Interview mit The Privateer

Piraten sind nicht nur im Kino und in deutschen Landesparlamenten im Kommen. Auch musikalisch geht es mit diesem Thema weiter bergauf. THE PRIVATEER aus Freiburg sind eine junge deutsche Kombo, die ein tolles Debüt hinlegten und uns ein paar Fragen zu „Facing The Tempest“, Festivals und Konkurrenzfreibeuter beantworteten.

Moin Mädels & Jungs, Glückwunsch zu einem fabelhaften Debütalbum! Wie ist das Befinden, nun, wo „Facing The Tempest“ einige Wochen raus ist?
Dank den vielen positiven Feedbacks ziemlich gut.

Das bringt mich gleich zur nächsten Frage: Wie ist das Pressefeedback, wie sind die Reaktionen in eurem Umfeld?
Vom guten Mittelfeld bis zur „1 minus“ war bei den Reviews alles dabei. Bei unseren Freunden, Bekannten und Fans kam das Album auch ziemlich gut an. Wir waren uns vor der Veröffentlichung sehr unsicher, wie die Hörer die Musik annehmen und sind deshalb schon sehr froh.

Habt ihr tatsächlich keinen Verriss abbekommen? Ich gucke ja nicht immer, was die Konkurrenz schreibt…
Die schlechteste Bewertung waren 6/10 bei Metal.de, aber die nutzen die Skala ja eher selten ganz.

Respekt, das klingt ja wirklich gut. Wie laufen denn mit dieser hervorragenden Basis die Verhandlungen mit den Plattenfirmen?
Da es noch nicht ganz offiziell ist, sagen wir’s mal so: Wir haben schon ein „Eisen im Feuer“!Wenn wir was Neues wissen, schicken wir sofort eine Flaschenpost raus.
Unsere Leser werden’s also zeitig erfahren. Kommen wir zu eurem Hintergrund: Der Breisgau ist nicht gerade ein klassisches Fahrwasser für Seeräuber (die ja eh selten „Baden“ gingen, hahahah). Wie kamt ihr auf die Piratenthematik? Erzählt ein bisschen über eure junge Geschichte.
Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren… haben Roman und Chris die Band ins Leben gerufen. Für die ersten zwei Songs „Blackbeard“ und „The Privateer“ war das Thema Piraten als loses Konzept gedacht. Da aber davon auch die anderen Musiker sehr angetan waren, es verdammt viel Spaß macht Pirat zu spielen und das Thema sehr ansprechend umzusetzen ist, wurde das Thema für ein ganzes Album mitgenommen.

Bei meinen Eltern stand tatsächlich noch ein paar Nokia-Gummistiefel im Keller, es riecht nach Anachronismus!Die gesamte Produktion der „Facing The Tempest“ muss enorm Geld verschlungen haben, so aufwendig wie die ganze Platte gestaltet ist. Wie viel habt ihr da ungefähr reingesteckt und wie macht man das ohne ein Label im Hintergrund?
Im Vorfeld, um eine Sache klarzustellen: Mami und Papi haben keinen müden Goldtaler springen lassen. Das Teuerste waren die Aufnahmen. Darum haben wir versucht die restlichen Kosten möglichst gering zu halten.Die gesamte CD ist bis auf das gezeichnete Cover selbst grafisch gestaltet. Die Einzelteile haben wir bei verschiedenen Anbietern bestellt und selbst zusammengebastelt.Für die Bilder im Booklet sind wir extra in eine urige Piratenkneipe gefahren. Damit konnten wir die Gesamtkosten im mittleren vierstelligen Bereich halten.

Es gibt Piratenkneipen im Breisgau, hört hört!Ich würde behaupten, dass eure Grundstimmung wesentlich melancholischer ist, als man generell mit Piratenromantik verbindet. Was hat euch zu dieser Spielweise gebracht?
Die Kneipe können wir auch echt empfehlen: Das Deutelmoser in Müllheim. Die haben selbstgemacht Honigrum, den muss man unbedingt probieren!Die Einflüsse beim Songwriting kommen eher aus dem klassischen Heavy Metal-Bereich wie z.B. Iron Maiden oder Grave Digger und modernerem Viking/Deathmetal à la Amon Amarth. Daher ist die Grundstimmung eher tragend melancholisch. Außerdem fühlen wir uns in dem Bereich wohler, als im feucht-fröhlichen-Humppa-Metal im Stile von Alestorm und Konsorten.

Wo wir gerade bei feucht-fröhlich sind: Es gibt einen Hidden Track, der „Port Corrad“ akustisch sagen wir mal „parodiert“. Ist jene Abneigung der Grund, warum ihr auf eine RICHTIGE „Jo-Ho-Ho“-Spelunkennummer verzichtet? Ich bin sicher, dass viele so etwas erwartet hätten…
Der ist eigentlich eher zufällig entstanden, da unser Toningenieur ausversehen irgendwelche Spuren beim Editieren „gemuted“ hat und nur die Akkustikgitarren und der Gesang zu hören waren. Das fanden wir so gut, dass wir das als Hidden Track verwendet haben.Eine direkte Abneigung gegen Spelunkennummern haben wir ja nicht (siehe Port Corrad). Dort ist sogar eine richtige Kneipen/Spelunken-Schlägerei drin, die wir übrigens selbst „eingeschlagen“ haben.

Klasse! Muss ich mir glatt nochmal unter dem Gesichtspunkt anhören. Bei dem Song greift ihr auf die Unterstützung des Finsterforst-Akkordeonspielers Johannes zurück. Gibt es Pläne, dieses eigentlich so obligatorische Seemannsinstrument fest in den Sound einzubinden?
Öhh Nö! Wir haben so ja schon viel zu wenig Platz auf der Bühne.

Das ist ein Statement! Kommen wir zu den Inhalten: An namentlich bekannten Piraten greift ihr auf dem Debüt den Seeräuber Edward „Blackbeard“ Teach auf. Was macht gerade diese Figur so faszinierend?
Zitat vom Songwriter [Roman Willaredt, Anm. d. Red.]: Der war einfach ’ne coole Sau!Er war eine reale Person und ist eine Legende. Laut den Überlieferungen war er in seinem Auftreten eine finstere und beeindruckende Persönlichkeit. Eigentlich perfekter Stoff für Seemannsgarn.

Da kann man noch was lernen, karibische Piraterie ist mir in meinem Geschichtsstudium leider nie begegnet. Habt ihr klare Vorstellungen, welche Themen oder Personen auf künftigen Veröffentlichungen behandelt werden sollen?
Wir wollen in Zukunft ein bisschen vom Piratenthema weg. Es bleibt auf jeden Fall in unserem Liedgut bestehen, aber in Zukunft wollen wir nicht komplett drauf fixiert sein. Wir wollen uns auch in die Richtung nautische Themen im allgemeinen Bewegen und ein bisschen seefahrermythisch unterwegs sein, im Stil von „Descent To Hades“.Fazit: Wir bleiben dem Meere treu, werden aber unseren Horizont ein bisschen erweitern.

Seid ihr denn der Meinung, dass sich „Pirate Metal“ als eigenständige Metalgattung etablieren kann? Bislang ist das eher eine Randerscheinung des Pagan/Folk Metal-Booms, auch wenn Bands wie Alestorm oder Swashbuckle mit ganz unterschiedlichen Vorstößen die Popularität steigern.
Man wird Pirate Metal wahrscheinlich nie musikalisch so genau definieren können, wie z.B. Black Metal, weil jede Band andere Vorstellungen hat, wie das junge Genre klingen soll.Wir sind auch nicht so sehr auf den Genre-Namen fixiert, der sich bei uns sowieso eher auf die Texte bezieht. Eine Tendenz, wie Pirate Metal klingen soll, wird es eh erst geben, wenn noch viel mehr Bands unter diesem Genre gegründet werden. Ob sich das Genre etablieren wird, wird dann wohl erst die Zukunft zeigen.

Okay, es stört euch aber offenbar nicht, mit gegebenen Klischees zu spielen.Vor kurzem war die Metal-Kreuzfahrt „70000 Tons Of Metal“ wieder auf See. Ist das für eine maritim ausgerichtete Band, wie ihr es seid, der ultimative Traum? Oder wo würdet ihr gern mal spielen?
Auf jeden Fall! Solang der Kapitän nicht vorzeitig in ein Rettungsboot fälltSpielen würden wir gerne auf allen großen Festivals, allen voran das „Summerbreeze“. Dazu steht noch die Wette um das Band-Gemeinschaftstattoo. Wir haben dereinst, eines späten Abends, geschworen uns das Bandlogo auf den Mast stechen zu lassen, sollten wir dort spielen… Wie das bei unserer Geigerin funktionieren soll, das wissen wir selbst noch nicht…

Auf den… Mast… soso. Gut! Kommen wir zum letzten Punkt, dem üblichen Metal1.brainstorming. Hier bitte ich um eine spontane, allenfalls kurz begründete Entscheidung zwischen folgenden Stichworten:

Aussetzung vs. Kielholen lassenKielholen lassen, da man den Seemann im Bedarfsfall dann immernoch weiterquälen kann.
Rum vs. Bier*aufgebrachte Diskussion*
Ich werte das als kollektives Unentschieden?
Das ist, als ob man sich zwischen Sex und Metal entscheiden müsste!
Also am besten zusammen!
Genau!
Nächstes:Rolf Kasparek vs. Christopher BowesGanz klar, Rolf!
FC St. Pauli vs. SC FreiburgSC Freiburg, wir haben nur einen Fußballfan unter uns.
Regen vs. SonnenscheinSonnenschein, da kann man besser „Rum“ saufen.
Wikipedia vs. Gedrucktes BuchWikipedia: III, Gedrucktes Buch: II. Gedrucktes Wikipedia: IIIII
Das klingt ja wahrhaft „piratisch“. Gut, das war’s. Wenn es noch letzte Worte gibt, die ihr auf die Metal1.leser loslassen wollt, ist jetzt der richtige Moment. Ich sage schon einmal Danke fürs Interview und freue mich auf Fotos von tätowierten… Mästen. Alles Gute euch!
Wir grüßen alle „Max Graf“s dieser Welt, glück auf, hail the ale und danke für deine Zeit und das Interview. Die Fotos von den Tattoo lassen wir dir im DIN A0 Format zukommen.
An jeden der das liest: Wir müssen unbedingt auf dem Summerbreeze spielen, gebt euch Mühe!