CD-Review: FTR - Manners

Besetzung

Yann Canevet - Gesang, Bass
Brice Delourmel - Gitarre, Elektronik
Pauline Chasseray-Peraldi - Keyboard, Elektronik

Tracklist

01. Collision
02. Cross Your Heart
03. Black Sand
04. Chances
05. Love Bots
06. Right Track
07. 10327
08. Sunrise
09. Never
10. One
11. Breathe


Angenommen, es gäbe eine musikalische Paralleldimension, in der Bands wie A Place To Bury Strangers, die frühen Nine Inch Nails sowie die New Yorker Bile in ihren wavigen Momenten zur selben Zeit die Bühnen der Welt unsicher machen wie Joy Division, The Cure oder auch die Sisters Of Mercy. Und angenommen, in dieser Paralleldimension würde es eine neue Generation von Musikern geben, die von eben diesen Bands beeinflusst wurden – wie würde das Ergebnis klingen? Vermutlich ein wenig wie FTR (ehemals „Future“), die hierzulande noch nicht wirklich bekannt sind – was sich aber möglicherweise bald ändern könnte, denn das Trio präsentiert auf seinem neusten Longplayer „Manners“ eine äußerst eigenständige Interpretation des aktuell durchaus populären Post-Punk-Themas.

Die Franzosen mixen einen äußerst atmosphärischen Cocktail, in dem sie treibende elektronische Beats, Percussion und pulsierende Basslines mit kreischenden Gitarrenriffs und den wave-typischen, fast schon gesprochenen und angezerrten Vocals kombinieren. Eine durchaus tanzbare Mischung aus Wave, Noise und einem Hauch von Industrial – garniert mit einer ordentlichen Dosis Delay und einer Hallfahne, die von Paris bis ins London der achtziger Jahre reicht.

Häufig liegt den Songs ein maschinell anmutender (Drum-)Loop zugrunde: mit Hilfe von sich kontinuierlich steigernden Synthesizer- und Gitarrenparts und Effektketten wie der bereits erwähnten omnipräsenten Hallfahne („I Am The Sun“ von den Swans ist wirklich Kindergarten dagegen) wird die Nummer dann von Takt zu Takt immer intensiver, bis der Track in eine noisige Kakofonie mündet. Diese beiden Elemente stellen auch neben den durchaus prägnanten Vocals und der unterkühlten, aber nicht dünnen Produktion so etwas wie den roten Faden auf „Manners“ dar. Letztere ist jedoch auch dafür verantwortlich, dass sich die Songs von FTR untereinander recht stark ähneln – aber unterm Strich doch abwechslungsreich genug arrangiert sind, um auch auf Albumlänge Spaß zu machen. Ein überraschend kurzweiliges Konzept in Anbetracht der durchaus bekannten Zutaten.

So gibt es neben cool nach vorne gehenden Uptemponummern wie dem Opener und der ersten Videoauskopplung „Collision“ oder dem hypnotischen „Chances“ auch ruhigere Songs wie die Halbballade „Love Bots“ oder das soundtrackartige „Right Track“ auf „Manners“ zu hören. „Black Sand“ hat dabei so etwas wie Singlecharakter, während „Sunrise“ durchaus Vergleiche mit Witchhouse-Kapellen wie Salem oder den ebenfalls aus Frankreich stammenden Unison zulässt. Mit „klassischen“ Post-Punk-Bands wie den zuletzt recht angesagten Shame aus London haben FTR allerdings wenig gemeinsam: zu digital, zu elektronisch, zu shoegazig ist die Produktion der Franzosen.

Wer den Drive-Soundtrack oder auch das letzte Daughters-Album mochte und kein Problem mit Post-Punk, Wave und massivem Elektronikeinsatz hat, wird auch „Manners“ feiern. Im direkten Vergleich sind FTR allerdings ein gutes Stück zugänglicher als die Amerikaner unterwegs, weniger extrem, aber durchaus mit Ecken und Kanten. Eine sehr coole, atmosphärische und zeitgemäß umgesetzte Melange verschiedener musikalischer Schubladen, die die achtziger Jahre so halbwegs erträglich gemacht haben – daran könnte man sich gewöhnen.

 

Bewertung: 8 / 10

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