Interview mit Hauptmann Feuerschwanz und Sir Richard Hodenherz von Feuerschwanz

Sie sind die JBO der Mittelalterszene – Feuerschwanz. Neben dem Hauptmann selbst gab sich noch Sir Richard Hodenherz, der Schwermetall-Minneflöter, nach der erfolgreichen Tour im Schlepptau von Fiddler’s Green ein Stelldichein mit Metal1.info, um einmal fernab von der Bühnencomedy über Feuerschwanz, eindeutige Zweideutigkeiten und allerlei andere Themen zu plaudern.

Als Support von Fiddler’s Green seid Ihr in letzter Zeit öfters live in ganz Deutschland zu sehen gewesen. Wie waren Eure Erfahrungen bundesweit und das Feedback der Fans?
Hodenherz: Durch die Bank positiv. Natürlich gibt es auch Hallen, in denen es nicht ganz so gut klappt wie in München, aber das ist schon die Ausnahme. Ich denke, dass die meisten Leute einfach vom Konzept und dem, was ihnen geboten wird, überrascht werden.
Hauptmann: Wir versuchen natürlich stets eine möglichst energetische Show hinzulegen, damit da auch was aufs Publikum überschwappen kann

Gibt es Gebiete, in denen Feuerschwanz besser ankommt als in anderen?
Hodenherz: Das ist schwer zu sagen. Wir wissen, dass wir in Oberbayern sehr gut ankommen. Ein anderes Highlight ist Sachsen, wo wir auch viel Erfolg haben. Aber das sind halt Regionen, die besonders herausstechen. Das wir irgendwo gar nicht ankommen, ist uns noch nicht passiert…Gott sei Dank.

Live scheint sich Eure Banderfahrung bezahlt zu machen. Während viele Newcomerbands bei ihren ersten Auftritten Probleme haben, das Publikum zu begeistern und Interaktion zu betreiben, besitzt Ihr gewisse Routine. Habt Ihr anderen in diesem Bereich etwas voraus? Wenn ja, was?
Hauptmann: Es ist immer gut auf Erfahrungen zurückzugreifen und heute profitieren wir da auch wieder von. Aber anfangs war Feuerschwanz für uns alle erstmal was Neues. Für den Hauptmann war es der Wechsel vom Bass an die Front und für Eisi die Rückkehr von hinter den Kulissen auf die Bühne.
Hodenherz: Nun nach über 200 Shows (auf Märkten machen wir zum Teil drei am Tag) kommt natürlich die Routine der einzelnen Mitglieder wieder durch.
Hauptmann: Aber neben den alten Hasen sind bei Feuerschwanz ja auch ganz junge Talente, wie Johann, Knappe Soerenfried oder die holden Maiden, die nicht auf ihre Erfahrung zurückgreifen konnten und diese mit Feuerschwanz erst gesammelt haben…

Inwiefern ist Eure Erfahrung bei anderen Bands wie Fiddler’s Green und Merlons Lichter beim Projekt „Feuerschwanz“ nützlich und inwiefern sogar hinderlich, wenn man musikalisch eventuell zu festgefahren ist?
Hodenherz: Ich denke, dass das Konzept von Feuerschwanz genau das verhindert. Man kann da gar nicht festgefahren sein, weil man ja fast eine andere Person ist. Steffi (Johann v.d. Vögelweide) ist auf der Bühne sogar ein Mann. Man lässt schon vieles hinter sich, wenn man in die Rüstung steigt um auf die Bühne zu gehen. Und diese Trennung verhindert ganz gut, dass man festgefahren ist.

