CD-Review: Nattvindens Gråt - A Bards Tale

Besetzung

Teemu Kautonen - Gitarre, Sprechgesang
Tuomas Holopainen - Keyboards, Klarinette
Sami Vänskä - Bass
Teiv - Schlagzeug, Cymbals

Gastmusiker:
Tapio Wilska - Gesang
Pasi - Gitarre, Gesang
Suvi - weiblicher Gesang

Tracklist

01. Introduction
02. The Road Goes Ever On
03. The Echo
04. Skyfires Dance
05. Towards The Sea
06. Song Of The Tide Waves
07. A Lonely October Night
08. Stormwind The Soothsayer
09. Vagabond's Dusk


Der Begriff „Bards Tale“ ist den meisten (jüngeren) Lesern wohl eher in Zusammenhang mit einem (reichlich missglückten) PC-Rollenspiel ein Wort. Dass vor nun zwölf Jahren mal ein Album der Gruppe NATTVINDENS GRÅT namens „A Bard’s Tale“ erschien, gehört dagegen nicht gerade zum metallischen Allgemeinwissen. Dabei würde das Aufgebot heutzutage beinahe als All-Star-Aufgebot der finnischen Musikszene durchgehen: Tuomas ist bekanntlich der Kopf von Nightwish, Sami war bis zur „Wishmaster“ Nightwish-Bassist und Wilska kennt man als Sänger von zwei Finntroll-Alben und auch er steuerte zu zwei Nightwish-Alben Gesang bei. Und Teemu gründete NATTVINDENS GRÅT ursprünglich als Nebenprojekt zu seiner Band Darkwoods My Betrothed. Und lange gab es diese Truppe auch nicht, denn schon nach dem zweiten Album „Chaos Without Theory“ von 1997 war wieder Schluss.

Nun, dem Bandnamen und der Optik nach zu urteilen, dürfte man hier wohl schwarzmetallische Tonkunst erwarten. Auf der Demo soll das auch noch so gewesen sein, doch „A Bards Tale“ geht in eine ganz andere Richtung. Hier werden Gothic Rock, Doom Metal und Folk-Elemente miteinander vermengt. Und schon die „Introduction“ und das eigentliche Opener „The Road Goes Ever On“ lassen es frühzeitig erkennen: Hier geht es eher ruhig und gemäßigt zur Sache. Das Keyboard hat hier direkt einen großen Auftritt, es wird zu Beginn sehr deckend und breit eingesetzt. Der urige und kultige Orgelklang des Tasteninstrumentes erinnert hier stark an den von Menhir auf ihrem Album „Die ewigen Steine“. Man muss es schon mögen, es kitscht halt wirklich arg, wenn es vordergründig eingesetzt wird. Die Gitarren sind meist recht zurückhaltend und schlagen eher leise Töne an, zwar sind ab und an recht rockige Riffs und einige Leads zu vernehmen, doch den Großteil der 47 Minuten wird hier auch eher gemäßigt in die Saiten gegriffen. Wenn es mal wirklich etwas härter und metallischer zur Sache geht, wie etwa bei „Skyfires Dance“ oder „Stormwind The Soothsayer“, geht das in der recht dünnen Produktion ein wenig zu sehr unter, die den Gitarren leider nicht den nötigen Druck verleihen können.

Gesanglich wird vor allem der Sprechgesang Teemus verwendet, Wilska ist hier wirklich als Gastsänger zu sehen und ist nur ab und an zu hören. Mit Suvi konnte man dazu noch eine Frau gewinnen, die eine wirklich wundervolle Stimme ihr Eigen nennen kann, das beweist sie vor allem bei ihrem Auftritt in „Towards The Sea“, ein wunderschöner Zweiminüter, bei dem das Keyboard eine tolle träumerische Atmosphäre schafft. Direkt danach folgt mit „Song Of The Tide Waves“ noch eine ähnlich aufgebaute Ballade, diesmal allerdings mit männlichem Gesang, ebenfalls ein sehr schönes Stück. Das wohl beste Lied aber hat man sich für den Abschluss aufgehoben. „The Two Oaks“ beginnt ebenfalls als Akustikballade mit männlichem Gesang und herrlicher Melodie, im zweiten Drittel allerdings dominieren traumhafte Klänge der Klarinette, die hier tatsächlich noch das Gefühl auslösen, das Lied unbedingt gleich noch einmal hören zu wollen.

Dieses Gefühl stellt sich auf „A Bards Tale“ aber zu selten ein. Das mag an der nicht besonders tollen Produktion, dem an einigen Stellen nicht überzeugenden und etwas unausgegorenen Gesang oder der insgesamt gesehen etwas zu argen Gleichförmigkeit und stellenweise Langartigkeit der Lieder liegen. Auf der anderen Seite aber sind das Punkte, die das NATTVINDENS GRÅT-Debütwerk absolut liebenswert machen, so dass die Kritikpunkte während des Hörens oft total verdrängt werden und man wirklich Freude an dem Album hat.
Irgendwie einfach ein uriges, schrulliges und putziges Album, das ich mir gerne immer wieder anhören kann und perfekteste Nebenbeihör-Musik für alle möglichen Tätigkeiten ist, da halt fast nichts passiert, es aber trotzdem gefällt.

Bewertung: 6 / 10

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