CD-Review: Funeral Procession - Funeral Procession

Besetzung

Count Gothmog – Gesang, Bass
Alboîn – Gitarren, Bass, Keyboards, Schlazeug
Satyrus Sancti – Gitarren, Synthesizer, Programmierung
Duke Hellfire – Gitarren (Session)

Tracklist

01.Heavenlie Aeons grimlie torne apart
02.When Moonshine is the only Light
03.Beholde the Stars fall from the Heavens
04.Bloode of the Elder (Building the Anti-Kosmos)
05.Doom
06.The Death Empire on Burial Ground Pt. I
07.The Death Empire on Burial Ground Pt. II
08.Millennium of Revenge / Jerusalem in Ashes

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Viel hatte man im Vorfeld über dieser Herren erstes Album gehört. Ihre Rüstungsschmiede Vàn steht seit jeher für qualitativ hochwertigen Schwarzstahl, besonders die letzten Veröffentlichungen betreffend und so waren die Erwartungen dementsprechend hoch. Nach mehr als zehn Jahren musikalischer Existenz, aus der diverse Demo-Veröffentlichungen und EPs hervorgingen, folgt nun also FUNERAL PROCESSION’s erste Langrille, die schlicht unbetitelt belassen wurde. Nicht nur bei mir hatte im Vorfeld der 7 Zöller „Legion Cymru“ für Entzücken gesorgt und so war ich gespannt, ob die Deutschen das dort gebotene Niveau auch auf volle Länge ausgedehnt halten können.

Nach ungewöhnlich, wie überdurchschnittlich vielen, aufgrund des schleichenden Zuganges zu diesem Werk aber nötigen prä-rezensorischen Rotationen in meiner heimischen Anlage, wage ich nun, die eingangs gestellte Frage zu verneinen. FUNERAL PROCESSION haben ihr Niveau nicht gehalten. Ganz im Gegenteil. Sie haben es in Regionen erhoben, die man auf vorigen Auskopplungen nicht einmal hätte erahnen können. Ich erwähnte Anfangs den schwierigen Zugang zu dem hier Präsentierten. Dies will ich im Folgenden versuchen, ein wenig näher zu erläutern. Als zum ersten Mal der letzte Ton von „Funeral Procession“ verstummte, verblieb ich relativ unberührt und hatte nicht den Eindruck, dass diese Platte mich irgendwie zu bewegen vermochte. Ich rezensiere jedoch keine mir unbekannte Scheibe, ohne ihr nicht wenigstens eine zweite Chance gegeben zu haben. Also gönnte ich uns einen zweiten Durchlauf und nach und nach wurde das Gehörte schon interessanter. Ich begann, einzelne wirklich herausragende Momente zu entdecken und ertappte mich hier und dort, dem einen oder anderen Stück mehr als einmal nacheinander zu lauschen. Somit ließ ich die CD weitere Male durchlaufen und dieser Prozess wiederholte sich in den letzten Tagen wieder und wieder. Je öfter dies geschah und je mehr ich mich eingehend mit dem Dargebotenen beschäftigte, desto mehr schwanden meine anfänglichen Zweifel und desto höher wuchsen mein Interesse und mein Entzücken.
Was FUNERAL PROCESSION hier abgeliefert haben, ist ein Debüt, wie es perfekter kaum sein kann. Acht Hymnen voller Hass, Kälte und ungeschliffener Schönheit bilden das Grundgerüst für ein Werk voller Magie und Atmosphäre. Musikalisch verkleidet sieht das ganze folgendermaßen aus: Sich stets im Black Metal-Bereich bewegend, ist es zu keinem Zeitpunkt möglich, die Musik von FUNERAL PROCESSION einzuordnen, sei es zeitlich, musikalisch oder regional. Mal meine ich, eindeutig skandinavische Einflüsse herauszuhören, dann glaube ich wieder, ich höre ihre Landsmänner Nagelfar. Hier klingen FUNERAL PROCESSION nach gutem alten 90er BM, dort haben sie wieder eine frische moderne Note. Diese permanente, gekonnt bewusst eingesetzte Unstetigkeit und der gebotene Abwechslungsreichtum verleihen der Musik von FUNERAL PROCESSION das Prädikat „zeitlos“. Und die Prozession versteht Ihr Handwerk dabei wahrlich. Frostige, kalte Gitarrenriffs wechseln sich ab mit genialen Melodien, das Schlagwerk donnert, weiß aber auch an den richtigen Stellen Akzente zu setzen und das Organ von Count Gothmog krächzt fern von allem Weltlichen, nie zu sehr im Vordergrund, niemals zu weit im Hintergrund. Dieses machtvolle Monument stützt eine Produktion, die einfach nur als perfekt zu bezeichnen ist. Die Gitarren sägen klirrend kühl, das Trommelwerk tönt mächtig und druckvoll und der Gesang schneidet sich frostig durch das Klanggewitter.
Sollte ich Höhepunkte dieses Werkes nennen, wären es wohl „When Moonshine is the only Light“, das mit einer subtilen Leitmelodie und einer ergreifenden Atmosphäre aufwarten kann, „Bloode of the Elder (Bulding the Anti-Kosmos)”, welches die machtvoll stampfenden Schlagzeugeinlagen dominieren, die jedes Mal wie ein Kanonenschlag klingen und das Schlusslicht „Milennium of Revenge / Jerusalem in Ashes“, das mit einer Spielzeit von fast Elf Minuten die höchste Abwechslung bietet und zudem eine der großartigsten Melodien beinhaltet, die ich je gehört habe.

Braucht es nun noch ein Fazit? Eigentlich wurde alles gesagt. FUNERAL PROCESSION ist ein Debüt-Album gelungen, wie es, meines Wissens nach nur wenige Kapellen vollbracht haben. Was Erstlingswerke anbelangt, würde ich glatt wagen, einen Vergleich zum großartigen „En Oria“ zu ziehen. „Funeral Procession“ braucht seine Zeit, seine Pforten zu öffnen, hat man jedoch erst einmal Zugang gefunden, beginnt es, sich zu entfalten und erschließt sich mit jedem weiteren Hördurchgang ein Stück mehr. Das dies kein Album zum „nebenher hören“ ist, brauche ich wohl kaum zu erwähnen.Als besonders edel hervorheben möchte ich zuletzt die Gestaltung des Beiheftes. Ebenso fernab gängiger Stereotypen wählte man nicht die gewohnte Schwarz-weiß-Gestaltung sondern entschied sich für ein schlichtes, aber symbolisch glänzendes Grau-Silber, auf dessen Frontcover ein Signum, ähnlich wie das Emperor-„E„ prangt.
Schlicht – schön – einzigartig. Wie Ihre Musik.
(Hendrik Brinkmann)

Bewertung: 9 / 10

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