
Klimawandel und Krieg, Rassismus, Hass und Ausbeutung: Tagtäglich werden wir mit negativen Nachrichten aus aller Welt bombardiert. Doch so wichtig es ist, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen, so wichtig ist es auch, das Positive im Blick zu behalten. Neben dem oft bitter nötigen „Eskapismus durch Musikgenuss“ bietet die Metal-Szene hierfür (bei allen nicht zu leugnenden Problemen) jede Menge tolle Projekte. In unserer Interview-Serie „HEAVY … aber herzlich!“ stellen wir sozial, ökologisch oder politisch engagierte Vereine, Veranstaltungen und Personen vor, die uns Mut und die Welt zu einem besseren Ort machen.
In Teil 4 sprechen wir mit Ron Paustian, der sich seit über 30 Jahren für Inklusion in der Metal-Szene starkmacht. Seine Organisation INKLUSION MUSS LAUT SEIN vermittelt Menschen mit Behinderung ehrenamtliche Begleiter*innen für Konzerte und Festivals, sogenannte “Buddies”. Wie das organisatorisch abläuft, wie sich die Organisation finanziert und wie ihr selbst “Buddiy” werden könnt, erfahrt ihr in diesem Interview.
Bereits 2017 sprachen wir mit Ron über Möglichkeiten und Hindernisse für Teilhabe gehandycapter Personen an der Metal-Szene. Dieses Interview findet ihr hier. Mehr Informationen zu INKLUSION MUSS LAUT SEIN findet ihr unter www.i-m-l-s.com, sowie auf Facebook und Instagram.
Stell dich zu Beginn doch bitte kurz vor: Wer bist du, wie hast du zum Metal gefunden?
Ich finde diese Frage fies, da es ein wenig so klingt wie „Alter Mann erzähl mal von der Zeit, als die Welt noch Schwarz-Weiß war und kannst du dich noch erinnern, als sie auf Knopfdruck farbig wurde“. Aber nun gut, schauen wir mal, was mir noch im Gedächtnis ist … ich heiße Ron, bin seit über 35 Jahren Metal-Fan. Ich komme aus dem Bereich Punk, zum Metal bin ich durch den Plattendealer meines Vertrauens gekommen: Ich stand eines Tages in seinem Laden, damals noch ohne Bartwuchs, und fragte, ob es etwas schnelleres und härteres als die Exploited-Alben gäbe. Er drückte mir Halloween „Keeper Of The Seven Keys“ und Sodom „Obsessed By Cruelty“ in die Hand und die Alben fand ich einfach gut. Seitdem war ich angefixed und bin noch heute dem Power und Thrash Metal sehr zugeneigt. Allerdings gibt es auch sehr gute junge Bands!

Die gemeinnützige Organisation INKLUSION MUSS LAUT SEIN ging 2009 aus dem Musikmagazin New-Metal-Media mit den Schwerpunkten Rock, Punk, Metal und Behinderung hervor – wie kam es zur Gründung dieses Magazins, wie hast du zum Thema Inklusion gefunden?
Inklusion war immer ein Thema für mich, lange bevor man darüber sprach. Ich selbst bin betroffen und daher lag es nahe, etwas in dem Bereich zu machen. Hintergrund war einfach, dass es keine Informationen zu Konzerten gab … und auch zu Festivals waren die Infos sehr spärlich gesät. Bereits 2006 fragte ich daher bei Bands, Festivals und Locations an, welche Möglichkeiten es für Gäste mit einer Behinderung gibt. New-Metal-Media war ein erster Schritt in die Richtung, die heute in Deutschland einen Standard bildet: Es gab bei uns ein Vorlese-Programm und eine Schriftvergrößerung, Infos für Rollifahrer und Rollifahrerinnen und jede Menge Aufklärungsarbeit. Ich weiß nicht mehr, wie viele Verordnungen, Vorschriften und Gesetztexte ich gebüffelt habe und mit wie vielen Veranstaltern und Betreibern ich gesprochen habe. Es waren unendlich viele! Zudem habe ich angefangen, ein Netzwerk aufzubauen, das heute fast alle Länder der Erde umspannt – einfach um mich mit anderen auszutauschen und Verbesserungen gezielter einsetzen zu können.
Wie kam es dann zum Übergang in INKLUSION MUSS LAUT SEIN – was hat die Gründung der Organisation angestoßen?
