ geht (eine selten dämliche Bezeichnung, die ich niemals verstehen werde). Call me whatever you will.
Letztendlich sind diese Ausführungen eigentlich überflüssig, da es bei Musik nicht um so etwas wie Expertentum oder Szene-Zugehörigkeit geht, sondern schlicht und ergreifend darum, ob einem die Musik gefällt. Wenn sich nun an manchen Orten darüber beschwert wird, dass DER WEG EINER FREIHEIT bei Beibehaltung von „truen“ Trademarks doch eigentlich nur Hipster sind, interessiert mich das persönlich nicht im Ansatz. Wenn ich Musik höre, dann möchte ich Atmosphäre, ich möchte Emotionen, ich möchte Leidenschaft und ich möchte eine zur Musik passende Produktion. All diese Merkmale besitzt „Unstille“, das zweite Album dieser „streitbaren“ Band im Übermaß und fügt ihrem bisherigen Schaffen somit eine weitere spannende Note hinzu.

Der Opener „Zeichen“ steht in gewisser Form exemplarisch für das gesamte Album. Die unglaublich druckvolle, deutliche und saubere Produktion beeindruckt, ein wild nach vorne prügelndes Schlagzeug wird von einfachen, dabei aber immer ergreifenden Gitarrenmelodien getragen, worüber sich ein warmer, immer deutlich hörbarer und vor allem ebenso melodiöser Bass legt. Das tiefe Keifen von Tobias Jaschinsky passt dabei immer zu den Melodien und ist in den Gesamtsound eingelassen. Immer wenn sich ein Teil durch eventuelle Wiederholungen erschöpft hat, wechseln DER WEG EINER FREIHEIT die Melodiebögen oder brechen den Song plötzlich ab, ziehen beinahe an Post-Rock erinnernde Klangflächen auf, die ich in dieser Klarheit und Größe bisher höchstens auf dem Debütalbum von Deafheaven gehört habe. Nach dieser Achterbahnfahrt ist das etwas zu simpel gehaltene Ausfaden am Schluss des gut zwölfminütigen Openers ein kleiner Wermutstropfen, da ein eindeutiger Schlusspunkt insgesamt stimmiger gewesen wäre. Die folgenden fünf Songs fügen sich mehr oder weniger in dieses Muster ein – manche legen den Schwerpunkt auf Aggressivität (wie das bedrohliche „Lichtmensch“), andere Songs wiederum kombinieren die heftigen Parts mit träumerischen Melodien und Flächen (wie beispielsweise das große Finale des letzten Songs „Zerfall“ oder im instrumentalen „Nachtsam“).

Eben an dieser Klangvielfalt wird deutlich, dass es gerade die Attitüde auf „Unstille“ (und auch im Gesamtwerk der Band) ist, die DER WEG EINER FREIHEIT aus dem Gros der immer gleich klingenden Black-Metal-Bands hervorhebt: Es wird nicht einfach nur böse drauflos geknüppelt und auf dissonante, immer negativ und aggressiv klingende Instrumente und Melodien gesetzt, sondern das gesamte emotionale Spektrum durch eine vor allem in den Gitarrenmelodien permanent durchklingende Sehnsüchtigkeit durchdekliniert. Dies liegt sicherlich auch am durchdachten und mitreißenden Songwriting, den intelligenten, schwermütigen Texten und dem warmen Basssound. Umso trauriger ist es, dass trotz der großartigen Produktion der Bassdrum-Sound in all seiner Wucht einfach zu künstlich klingt. Dies ist auch deswegen schade, da durch diesen sterilen Klang die Emotionalität der Songs oft verringert wird. Darüber hinaus wirkt Tobias‘ Gesang über die gesamte Dauer des Albums etwas zu eintönig. Dennoch machen DER WEG EINER FREIHEIT mit ihrem zweiten Album so gut wie alles richtig – das gleichzeitige Ausweiten des Bandsounds Richtung Aggression und Gefühl kulminiert in einer von mir in diesem Genre nur selten wahrgenommenen emotionalen Wucht. Anders ausgedrückt: DER WEG EINER FREIHEIT haben im Unterschied zu vielen anderen Black-Metal-Bands verstanden, dass Emotion nicht nur Hass und Wut bedeutet, sondern unter anderem und besonders auch Sehnsucht mit einschließt.

Bewertung: 8 / 10

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