Was habt Ihr aus der Veröffentlichung Eurer ersten CD „Prima Nocte“ gelernt? Welches sind Eure persönlichen Lieblingsstücke? Und wo seht Ihr Chancen und Möglichkeiten für einen potentiellen Nachfolger?
Hodenherz: Natürlich haben wir viel gelernt. Vom Einspielen bis hin zur Covergestaltung haben wir jetzt Erfahrungen, die natürlich in die nächste CD einfließen und diese ein Stückchen besser werden lassen als Prima Nocte. Persönliche Lieblingstücke gibt es natürlich. Meines sind „Räuber“ und „Herren der Winde“.
Hauptmann: Was den Nachfolger angeht, so sind wir bereits in den Vorbereitungen. Im Mai und Juni werden die Songs arrangiert und die letzten neuen Stücke geschrieben. Ab Juli wollen wir mit dem Einspielen beginnen. Veröffentlicht wird die CD voraussichtlich im März 2007.
Hodenherz: Ab Ende September gibt es eine neue Mini-CD, die unsere Demo-CD ablöst. Wir hatten die ja bisher immer dabei, aber inzwischen ist Das Demo ausverkauft. Aber die Feuerschwanz-CD für den kleinen Geldbeutel kommt natürlich zurück…

Auf „Prima Nocte“ habt ihr den Schandmaultitel „Herren der Winde“ gecovert und abgewandelt. Wie kam es dazu? Habt Ihr von den Schandmäulern Feedback zu Eurer Version bekommen? Sind für die Zukunft weitere „musikalische Anleihen“ dieser Art geplant?
Hodenherz: Der Hauptmann ersann einst dieses schöne Liedlein. Auf einem Konzert traf er dann auf die Schandmäuler und hat den Song Thomas präsentiert. Der gab damals schon sein Ok.
Als wir den Titel fertig eingespielt und Produziert hatten, haben wir ihn nochmals an Schandmaul geschickt und dann das offizielle „Go“ bekommen. Sehr gefreut haben wir uns als ein aufgebrachter Fan im Schandmaulforum der Band von dem Cover berichtete und Schandmaul sich da hinter den Song stellte. Bei den Fans von Schandmaul hat der Titel natürlich etliche Diskussionen losgetreten…
Hauptmann: Wir wollen Schandmaul eigentlich auf jeder CD durch eine Parodie huldigen. Das ist fast wie bei JBO und Manowar. Schandmaul sind und bleiben für uns absolute „wahre Helden“ im Bereich Mittelalter/Folkrock. Und wie heißt es so schön, Parodie ist die größte Form der Bewunderung

Der „Bärentanz“ auf Eurer CD ist das einzige klassische mittelalterliche Stück. Wie kam es dazu, dass Ihr ausgerechnet dieses Lied so belassen und neu vertont habt?
Hodenherz: Da bin ich wohl der Schuldige. Der Bärentanz ist ein Stück welches von sich aus schon sehr energetisch ist und noch nicht von vielen Bands entdeckt wurde. Ich wollte den schon immer gerne anders spielen als mit 3 Dudelsäcken und zwei Trommeln und daher war das die Chance da was draus zu machen.

Wo seht Ihr die Vorteile Eurer Comedy und wo die Nachteile? Wo öffnet sie Euch Möglichkeiten und wo verschließt sie Euch welche?
b) Wurdet Ihr auf Grund Eures Comedyfaktors schon einmal von Veranstaltern abgelehnt, weil Ihr ihnen z.B. zu albern ward?
Hodenherz: Es gibt viele denen Feuerschwanz zu albern ist. Gerade Leuten, die hinter den Kulissen großer Mittelalterbands arbeiten. Es gibt auch Veranstalter, denen der Name schon so peinlich ist, dass sie uns gar nicht erst für ihr Festival buchen, weil ihnen „Feuerschwanz“ nicht aufs Plakat kommt. Das Problem bei Comedy ist, dass Lachen etwas sehr Persönliches ist und nicht jeder dieselben Jokes gut findet. Aber wir spielen einfach dagegen an.
Hauptmann: Wenn das Publikum Feuerschwanz will, dann kenn ich kaum einen Veranstalter, der uns dann nicht holen würde, egal ob ihm das Konzept taugt oder nicht…

Glaubt Ihr, dass Ihr anderen „ernsten“ mittelalterlichen Bands wie z.B. Corvus Corax schadet, wenn die Zuschauer bei Euren Konzerten ein anderes Bild von mittelalterlicher Musik vermittelt bekommen als sie vielleicht erwarten?
Hodenherz: Ich denke ganz im Gegenteil. Dadurch dass Feuerschwanz „anders“ ist als die klassischen Stars des Mittelalters, ermöglichen wir vielen erst den Zugang zu authentischerer Mittelaltermusik.

