CD-Review: Hope Drone - Void Lustre

Besetzung

Chris Rowden – Gesang, Gitarre
Karl Hartwig – Gitarre, Noise-Sounds
Aaron Pickersgill – Bass
Francis Keil – Schlagzeug

Tracklist

01. Being Into Nothingness
02. Forged By The Tide
03. In Floods & Depths
04. This Body Will Be Ash
05. In Shifting Light


Mit „Ethic Of Radical Finitude“ wurden Fans von Black Metal, Post-Rock und Sludge in diesem Jahr von Downfall Of Gaia bereits mit einem in sämtlichen Aspekten herausragenden Album beglückt. Die Deutschen sind jedoch nicht die einzigen, die sich dieser speziellen Genrevermischung verschrieben haben. So schlugen etwa die Australier HOPE DRONE mit ihrem 2015 veröffentlichten Debüt „Cloak Of Ash“ in dieselbe Kerbe und zeigten sich dabei nicht minder talentiert. Während Downfall Of Gaia zuletzt jedoch ein wenig an ihrer Grundformel geschraubt und ihre Songs leichter zugänglich gestaltet hatten, sind solche Intentionen bei HOPE DRONE nicht auszumachen. „Void Lustre“, das zweite Album des Quartetts, ist abermals über eine Stunde lang, nur ein Song unterschreitet die Zehn-Minuten-Marke und der längste schafft es sogar auf 17 Minuten.

Dass HOPE DRONE sich nicht zur Eile veranlasst sehen, merkt man bereits dem Opener „Being Into Nothingness“ deutlich an. Über eine Zeitspanne von fünf Minuten baut sich der Track langsam mit tristen Clean-Gitarren, minimalistischen Bassdrums und sphärischen Hintergrundsounds auf, bis schließlich dröhnende Gitarren und heisere Screams einsetzen, die sich in ihrer Intensität immer weiter steigern. Die darauffolgenden Songs kommen zwar etwas schneller auf den Punkt, nehmen sich allerdings ebenfalls viel Zeit, um die einzelnen Passagen wirken zu lassen.

Sowohl die brachialen Abschnitte mit unheilvollen Tremolo-Riffs („This Body Will Be Ash“) und tosenden Blast-Beats, über die HOPE DRONE bisweilen wehklagend kreischende Post-Metal-Leads ausbreiten („Forged By The Tide“), als auch die zurückhaltenden, stimmungsvollen Abschnitte erstrecken sich stets über mehrere Minuten. Den Australiern dabei zuzuhören, wie sie ihre von tiefer Verzweiflung gebeutelten Riffs, Melodien und Rhythmen mehrfach wiederholen bzw. in die Länge ziehen, ist mitunter kräftezehrend und herausfordernd. Dabei platzieren HOPE DRONE jedoch stets rechtzeitig einen Wendepunkt im jeweiligen Song, sodass letztlich kein Abschnitt überstrapaziert wird und dadurch seine Ausdruckskraft einbüßt.

Lediglich dem kaum artikulierten, gequälten Schreigesang fehlt es ein wenig an Facettenreichtum, was wegen seiner schieren Wucht in Kombination mit der Instrumentierung allerdings nur minimal stört. Besondere Überraschungen sollte man von letzterer allerdings auch nicht erwarten, da die Post-Black-Metaller vornehmlich mit der in ihrem Genre üblichen Laut-Leise-Dynamik arbeiten, ohne dazwischen viel zu schattieren oder unübliche Stilmittel einzuwerfen. Letzten Endes beeindrucken HOPE DRONE auf ihrem zweiten Album vor allem mit ihrem stimmigen, trotz der beträchtlichen Tracklängen effektiven und packenden Songwriting, das durch die imposante, druckvolle Produktion bestens in Szene gesetzt wurde.

HOPE DRONE gelingt es mit „Void Lustre“ zwar nicht, das kompaktere und zugleich vielfältigere „Ethic Of Radical Finitude“ vom Platz des heißesten Anwärters auf das beste Post-Black-Metal-Album des Jahres zu verdrängen, für sich betrachtet hätte das zweite Album der Australier jedoch definitiv das Zeug dazu, in die engere Auswahl zu kommen. Die vierköpfige Band beherrscht das Spiel mit Kontrasten hervorragend, sodass die sanfteren, jedoch nicht minder bedrückenden Parts stets stimmig in die mit überwältigender Wucht zuschlagenden Crescendos übergehen. Ein Album zu schreiben, das länger als eine Stunde läuft und doch kein überflüssiges Filler-Material enthält, schaffen nicht viele Bands – allein dafür gebührt HOPE DRONE einiges an Respekt. Fans der Debütplatte werden hiervon jedenfalls gewiss nicht enttäuscht sein.

Bewertung: 8 / 10

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