2015 war ich an dem Punkt, wo New-Metal-Media und die Informationsgewinnung viel Geld kostete. Ich habe dann an einem Wettbewerb teilgenommen, startsocial, und dort mit meinen Mentoren INKLUSION MUSS LAUT SEIN in Form gegossen. Es gab so viele Ideen, die ich umsetzen wollte – ich musste ein wenig gebremst werden. Letztendlich stand das Konzept aber, wir wurden als Bundespreisträger ausgewählt und erhielten eine Auszeichnung von der damaligen Bundeskanzlerin.
Was waren die ersten Hürden und schwersten Hürden für INKLUSION MUSS LAUT SEIN?
Die ersten Hürden waren, die Veranstalter zu überzeugen und an Geld zu kommen. Hierzu hatte ich ein tolles Konzept ausgearbeitet – aber so richtig gezündet hat es nicht. Irgendwie war ich mit meiner Idee immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Förderungszusagen gab es nicht, Spenden liefen mäßig und die Arbeit nahm ständig zu. Auch für die Beratung wollten viele nicht zahlen, da wir ja das Label „gemeinnützig“ tragen. Das hieß für viele: „Gemeinnützigkeit“ ist gleichbedeutend mit „gratis“. Vom heutigen Standpunkt aus würde ich fast behaupten, ich war ein wenig blauäugig, was eine soziale Organisation angeht. Auch der Gründungsprozess ist nicht so einfach und man braucht viel Zeit und gute Beratung. Dahingehend kann ich mich aber nicht beschweren, denn viele Menschen, die INKLUSION MUSS LAUT SEIN begleitet haben, sind auch heute noch bereit, bei Fragen zu helfen.
Euer Hauptservice ist die Vermittlung von sogenannten Buddies, also Begleitungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Wie läuft das konkret – sowohl für Menschen mit Bedarf an einem Buddie, als auch für Menschen, die selbst Buddie werden wollen?
Buddie kann jeder werden oder sein. Man meldet sich bei INKLUSION MUSS LAUT SEIN an und schon ist man dabei. Die Vermittlung erfolgt auf Basis der Anfragen – so finden Buddies zusammen. Es ist kein Hexenwerk, wir finden immer das passende Gegenstück. Zudem sprechen die Buddies, also Nutzer und Nutzerinnen sowie die Begleiter und Begleiterinnen miteinander, klären den Bedarf ab und schauen, ob es menschlich passt. Alles andere läuft geschmeidig im Hintergrund.

Wie viele Menschen mit Buddie-Bedarf bauen auf euer Angebot – und wie viele Buddies sind aktuell für euch aktiv?
Das ist tatsächlich von Jahr zu Jahr unterschiedlich – wir haben in den letzten zehn Jahren wohl an die 9000 bis 10000 Begleitungen organisiert und auch während der Corona-Zeit waren wir füreinander da. Zur Zeit gibt es rund 17.000 Buddies im Bereich Deutschland, Österreich und der Schweiz. Leider können immer nur so viele Begleitungen organisiert werden, wie Gelder vorhanden sind. Diese erwirtschaften wir selbst, ohne staatliche Förderung und ohne größere Spenden. An dieser Stelle bedanke ich mich bei den Spendern und Spenderinnen, die auch weiterhin helfen – trotzdem haben wir die Möglichkeit zur Spende im Großteil von der Homepage entfernt. Während Corona und danach wurde es immer schwieriger, Spenden zu bekommen. Daher haben wir das eingeschränkt.
Ist Buddie sein eher etwas langfristiges, in festen Duos, oder eher ein einmaliges Engagement beziehungsweise in wechselnden Gespannen?
Buddies sind Ehrenamt 2.0 – das heißt, du kannst deinen Einsatz und deine Zeit frei planen. Es gibt Buddies, die immer wieder gemeinsam unterwegs sind, andere kommen ein bis zwei Mal zum Einsatz. Es ist wirklich sehr unterschiedlich. Das Schönste ist natürlich, wenn sich Freundschaften bilden.
Was für Menschen melden sich bei euch als Buddie? Gibt es da typische Muster, oder geht das quer durch Alter, sozialem Status und Geschlecht?
Wir haben alles an Buddies, was du dir vorstellen kannst. Es ist egal, woher du kommst, welches Geschlecht du hast, welches Alter und so weiter. Wir haben Buddies mit eigenen Behinderungen und Menschen, die einfach mal sozial was machen wollen. Eben ein bunt gemischter Haufen. Der Großteil sind Frauen, etwa 65% aller Buddies sind weiblich – aber das ist ebenfalls nicht ungewöhnlich, da generell mehr Frauen ehrenamtlich tätig sind. Ansonsten ist es wichtig, dass die Einstellung stimmt: Es geht nicht um Mitleid, sondern darum, gemeinsam etwas zu erleben und die eigenen Hobbys zu nutzen. Das kann von Metal bis zur Sex-Messe alles sein – für alles gibt es den richtigen Buddie.