Wer dachte sich die Namen „Sir Richard Hodenherz“, „Feuerschwanz“, „Walther von der Vögelweide“, etc. aus? Wie entstand das Konzept hinter Feuerschwanz (d.h. die Zweideutigkeit der Namen, die sehr eindeutigen Texte, etc.) allgemein?
Hodenherz: Das Konzept hinter Feuerschwanz entstand in Peters Kopf, als er noch als Basser der Merlons durch die Lande tingelte. Als er dann begonnen hat die Band zusammenzustellen entstanden die Namen.
Hauptmann: Mit den ersten Auftritten merkten wir dann was nicht oder nur schwer umsetzbar war und haben das Konzept dann noch angepasst und in Teilen verändert. Da wird auch in Zukunft Bewegung drin bleiben und sich immer wieder mal was verändern.
Hodenherz: Was die Texte und Songs fürs neue Album angeht, da teilt es sich sehr fair auf zwischen eindeutigen, eindeutig-zweideutigen und zweideutigen Texten.

Könntet Ihr Euch Feuerschwanz auch ohne die Comedy vorstellen?
Hauptmann: Eigentlich nicht. Ohne die Narrenfreiheit, die wir genießen, wäre es echt schwer sich noch von anderen Bands zu unterscheiden.

Wen oder was findet ihr abseits von Feuerschwanz witzig?
Hauptmann: Der Humor der Band ist bestimmt so breit gefächert, wie der Musikgeschmack, aber JBO, Mario Barth und Wernercomics sind sicher bei einigen dabei…

Traditionelle Mittelalterbands können sich musikalisch an historischen Werken und Interpretationen anderer Musiker bedienen. Woher nehmt Ihr die Inspirationen für Eure Lieder und Texte?
Hodenherz: Wir bedienen uns eigentlich von überall her. Das hängt auch damit zusammen, dass die Band privat sehr unterschiedliche Musik hört. Z.B. der Knappe steht vor allem auf Metal der verschiedensten Stillrichtungen, der Hauptmann hört auch in seinem richtigen Wohnzimmer gerne mal die ein oder andere Scheibe von Schandmaul und Konsorten und meine Wenigkeit ist vor allem in den Bereichen Ska, Punk und Irishfolk zuhause.
Hauptmann: Diese Einflüsse kommen dann zum tragen, wenn neue Songs entstehen. Für die nächste CD haben wir auch einige Songs geplant, wo diese Einflüsse noch deutlicher zum Vorschein treten werden.

Nimmt sich die Mittelalterszene zu ernst?
Hodenherz: Ja – eindeutig ja! Das geht bei den Darstellern in mittelalterlichen Gruppen los und endet bei den Musikern. Darin liegt ja die Existenzberechtigung von Feuerschwanz. Der Rock und Heavybereich hat JBO. Für das Mittelalter gibt es jetzt Feuerschwanz…

Nennt zum Schluss doch bitte mindestens einen guten Grund, sich die Feuerschwanz-CD zu kaufen oder ein Konzert von Euch zu besuchen :-)
Hodenherz: Bei der CD tut ihr ein gutes Werk und unterstützt das Projekt „Burgsanierung Feuerschwanz“. Mit den Erlösen aus dem CD-Verkauf will der Hauptmann neue Fensterdichtungen anschaffen.
Und wenn ihr uns sehr oft live besucht, gibt’s irgendwann auch wieder Glas in die Fenster.
Hauptmann: Aber im Ernst. Ein Grund sich die CD zu holen ist, dass 15 Songs drauf sind. Da ist sicher für jeden was dabei. Live bedeutet ein Feuerschwanzkonzert vor allem Spaß zu haben und das ist doch auch Grund genug.


Geschrieben am 11. April 2006 von Sigi Maier


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