CD-Review: Distant Sun - Dark Matter

Besetzung

Alexey Markov - Gesang, Gitarre
Artem Molodtsov - Bass, Gitarre
Erland Sivolapov - Schlagzeug

Tracklist

01. Prophet Of The Mean
02. Kill The Fremen
03. Dark Matter
04. Godsdoom
05. Matrix Hacked
06. Shattered Empire
07. Gifts Of Journey
08. Apocalypto
09. Healer Of Souls
10. Zero To Hero


(Heavy Metal / Power Metal / Thrash Metal) Wenn man lange genug in der Metalszene dabei ist, neigt man dazu, bei bestimmten Symbolen sofort auf die jeweilige Musik zu schließen. Nach dieser Logik war ich mir beispielsweise auch mehr als sicher, dass es sich nach Sichtung des Cover-Artworks und Bandnamens bei den Russen von DISTANT SUN um eine typische (und weitere) europäische Power-Metal-Kapelle handelt, die mit Kitsch und Zuckerwatte nur so um sich wirft. Selten so geirrt!

Die dreiköpfige Band aus Russlands Hauptstadt zeigt nämlich bereits beim Opener „Prophet Of The Mean“, dass sie eher mit Keule, anstatt Zauberstab wedelt. Auf dem Debüt „Dark Matter“ regieren größtenteils harter Power Metal amerikanischer Prägung, thrashige Riffs, ein Sänger mit Eiern und zudem noch erfreulicher Abwechslungsreichtum. So überraschen besagter Opener und die zweite Nummer „Kill The Fremen“ gleich zu Beginn mit immer wieder geschickt platzierten Gitarrenleads orientalischer Prägung, bevor dann wieder der Thrash Metal übernimmt und DISTANT SUN gnadenlos aufs Gaspedal drücken. Sänger Alexey Markov zeigt sich in den Strophen rabiat und röhrt wie ein klassischer Todesblei-Frontmann, klingt in den Refrains dann wiederum deutlich melodischer – zu Beginn auf jeden Fall schon mal überzeugend. Doch die Russen können weiß Gott auch anders, erinnert ein „Godsdoom“ mit seiner treibenden Rhythmik und heroischen Melodien doch gar an Running Wild zu Hochzeiten. Beim brettharten, leicht neo-thrashigen „Matrix Hacked“ werden dann wiederum Blastbeats ausgepackt, „Gifts Of Journey“ dagegen klingt wie eine astreine Folk-Ballade, wie sie auch Blind Guardian hätten schreiben können. Und ein „Apocalypto“ hätte instrumental auch gut und gerne auf einem modernen Death-Metal-Album Platz gefunden. Was auf dem ersten Blick konfus oder orientierungslos klingt, entpuppt sich im Endeffekt als angenehme musikalische Wundertüte. Mit diesem wilden Stilmix scheinen DISTANT SUN auf jeden Fall ohne Probleme zurechtzukommen, wirkt „Dark Matter“ doch gerade hierdurch erst richtig interessant, da man pro Song stets neue Facetten der Jungs entdeckt und der Fluss des Albums nicht ins Stocken gerät.

Metal made in Russia – so exotisch die bloße Tatsache wirkt, so klingt es auch in der Praxis. DISTANT SUN haben mit ihrem Debüt „Dark Matter“ auf jeden Fall ein mehr als interessantes Metal-Album veröffentlicht, welches sich zu keiner Sekunde mit irgendwelchen Genre-Schubladen beschäftigen will, sondern einfach drauflos ballert und rifft. Eine klare Empfehlung zum Reinhören sei an dieser Stelle vehement ausgesprochen!

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Bewertung: 8.5 / 10

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