Ein Buddie muss aber ja auch bestimmte Fähigkeiten mitbringen – was sind eure Anforderungen, und wie prüft ihr die vorher ab?
Deine Fähigkeiten sind deine Hobbys und dein Musikgeschmack. Wir fragen einiges ab in unserem Fragebogen, aber wichtig sind diese beiden ersten Punkte. Alles andere ergibt sich aus der Vermittlung der Buddies.

Viele Menschen haben im Alltag wenig bis keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung, was erfahrungsgemäß zu Unsicherheiten im Umgang mit besonderen Bedürfnissen führt – aber auch schon dahingehend, ob man sich “Buddie sein” überhaupt zutraut. Inwieweit müssen Buddies denn auch in der Lage sein, bei Toilettengängen, Verpflegung oder gegebenenfalls in Notfallsituationen Hilfe zu leisten?
Es ist leider gesellschaftlich immer noch so, dass viele Menschen mit einer Behinderung einen kleinen Freundeskreis haben. Das trifft nicht auf alle zu, aber auf einen Teil auf jeden Fall. Im Grunde kennt rein statistisch gesehen jeder mindesten einen Mensch mit Behinderung, da ja im groben jeder zehnte Mensch in Deutschland eine anerkannte Behinderung hat. Soweit die formale Definition. Jetzt zu den Erfahrungswerten aus der Praxis: Wenn wir an Behinderung denken, dann fallen uns immer zu erst Menschen im Rollstuhl oder Schwerstpflegefälle ein – das ist aber so nicht richtig! Behinderungen haben die unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen, das kann der Autist sein, jemand mit Depressionen, ein Blinder oder eine Gehörlose und vieles mehr. Nicht alle brauchen Pflege oder Hilfe, sondern einfach nur eine nette Begleitung. Wir bringen Menschen und Fans zusammen, die zusammenpassen. Das heißt, wenn du keine Erfahrung in der Pflege hast, dann wirst du diese auch nicht machen dürfen oder dafür eingesetzt. Dafür haben wir Buddies, die die entsprechende berufliche Ausbildung haben. Du wirst immer nach deinen Möglichkeiten und Fähigkeiten eingesetzt. Auch was die Verpflegung angeht, denkt man zuerst an schwere Pflegefälle. Doch zumeist geht es auf Festivals um das gemeinsame Grillen oder einfach vorzulesen, was es an einem Stand gibt. Also etwas, was fast jeder kann. Notfallsituationen kommen zum Glück selten vor, da wir vorher abklären, welcher Bedarf besteht und was kommen kann – für den Fall der Fälle lassen wir unsere Buddies aber auch in Erster Hilfe schulen. Doch auch, wer sich das nicht zutraut, kann helfen: Sanitäter hast du fast überall auf Festivals oder bei Konzerten, und sollte das einmal nicht der Fall sein, bleibt immer noch die 112. Es ist also alles durchdacht und entspannt – man muss nur die Ruhe bewahren.
Wie läuft es, wenn es trotzdem mal nicht läuft – also wie unterstützt du, wenn es Probleme bei einer Begleitung gibt?
Ich stehe bei jeder Begleitung im Hintergrund zur Verfügung und gehe erst Schlafen, wenn der letzte Buddie wieder zu Hause ist. Also ein wenig wie eine Mutter. Es passiert sehr selten etwas, das nicht geplant ist – aber dann ist es an mir, eine Lösung zu finden. Das sind aber Kleinigkeiten, wie Zugausfälle oder ähnliches. Die Buddies sind Klasse, helfen sich eggenseitig und finden selbst Lösungen und bei Problemen.
Auf eurer Homepage schreibt ihr: „Ehrenamt ist unbezahlbar, von daher entstehen dir niemals Kosten.“ – wie funktioniert das genau?
Das heißt ganz einfach, dass du deine Fahrtkosten ersetzt bekommst, ein Verpflegungsgeld erhältst und der Eintritt frei ist. Du schenkst deine Zeit und Kraft, da sollst du nicht noch draufzahlen. Zudem gibt es für die Vor-Ort-Buddies auf Festivals immer einige Goodies wie eigene Shirts und dergleichen. Ehrenamt ist ein kostbares Gut, das eben unbezahlbar ist – aber zumindest ein wenig Anerkennung erfahren sollte.
