Review Rammstein – Rosenrot

Obwohl seit dem Erscheinen von „Reise, Reise“ erst ein Jahr verstrichen ist, gibt es bereits 2005 wieder neues Material aus dem Hause RAMMSTEIN. Das Rätsel, wie eine solche Veröffentlichungsfrequenz überhaupt möglich ist, ist schnell gelöst: Das „Rosenrot“ betitelte fünfte Album der Berliner basiert zum Großteil auf Material aus den Aufnahme-Sessions zu „Reise, Reise“. Aber auch sonst wirkt „Rosenrot“ nicht wie ein Album, in das allzu viel Liebesmüh gesteckt wurde.

Neben ganzen sechs Songs, die es nicht auf „Reise, Reise“ geschafft hatten und nun auf „Rosenrot“ zu finden sind, ist auch das Cover des fünften RAMMSTEIN-Albums aus dieser Schaffensperiode entlehnt: Hier wurde schlicht das Artwork der Japan-Edition von „Reise, Reise“ wiederverwendet. Während das Bild eines Eisbrechers zu diesem Album-Titel jedoch vergleichsweise gut passt, wirkt der einzig über den auf den Rumpf gemalten Schiffsnamen geschlagene Bogen zum Albumtitel „Rosenrot“ doch sehr konstruiert – hier hätte man definitiv mehr rausholen können.

Leider gilt das nicht nur für das Layout – auch musikalisch bleiben RAMMSTEIN mit „Rosenrot“ weit hinter dem selbstgesetzten Standard zurück. Hört man sich nämlich das starke Vorgänger-Album als Referenz an, wird schnell klar, warum Stücke wie der Titeltrack oder „Wo bist du“ damals nicht erste Wahl waren. Das Problem daran: Sie sind es auch jetzt nicht. Zwar sind RAMMSTEIN auch auf „Rosenrot“ bemüht, ihre Musik durch neue Elemente wie den Gastbeitrag von Sharleen Spiteri im Duett mit Lindemann („Stirb nicht“), den spanischen Gesang in „Te Quiero Puta!“ oder die Akustik-Nummer „Ein Lied“ aufzupeppen. Von einigen wenigen Hits wie „Mann gegen Mann“ (welches unter dem Arbeitstitel „Schwuhla“ bereits zu Zeiten des „Mutter“-Albums existierte) abgesehen, fehlt es „Rosenrot“ jedoch schlicht an griffigen, vor allem aber überzeugenden Songs.

Dabei steht außer Frage, dass auch in „Rosenrot“ viele interessante Ideen stecken: In „Hilf mir“ wird der Struwwelpeter zitiert, in „Rosenrot“ Goethes „Heidenröslein“ adaptiert und mit dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ verwoben und „Feuer und Wasser“ soll gar durch das Gedicht „Der Taucher“ von Friedrich Schiller inspiriert worden sein. Dennoch findet sich mit „Spring“ nur ein Song auf dem Album, der, was den Text angeht, wirklich beeindruckt. Dass ausgerechnet dieses Meisterwerk im ansonsten eher durchschnittlichen Niveau der anderen „Rosenrot“-Stücke untergeht, ist ausgesprochen schade.

„Verkaufszahlen lügen nicht“ ist im Marketing eine allseits anerkannte Weisheit. Mag dieses Kredo im Bezug auf Musik auch nicht immer ein stichhaltiges Argument sein, trifft es bei „Rosenrot“ voll und ganz zu: Als einzige RAMMSTEIN-CD erlangte das Album in Deutschland nicht den Platin-Status und ist demnach das verkaufsschwächste Werk der Bühnen-Pyromanen aus Berlin. Doch auch nach subjektiveren, idealistischeren Kriterien bewertet hat „Rosenrot“ keine allzu großen Chancen auf Lorbeeren – viel zu deutlich hört man dem Werk an, dass es sich mehr um ein Resteverwertungsprojekt denn um ein wohlstrukturiertes, durchdachtes Album handelt. Songs, die als zu schwach für ein Album befunden wurden, sollte man aber höchstens als das verwenden, was sie sind: B-Seiten-Songs und Single-Bonustracks für Fans und Sammler.

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Wertung: 6.5 / 10

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