Mit Jubiläen ist es in der Musik oft so eine Sache. Nicht selten nutzen Bands die volle Dekade zur (Wieder-)Veröffentlichung dessen, was ihnen einst größte Anerkennung einbrachte – für manche der letzte Sprung zurück ins Langzeitgedächtnis der (ehemaligen) Hörerschaft. Andere, wie DIE APOKALYPTISCHEN REITER, feiern ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Diese Maßgabe präsentieren sie mit „Freie Republik Reitermania“. Untergliedert in vier Kapitel startet die Band auf „Der Freiheit Vaterland“ in den ersten Abschnitt ihrer Revue. Dieser Zehnminüter zeigt ab Takt eins, dass mit den REITERN weiterhin zu rechnen ist. Drückende Gitarren und wuchtige Drums bilden einen modernen Unterbau für den Gesang von Fuchs. Neben pathetischen Texten sorgen epische Keyboardflächen als Kontrast zu den Riffs für die nötige Entspannung.
Kapitel 2 – „Rache an der Wirklichkeit“ – stellt als EP vier neue Songs vor, die zwischen groovender Härte („Rache an der Wirklichkeit“), fast schlagereskem Pathos („Weiße Pferde“) und schwelgerischem Heavy-Metal-Feeling („Wir sind, weil ihr seid“) all das vereinen, wofür die Band seit jeher steht. Große Melodien, prägnante Rhythmen sowie hier und da ein wenig Sehnsucht laufen stimmig auf einem Nenner zusammen. Auch die Neuzugänge Titus Maximus (Gitarre) und Rohgarr (Drums) tragen spürbar zur hohen Qualität bei.
„Die Schatzinsel“ als drittes Kapitel widmet sich Raritäten. Neben dem überraschend unkonventionellen „Danke“ mit Funk- und Disco-Vibes finden sich hier auch Stücke wie „Das kleine Spießerlein“. Anno dazumal war dieser Titel mit seiner poppigen Attitüde die Antwort auf Empörung seitens der Szenepolizei über das Album „Tief.Tiefer“ von 2014. „Die Sonne scheint“ trägt ein Malle-Techno-Gewand, während „Erhelle meine Seele“ schwungvoll ins vierte Kapitel überleitet: ein Akustik-Set mit neun Titeln, darunter Neuinterpretationen von Evergreens wie „Es wird schlimmer“, „Dschinghis Khan“ und „Friede sei mit dir“, mit denen die Band lang zurückliegende Zeiten vor einem euphorischen Publikum ehrt.
Mit „Reitermania“ unterstreichen DIE APOKALYPTISCHEN REITER die Bedeutung ihres Jubiläums. Die neuen Songs klingen so modern und druckvoll wie lange nicht, während die Retrospektiven liebevoll ausgewählt sind und ein facettenreiches Bild aus 30 Jahren Bandgeschichte zeichnen. Wenn dazu noch das beigelegte Spiel überzeugt und die Mitgliedschaft in der Reitermania ihre Fans enger zusammenschweißt, dürfen die REITER dieses Sammelsurium selbstbewusst als gelungenen Rückblick und Ausblick zugleich betrachten.
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Wertung: 8 / 10