Wie finanziert ihr euch ganz grundsätzlich? Werdet ihr auch staatlich unterstützt?
Nein, wir werden nicht staatlich unterstützt. Das ist einer unserer Grundsätze, keine staatlichen Mittel in Anspruch zu nehmen. Denn ich möchte nicht von der Politik abhängig sein und mich nach den Vorgaben richten, mit denen die Fördermittel verbunden sind. Ich erwirtschafte das benötigte Geld selbst durch Beratungen, Serviceleistungen und Vorträge. Dann plane ich, welche Projekte damit umgesetzt werden sollen, wie viele Begleitungen gemacht werden und was sonst anliegt. Zum Beispiel waren wir beim Ahr-Hochwasser im Einsatz, haben Hilfsmittel ersetzt, unterstützen Obdachlosenprojekte in Berlin, etwa die Winterhilfe. Während Corona waren wir mit Masken und Hilfsmitteln im Einsatz, es gibt Schulen in Sri-Lanka, Ägypten und so weiter, die wir mit Hilfsmitteln unterstützen, Rampen-Spenden und noch vieles mehr … die Liste, was nebenbei noch geleistet wird, ist endlos lang.

Auf eurer Seite steht auch: „Wenn du in einer Wohngruppe oder einem Wohnheim lebst, hast du dort einen Vertrag unterschrieben. In diesem ist auch die „Soziale Teilhabe“ oder die Freizeitgestaltung geregelt, das heißt, dass du eine Begleitung über das Heim erhälst.“ Heißt das, dass euer Angebot für solche Fälle nicht zur Verfügung steht?
Ja, genau – das heißt es. Die Pflege hatte schon vor 30 Jahren ein Problem und es wurde zu wenig ausgebildet. Wir möchten und können nicht unterstützen, dass noch mehr Stellen abgebaut werden, wenn die Heime eine Verpflichtung haben, Teilhabe zu ermöglichen. Es gab immer mal wieder Ausnahmen, aber die sind wirklich selten. Die meisten Heime stehen unter Trägerschaft, das heißt, dort sind die Big Player wie Lebenshilfe, AWO oder DRK zuständig. Ich finde es nicht in Ordnung, diese auch noch für ihre Fehler zu entlasten. Denn sie erhalten Gelder für die Bewohner und Bewohnerinnen und sollen diese auch dafür nutzen, wofür sie gedacht sind. Aber das sind „just my two cents“ …
Gibt es besondere Momente oder Erfolge, die dich besonders stolz gemacht haben?
Ich glaube jede Begleitung, die ich vermittle, ist toll. Ich habe das Glück, viele Menschen kennenzulernen und oftmals die Geschichten dahinter. Das macht einfach viel Spaß und steht für mich für Erfolg. Wenn du auf Auszeichnungen anspielst, so sind diese auch toll, aber nicht der Hauptgrund für INKLUSION MUSS LAUT SEIN – wir sind um die 100 Mal ausgezeichnet worden und haben viel bewegt.
Als weiteren Service bietet ihr auch eine Liste an barrierefreien Clubs. Wie kuratiert ihr die Liste – können sich Clubs bewerben, und wie überprüft ihr die Angaben?
Die Liste gab es schon zu Zeiten des Magazins New-Metal-Media und sie hat sich über die Jahre entwickelt. Es spielen die verschiedensten Faktoren eine Rolle. Einige Clubs und Festivals melden sich selbst, andere besuchen wir oder bekommen Tipps von den Gästen, einige werden von Fans mit einer Behinderung empfohlen und so weiter. Alle zwei Jahre schicken wir Tester und Testerinnen los, um die Infos zu prüfen. Zudem kommen oftmals auch von Gästen Hinweise, wenn sich etwas geändert hat. Es steckt viel Arbeit dahinter, daher ist die Location-Seite auch sehr umfangreich geworden.
Wie steht es generell um die Barrierefreiheit der Clubs in Deutschland? Wo liegen die Probleme?
