TRIVIUM scheinen die Dinge schon seit einiger Zeit gerne ohne lange Vorankündigung zu tun, was sich schon an der vergleichsweise kurzen Promophase zu ihrem nach wie vor aktuellen Album „In The Court Of The Dragon“ ablesen ließ. Ebenso abrupt trennte sich die Truppe nach knapp zehn Jahren von ihrem Drummer Alex Bent und auch die von ebenjenem Felldrescher als letzte Amtshandlung eingespielte EP „Struck Dead“ fand vonseiten der Band bis kurz vor Release keinerlei Erwähnung. Die schönsten Überraschungen sind natürlich die angenehmen und TRIVIUM-Fans dürften von diesem Appetithappen überaus angenehm überrascht sein.
Los geht es mit „Bury Me With My Screams“, einer Nummer, die der EP dank ihrer jugendlich-ungestümen Thrash-Riffs nebst Metalcore-Refrain aus dem Bilderbuch einen ganz schön charmanten Einstieg verschafft, erinnert sie doch an die Zeiten des Durchbruch-Albums „Ascendancy“. Davon abgesehen hat man es hier mit einem typischen und überaus gut gelungenen EP-Song zu tun, der alle stilbildenden Elemente des TRIVIUM-Sounds in Vollendung enthält, ohne dabei große Überraschungen bereitzuhalten – als Opener also perfekt.
Mit dem Titeltrack folgt sodann eine weitaus sperrigere Nummer. „Struck Dead (Pain Is Easier To Remember)“ lässt mit seiner kantigen Strophe und dem trotz einiger Eingängigkeit schwerer verdaulichen Refrain an Alben wie „In Waves“ denken und legt damit die Parallelen neueren TRIVIUM-Materials zu MACHINE HEAD offen. Insgesamt ist Track zwei von drei ein beeindruckend durchdachter Song, der – ähnlich wie das Material von seinerzeit „In Waves“ – ab und an ein wenig arg verkopft wirkt.
Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt von „Struck Dead“ ist „Six Walls Surround Me“. Nach dem Sperrfeuer der vorangegangenen Stücke überrascht der Titel zunächst mit einem pathoslastigen Intro, das von perlenden Akustik-Gitarren getragen wird. Diese Ruhe wird jedoch jäh von kernigem Modern Thrash zerrissen, was einen Song bedeutet, der auch auf dem letzten Album von TRIVIUM hätte stehen können. Das Highlight des gut siebenminütigen Tracks ist nach dem Gänsehaut-Refrain der großartige Instrumentalpart mit seinem dem Heavy Metal entliehenen Doppel-Gitarrenlauf.
Im Zeitalter der Streaming-Plattformen ergibt eine vornehmlich digital angebotene EP sicherlich Sinn. Eingefleischte Sammler sollen mit der 12″-Vinylfassung zufriedengestellt werden, aber trotzdem wäre eine CD-Veröffentlichung sicher kein Kostengrab gewesen. Ungeachtet seiner Darreichungsform offenbart „Struck Dead“ einmal mehr das schwindelerregend hohe musikalische Niveau, auf dem sich TRIVIUM bewegen. Angefangen bei seinem recht erwartbaren Opener bietet die EP einen ebenso energiegeladenen wie emotionalen musikalischen Ritt, dessen einziger wirklicher Nachteil der ist, dass er viel zu schnell vorbei ist.
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