Review Schandmaul – Leuchtfeuer

Vorstellen muss man sie eigentlich niemandem mehr, der sich auch nur partiell mit Mittelalter-Rock beschäftigt: SCHANDMAUL sind eine Instanz in diesem Genre und begeistern seit 18 Jahren durch mittelalterliche Klänge mit rockiger Schlagseite und launigen bis emotional-nachdenklichen Texten. Daran hat sich auch mit „Leuchtfeuer“, dem nunmehr neunten Album der spielfreudigen Truppe um Sänger Thomas Lindner, nichts geändert.

Wenigstens nicht auf den ersten Blick: Wie im Mittelalter-Rock nicht unüblich, liefern SCHANDMAUL auch diesmal wieder etwas moderner gewordenes, nicht mehr ganz so traditionell klingendes Songmaterial. Bei genauerem Hinhören offenbart sich jedoch ein wesentlicher Unterschied zu den Vorgängern, der „Leuchtfeuer“ nicht zum Vorteil gereicht: Das Album kann qualitativ nicht mit dem streckenweise eher zeitgemäßen, aber insgesamt guten Vorgänger mithalten. Von den 15 Songs auf „Unendlich“ ließen sich schon damals mindestens die Hälfte auf Anhieb als nicht mehr wegzudenkende Kracher ausmachen. Den Songs auf „Leuchtfeuer“ hingegen mangelt es größtenteils an diesem bestimmten Etwas, das die Musik von SCHANDMAUL bislang ausgemacht hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist ausgerechnet der schon vorab veröffentlichte Titeltrack: ein leicht bekömmliches Stück Musik, und ja, der Refrain geht ins Ohr; und doch ist es kein Song, der hängenbleibt und Lust macht, ihn öfter zu hören. Hervorzuheben ist hier immerhin der zweifelsfrei gut gemeinte und auch gemachte Text: Das war bei SCHANDMAUL leider generell noch nie eine Selbstverständlichkeit und ist es insbesondere auf diesem Album nicht.

Glücklicherweise gibt es auf „Leuchtfeuer“ aber auch großartige Momente: „Orléans“ etwa. Wenngleich die Nummer mit ihrer pompösen Instrumentalisierung und der historischen Kriegsthematik zunächst wie der Versuch anmutet, den genialen Einstieg „Trafalgar“ der vorherigen Platte zu imitieren, startet „Leuchtfeuer“ mit diesem Song durchaus ansprechend und energetisch durch. Auch „Freunde“, „Herr der Wellen“ (das sogar etwas alte SCHANDMAUL-Atmosphäre aufleben lässt) und „Zu zweit allein“, für das man die Symphonic-Metal-Legende Tarja Turunen als Duettpartnerin gewinnen konnte, lassen sich auf der Haben-Seite verbuchen. Diese und sicher noch ein, zwei überzeugende Nummern mehr täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass ein zu großer Teil des Materials relativ nichtssagend am Hörer vorbeizieht.

Auch auf ihrer neunten Platte kann man SCHANDMAUL ihr musikalisches Talent nicht absprechen. Allerdings haben sie damit in der Vergangenheit weitaus bessere Songs gezimmert. Eine Handvoll sehr gelungener Nummern, die man gerne auf Dauerschleife hören möchte, hat das Album zwar. Auf die gesamte Spielzeit betrachtet mangelt es aber an Songs, die in den Bann ziehen und bleibenden Eindruck hinterlassen. Damit ist „Leuchtfeuer“ keine komplette Enttäuschung, aber doch deutlich unter dem Niveau, das man von den bayrischen Spielleuten gewohnt ist: Für ein echtes Leuchtfeuer fehlt diesem Album die Strahlkraft.

Wertung: 6 / 10

Publiziert am von Pascal Weber

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