Da es keine zuverlässigen Zahlen zu den Veranstaltungsstätten gibt, ist das schwierig zu beurteilen. Einige sind besser aufgestellt, andere werden nie ganz zugänglich werden. Das liegt an verschiedensten Faktoren. Zum einen handelt es sich immer noch um die Privatwirtschaft und somit um das Hausrecht jedes einzelnen Clubs, zum Anderen gibt es viele Gesetze, die einen Umbau verhindern oder sehr schwierig machen. Generell gibt es die Entwicklung hin zu mehr Barrierefreiheit – wenn man aber die letzten 30 Jahren betrachtet, hat sich sogar viel getan.
Zurzeit ist das Thema Inklusion und Barrierefreiheit aber wieder ein wenig eingeschlafen. Das liegt an mangelnden Förderungen, nicht ausverkauften Veranstaltungen und fehlenden Geldern. Die Erkenntnis und der Wille sind aber oft vorhanden. Wenn die Gelder für Umbauten fehlen, gilt es also, schon einmal anzufangen und zumindest die Homepage, Facebook, Instagram und so weiter barrierefrei zu gestalten.

Um Barrierefreiheit sicherzustellen, bedarf es Erfahrung und eines geschulten Blicks. Ihr bietet Veranstaltern Beratung für ihre Events. Wie wird das angenommen?
Es wird sehr gut angenommen. Mit einigen Veranstaltern und Veranstalterinnen arbeiten wir dauerhaft zusammen. Bei kleinen Festivals oder Events schauen wir zur Erstberatung vorbei und geben Tipps zur Umsetzung. Manchmal braucht man nur einen Impuls, um Hürden zu erkennen. Letztendlich arbeite ich für einen Club etwa 300 einzelne Punkte ab, aus denen ein Konzept entsteht; bei Festivals sind es etwa 250. Mit dem Konzept kann man einen Plan erstellen, was sofort umgesetzt werden kann und was vielleicht mehr Zeit und Geld kostet. Ich habe in den vergangen 20 Jahren so viele Clubs und Festivals gesehen, dass es nichts gibt, was nicht schon einmal da war – positiv und negativ. Zudem befinde ich mich mit einigen Kollegen im Austausch, die in ihren Ländern Großes leisten, wenn es um Barrierefreiheit geht. So lerne ich neues und meine Kollegen erfahren, was bei uns neu umgesetzt wird. Ich arbeite zudem jedes Jahr mit einigen Studenten und Studentinnen und gebe meine Erfahrungen im Bereich Inklusion und Barrierefreiheit weiter. Auch hier wird es positive Verbesserungen geben. Doch eine gute Ausbildung braucht Zeit und Erfahrung.
Für welche Arten von Veranstaltung wäre dieses Angebot am relevantesten – Festivals, ein-Tages-Events…?
Grundsätzlich für alle Veranstaltungen! Ob Jugendclub oder internationales Festival: Für alle gilt, dass sie zugänglich sein sollen. Wichtig ist das richtige Maß zu finden und sinnvolle Maßnahmen umzusetzen – nichts, was nur auf dem Papier gut aussieht.
Man kann bei euch sich Awareness-Teams buchen. Was bekommt man da genau, worauf sind eure Awareness Teams geschult?
Unsere Awareness-Teams sind auf verschiedenste Themen geschult und werden ständig weitergebildet. Das Konzept ist in Deutschland ziemlich einzigartig, da es sich nicht an reinen Schutzräumen orientiert, sondern auch die Bereiche Sicherheit, Psychologie, Drogenprävention, Krisenberatung und Kommunikation betrifft. Alle sind auf Erste Hilfe geschult und die Teams sind so zusammengestellt, dass sie immer Hilfe und einen fachlichen Ansprechpartner bieten können.

Was würdet ihr mit INKLUSION MUSS LAUT SEIN ganz allgemein gerne noch erreichen?
Ich bin soweit wunschlos glücklich – aber es gibt zwei persönliche Ziele, die ich gerne erreichen möchte: Das wäre Rock in Rio zu betreuen und das Tomorrow Land – beides Festivals mit 400.000 Gästen. Aber da reizt mich einfach die Herausforderung der Großveranstaltung, nicht die Musik …
Was willst du den Metalheads da draußen zum Abschluss noch mitgeben?
Ich glaube einen wirklichen Ratschlag kann ich nicht geben. Bleibt einfach offen für alle und feiert zusammen die Musik und Festivals, die ihr liebt. Ohne auf eine Behinderung, Herkunft oder geschlechtliche Ausrichtung zu achten. Letztendlich sind wir alle Fans und wollen eine gute Zeit haben.
Fotos: © INKLUSION MUSS LAUT SEIN (Nutzung mit freundlicher Genehmigung)
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