Cover-Artwork des Albums Unholy Trinity der schwedischen Black Metal Band Lord Belial

Review Lord Belial – Unholy Trinity

  • Label: Hammerheart
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Black Metal

Jetzt muss man es wohl wirklich glauben: LORD BELIAL sind zurück. Natürlich waren sie das bereits mit ihrem Reunion-Album „Rapture“ (2022) nach 14 Jahren der Stille. Doch ein Reunion-Album zu schreiben ist das eine, daran dann auch in angemessener Zeit anzuknüpfen das andere. Nun aber erscheint mit „Unholy Trinity“ tatsächlich nur drei Jahre später das nächste – nunmehr zehnte – Studioalbum der bereits 1992 gegründeten Band aus Schweden.

Optisch hat sich leider nichts gebessert: Nach dem peinlichen Manowar-Black-Metal-Mashup-Artwork des Vorgängers macht auch das neue Cover in seiner grausam detailreichen Furchtbarkeit staunen: Wäre der Zombie-Glöckner (zumindest für ein durchschnittliches Death-Metal-Album) noch ein brauchbares Motiv, wird es im Hintergrund mit gleich vier Drachen und einem Paar Augen in den Wolken völlig wild. Der an Tiefgang ebenfalls kaum zu unterbietende Titel „Unholy Trinity“ rundet das Päckchen ab: Wären LORD BELIAL nicht eine Instanz, die man nur schwerlich ignorieren kann, wenn man schwedischen Black Metal mag, beziehungsweise käme eine weniger namhafte Kapelle mit diesem Package um die Ecke, käme sie damit vermutlich nicht weit.

Nun sind LORD BELIAL aber eben eine feste Größe und „Raptures“ war (trotz der mindestens ebenbürtig schlechten Gestaltung) ein wirklich beeindruckendes Comeback. Insofern besteht Grund zu der Hoffnung, dass die Schweden zumindest musikalisch auch diesmal liefern. So viel sei vorweggenommen: Das tun sie wirklich – sofern man nicht unbedingt ein zweites „Nocturnal Beast“ erwartet.

Bereits der Opener „Ipse Venit“ lässt wenig Zweifel an der Intention der Schweden: Quasi von der ersten Sekunde an gibt es fiesen Black Metal mit hektischen Riffwechseln, mit Blastbeats, krachenden Becken und jaulenden Gitarren, sägenden Riffs und düster gefauchten Lyrics auf die Ohren. Nicht nur dieser ultra-aggressive Einstieg, sondern auch das, was in den insgesamt 50 Minuten Spielzeit sonst so folgt, hat wenig mit dem mitunter gar doomigen, aber vor allem melodisch geprägten Black Metal zu tun, dem sich LORD BELIAL den frühen 2000er-Jahren verschrieben hatten – eher noch erinnert das Material an „Unholy Crusade“ (1999), das als Abschluss der ersten Schaffensphase der Band gesehen werden kann.

Diese Entwicklung jedoch hatte sich bereits mit dem ebenfalls überraschend rabiat ausgefallenen Vorgänger angedeutet. Akzeptiert man diese Umorientierung, kann man mit „Unholy Trinity“ durchaus seine Freude haben: Hat man sich nach dem ersten Durchlauf erst wieder aufgerappelt, finden sich beim zweiten in der wilden Raserei unzählige Details, die begeistern – seien es subtil eingeflochtene Melodien oder technische Finessen im wirklich herausragenden Drumming. Und dann kommt mit „Scornful Vengeance“ im letzten Albumdrittel ja doch noch der Song, der die Herzen all jener höher schlagen lässt, für die ein guter Black-Metal-Song auch perlende Clean-Gitarren enthalten muss: Dieses Stück könnte tatsächlich auch fast auf „Nocturnal Beast“ oder „Revelation (The 7th Seal“) stehen.

Gelungener Stilwechsel, Reminiszenzen an früher – also alles im Lot beim LORD? Nun ja, fast: Denn all die Freude über das Songmaterial wird durch den Sound auf eine harte Probe gestellt: Dieser klingt nicht einmal per se schlecht – die Gitarren beißen, die Bass-Drum klatscht –, in der Summe aber klingt das Album „unfertig“. Das liegt vor allem am Drum-Sound, bei dem die Becken wie ein Heuschreckenschwarm klingen, auf den eine Schar sehr wütender Bauern wie wild mit Holzknüppeln einprügelt. Da auch die Gitarren frequenzbereichmäßig nicht wirklich „aufgeräumt“ klingen, ergibt sich so ein zwar erstaunlich differenzierter, dabei jedoch ziemlich chaotischer Gesamtmix, der insbesondere auf Kopfhörern selbst Back-Metal-geprägten Ohren einiges abverlangt.

Es ist nicht alles perfekt an „Unholy Trinity“ – aber sehr vieles sehr gut: Sieht man über das wirklich dramatisch schlechte Artwork und den leider ebenfalls weit von gelungen entfernten Sound hinweg, haben LORD BELIAL hier ein zehntes Album vorgelegt, das nicht nur durch seine bloße Existenz, sondern auch qualitativ einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Gegenüber dem direkten Vorgänger mangelt es „Unholy Trinity“ zwar etwas an Abwechslungsreichtum – das gnadenlose Geballer mit nur subtil eingeschobenen Melodien steht LORD BELIAL aber durchaus auch gut zu Gesicht.

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 8 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

Ein Kommentar zu “Lord Belial – Unholy Trinity

  1. Kautzige Band. unholy crusade mochte ich damals recht gerne. magenschmerzen bereitet mir nach wie vor der text zu purify sweden, der im gegensatz zu ihren damaligen interwievaussagen keine reine reliogionskritik enthält. „molest all islamic believers“* wird in aktuellen interviews von deutschen magazinen nicht mehr erwähnt). deshalb werde ich das album nicht käuflich erwerben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert