Interview mit Lokhi von Wolfchant

WOLFCHANT veranstalten am 10. Juni zum ersten mal das Pagan Nights Festival Keltendorf Gabreta für alle Viking und Folk Metal-Freunde. Sänger Lokhi spricht mit und über das Open Air, die Zukunft der Band und andere Themen.

Hey Lokhi! Danke für dieses kleine (aber hoffentlich feine ;) ) Interview mit Metal1.info! Wie geht’s dir?
Vielen Dank es geht mir ganz gut und ich hoffe bei dir ist auch alles OK !! Momentan haben wir wie du dir sicherlich denken kannst ziemlichen Stress wegen dem Pagan Nights Festival. Des weiteren haben wir einen ziemlich vollen Terminkalender was die Live Präsenz von Wolfchant anbelangt und wir arbeiten am neuen Album. Ich habe im übrigen zur Beantwortung der Fragen hier noch unseren Drummer Norgahd hinzugezogen.

Kommen wir erstmal zum musikalischen Teil des Interviews und widmen wir uns WOLFCHANT. “Bloody Tales Of Disgraced Land” ist ja jetzt schon eine ganze Weile draußen. Was denkst du mittlerweile, jetzt da das ganze vielleicht etwas übersichtlicher wird, wie kam das Album insgesamt an?

Wir sind momentan mehr als zufrieden und sehr glücklich über die vielen positiven Resonanzen die wir für “Bloody Tales…” erhalten haben. Es gibt natürlich immer jemanden der etwas auszusetzen hat und so gab es natürlich auch einige negative Reviews oder Verrisse aber zu 95% haben wir gut bis sehr gut abgeschnitten.

Nicht zu leugnen auf dem Album sind zahlreiche Einflüsse diverser Bands, auch wenn ihr euren eigenen Stil immer schön beibehaltet. ;) Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass ihr euch viel von alten Ensiferum beeinflussen habt lassen. Liege ich da richtig? Was sind eure musikalischen Haupteinflüsse?
Nein da liegst du eigentlich falsch :)) Mit Ensiferum wurden wir zwar auch manchmal verglichen, das dürfte aber wahrscheinlich an “The Betrayal” liegen dessen Keyboard Intro gewisse Parallelen zu einem Ensiferum Song aufweist. Es gibt eigentlich keinen wirklichen Einfluss da wir alle doch auch sehr viele Unterschiedliche Bands hören. Hier mal eine kurze Auflistung: Windir, Mithotyn, Einherjer, Helrunar, Turisas, Vreid, Ensiferum, Dubliners, Finntroll, Bathory, Heidevolk, Cruachan, Naglfar, Dissection, XIV Dark Centuries, Thyrfing, Moonsorrow, Immortal, Iced Earth, Manowar, Blind Guardian usw.

Stefan bezeichnet euch in seinem Review als “skandinavische Band aus Bayern”. Könnte da in Bezug auf obige Frage etwas dran sein?

Ein Großteil der bekannten Bands aus unserem Genre kommen eben aus Skandinavien, darum kann man dass schon so stehen lassen. Es ist klar wenn man einen ähnlichen Sound macht dass dann eben diese Bands zum Vergleich herangezogen werden. Außerdem ist es ja eine Ehre mit so einer großartigen Band wie Ensiferum verglichen zu werden!

Steht ihr in irgendeiner besonderen Beziehung zum heidnischen Glauben? Viele (oft selbsternannten) Pagan Metal Bands behaupten dies ja von sich, schreiben aber oft nur oberflächliche Texte. Was meint ihr dazu?
Ich denke es ist nicht immer notwendig die heidnische Einstellung in den Texten wieder zu geben. Es gibt ja viele andere Dinge über die sich schöne Lyrics verfassen lassen und die es auch Wert sind erwähnt zu werden. Jemand der einen “oberflächlichen” Text schreibt muss ja auch nicht gleichzeitig ein oberflächlicher Heide sein. Jeder bring das was er sagen will oder was er fühlt eben anders zu Papier. Da gilt es immer das Ganze zu betrachten um urteilen zu können. Die “Bloody Tales….” handeln von einem Volk das wegen seines heidnischen Glaubens zum Kampf gezwungen wird. Wir wollten hierbei speziell eine Geschichte erzählen die auf keine bestimmte heidnische Thematik zurückgreift. Der Kampf des Heidentums gegen die Kirche sollte musikalisch dargestellt werden. Das nächste Album geht in eine andere Richtung und wir werden einzelne unterschiedliche heidnische Themen aufgreifen, die aber als Ganzes gesehen wieder im Zusammenhang stehen werden.

Damit wären wir auch wieder beim alten, leidigen Thema Rechtsextremismus. Oft wird die Pagan/Viking/Black Metal Szene in den rechten Sumpf gestellt, nicht zuletzt weil sich Journalisten gerne nur Bands aus dem NSBM Sektor rauspicken und in den öffentlichen Medien gleich jegliche andere Szene damit in Verbindung bringen. Auch NOCTE OBDUCTA, die – wenn überhaupt – eher in eher linken Kreisen rumgeistern, mussten sich schon Vorwürfe seitens der Antifa anhören. Glaubst du das wird in Ewigkeit ein Problem darstellen? Distanziert ihr euch konkret gegen irgendeine politische Gesinnung?
Ja wir distanzieren uns von jeder radikalen Einstellung ! Wolfchant ist eine unpolitische Band! Ich denke dass die Szene zum Großteil nichts mit rechtsradikalem Gedankengut am Hut hat und die Leute sich hauptsächlich für die Musik und das Heidentum oder eben die Wikinger usw. interessieren.
Leider gibt es ein paar Spinner die denken Heidentum mit Nationalsozialismus sind ein und das Selbe und rücken mit ihrem Verhalten die ganze Szene in ein schlechtes Licht. Richtig schlimm wird es dann wenn solche Leute eben Bands gründen und das alles dann Pagan Metal nennen. Im Gegenzug dazu gibt es bestimmte Organisationen die einfach ohne ordentliche Recherche alles über einen Kamm scheren und jeden der einen Thorshammer trägt zur Sicherheit einfach mal Nazi nennen. Auch dieses Verhalten kann man sich nicht mehr länger gefallen lassen da ansonsten bald eine Art Hexenjagd beginnen wird. Gegen solche Personen wissen wir uns allerdings zur Wehr zu setzten und darum bekommt jeder der falsche Behauptungen über Wolfchant in der Umlauf bringt einen Brief von unseren Rechtsanwälten!

Wann soll es denn etwas neues von euch zu hören geben? Ist schon ein neuer Studioaufenthalt geplant?
Wir wollen Anfang 2007 unsere neue CD die “A Pagan Storm” heißen wird veröffentlichen. Die Vorproduktion zum Album ist bald abgeschlossen und wir wollen Ende des Jahres ins CCP Studio um die Songs aufzunehmen. Auf dem Album wird man wahrscheinlich 13 oder 14 Lieder mit einer Spielzeit von über 60 Min. zu hören bekommen. Wir haben bei den neuen Songs versucht den Folkanteil leicht zu erhöhen und vermehrt auf Instrumente wie Flöten, Akkordeon und Maultrommeln zurückzugreifen. Das Keyboard haben wir bis auf einen Song weggelassen. Die Lieder auf der “Pagan Storm” sind schneller und düsterer ausgefallen ohne jedoch unsere Handschrift zu verlieren. Wie auch bei der “Bloody Tales..” haben wir besonders auf die Eingängigkeit der Refrains und der Melodien geachtet ohne aber dabei den Vorgänger zu “kopieren”.

Nun lass uns mal zum PAGAN NIGHTS FESTIVAL übergehen, das ihr dieses Jahr zum ersten mal veranstaltet. Fass doch mal für die unwissenden Leser kurz zusammen, worum es sich dabei handelt.
Es ist ein Open Air für alle Freunde des Pagan & Folk Metal. Wir haben besonderen Wert auf die Authentizität des Veranstaltungsortes gelegt, aus diesem Grund haben wir auch das Keltendorf Gabreta ausgewählt. Der Festivalbereich ist ein direkter Teil des Dorfes der nur mit einem Holzzaun getrennt wurde. Auch die Bühne ist komplett aus massiven Holzstämmen gefertigt. Das ganze Gelände haben wir ausschließlich mit Fackeln und Lagerfeuerstellen beleuchtet. Natürlich müssen auch die Speisen und Getränke zur Veranstaltung passen, auch dafür haben wir gesorgt. Die Beleuchtungsanlage der Bühne wird nur eine kleinere sein. Wir wollen nicht mit Effekten von der Musik und der Umgebung ablenken. Wer zum Pagan Nights kommt darf also keine Laser oder Pyroshow erwarten. Als Ersatz hierfür kann man mit Aurela und ihren Gefährten eine tolle Feuershow erleben. Gabreta ist im übrigen von Wiesen uns Wäldern umgeben, nur ab und zu stehen vereinzelt Häuser und manchmal fährt ein Auto auf der Straße. Man ist also Mitten im grünen Herz von Niederbayern und kann die Ruhe der Natur genießen. Infos zum Festival gibt es unter www.pagannights.de.

Dafür, dass ihr auch noch nicht so lange einen größeren Namen habt, habt ihr euch damit ja schon einiges zugemutet! Wie kam es denn zu der Idee?
Mit Gabreta und diversen Leuten aus der Kelten/Heidenszene sind wir ja schon lange befreundet bzw. in Verbindung. Es war schon immer ein Wunschgedanke dort eine größere Veranstaltung abzuhalten weil der Platz einfach perfekt ist. In der Keltenstube (das ist das Wirtshaus in Gabreta) haben wir ja auch schon gespielt. So dauerte es nicht lange bis die Idee zum Festival entstanden ist. Wer die Hintergründe ganz genau wissen will kann das unter www.pagannights.de im Bereich Info finden.

Zum ersten Mal findet das Open Air nun statt. Soll es auch bei diesem einen Mal bleiben oder werdet ihr es bei guter Resonanz nächstes Jahr, vielleicht dann auch übernächstes Jahr wieder veranstalten?
Wir werden das Festival auf jeden Fall nächstes Jahr wieder veranstalten und dann wenn möglich auch zwei Tage. Wir mussten so vielen guten Bands absagen weil es zeitlich einfach nicht mehr ging dass uns allen fast das Herz blutete. Außerdem sind wir momentan das einzige Festival in unserer Gegend da es ja das Walpurgis Metal und das Metal gegen Krebs Festival leider nicht mehr gibt. Wir wollen verhindern dass der Metal in unserer Gegend ausstirbt und hoffen darum auf zahlreich Unterstützung! Im August veranstalten wir noch das Gabreta Metal Open Air mit Systema Encepahlia, Dehydrated und Exotoxin. Sinn dieser Veranstaltung ist es dem Publikum die Vielfalt der Metal Stile aufzuzeigen.

Steht ihr mit den Bands in einer gewissen Beziehung? Wie kamt ihr mit den einzelnen Gruppen in Kontakt?
Ja, mit einigen der Bands verbindet uns eine Freundschaft oder ein freundschaftliches Verhältnis. Lost Legacy sind Kumpels von uns die nicht weit entfernt wohnen. Auch mit Waylander sind wir befreundet und haben erst beim Ragnarök mit Gazz dem Gitarristen ordentlich etwas weggekippt. Das haben wir auch mit Matze von Thrudvangar (danke noch mal für den leckeren Metschnaps) und Christian deren Gitarristen, der beim Pagan Nights seinen 30.Geburtstag feiern wird gemacht. Der Kontakt zu den Bands kam ganz unterschiedlich zu Stande. Ein paar haben sich beworben, andere haben wir angeschrieben. Hier sollte man noch anfügen dass wir mit den Bands neben dem musikalischen auch äußerst nette und zuverlässige Musiker ins Boot geholt haben.

Wen würdest du gerne beim nächsten Mal auf der Bühne sehen? Gibt es da einige, bisher noch unerfüllte Träume?
Da gibt es so viele gute Bands dass ich gar nicht wüsste mit wem ich anfangen soll und vor allem wo wieder aufhören. Thyrfing wäre da sicher eine davon um eine “große” Band zu nennen. In welchen Dimensionen das Festival nächstes Jahr stattfinden wird ist jedoch noch unklar und somit auch welche Bands wir verpflichten werden.

Könnte man sich als kleinere Band aus dem Underground im Fall einer Wiederholung für das Festival bewerben? Wenn ja, welche Bedingungen müssten erfüllt sein?
Generell kann sich jede unpolitische Band aus dem Pagan/Folk/Black Metal Bereich bewerben. Optimal wäre natürlich ein Demo oder ein Promo um einen Eindruck von der Musik zu bekommen und die Band besser einschätzen zu können. Ansonsten gibt es keine vorgeschriebenen Kriterien.

Okay, nun noch zum “Off-Topic” Teil des Interviews. Schon im ZYKLON Interview mit Samoth erwähnte ich, dass das Bereitstellen geschützter Tabs nun strikt untersagt ist und Seiten wie MySongBook – und auch Gitarristen wie ich – nun vor einem enormen Problem stehen. Findet ihr das berechtigt oder würdet ihr Tabs eurer Songs gerne bereitstellen?
Damit haben wir kein Problem. Die Songs klauen kann ja sowieso niemand mehr da ja mit dem Release einer CD alle Rechte geschützt sind um jetzt mal auf einen eventuell vorhandenen Beweggrund für diese Entscheidung einzugehen. Das Problem ist nur dass wir keine Tabs von unseren Songs haben da wir zu fast 100% auf Gehör spielen. Falls sich also jemand da draußen die Mühe machen möchte kann er sie uns gerne zukommen lassen damit wir sie bereitstellen können, haha. Eigentlich ist es Schade da auch wir so Gitarre spielen gelernt haben ( man sollte hier vielleicht erwähnen dass wir alle Gitarre spielen können).

Wie Jon Nödtveidt kürzlich bekanntgab, werden sich DISSECTION auflösen, weil er mit dem Comeback “Reinkaos” alles erreicht hat, was er wollte. Was ist deine Meinung dazu? Hast du dich überhaupt noch mit dem neuen (meiner Meinung nach eher dürftigen) Werk der einst umjubelten Schweden beschäftigt?
Ich bin ein absoluter Dissection Fan, aber das weist du ja wahrscheinlich. Wir sind 2004 sofort nach München gefahren um die Band endlich wieder live zu sehen. Ich hatte kurz vorher aber schon Maha Kali gehört und mir war klar dass Dissection nie wieder die alten sein würden. Live kam der Song ganz gut rüber, wesentlicher härter als auf CD. Ich habe also bereits damit gerechnet dass meine hohen Erwartungen nicht erfüllt werden – und leider wurden sie es auch nicht. Dieses abgehakte Riffing geht einem auf Dauer wirklich auf die Nerven. Schade, ich bin schon enttäuscht!

Okay, wir nähern uns auch schon dem Ende, vorher aber noch das Metal1-Wortspiel! Was assoziierst du mit den folgenden Begriffen?
Death Metal: Immer wieder eine feine Sache
Drogen: Sind gefährlich und haben bei Wolfchant nichts zu suchen
Große Koalition: Stillstand
Enslaved: machen gute Musik !
Charts: Meinungsbildungsdruckmittel für Jugendliche
Kino: zu viel Schwachsinn !
Metal1.info: METAL!

Okay, damit wären wir auch schon fertig. Ich danke nochmals recht herzlich für dieses Interview und für den Support! Falls du noch etwas zu sagen hast, kannst du es hier loswerden. ;)
Vielen Dank für dieses Interview und den Support ! Ich hoffe man sieht sich auf dem Pagan Nights Festival um in gemütlicher Atmosphäre ein paar Humpen zu leeren !! Haut rein !


Geschrieben am 25. Mai 2006 von Moritz

Kommentieren

Kommentar-Feed abonnieren