Review Echo of Dalriada – Fergeteg

Das erste was am Debüt von ECHO OF DALRIADA mit dem Namen „Fergeteg“ – zu Deutsch „Sturm“ – ins Auge sticht, ist das auffallend schöne Coverartwork. Hierfür ist Júlia Binder, die Schwester der Sängerin, verantwortlich, die die Musik der Ungarn mit ihren kalt, aber sehr ästhetisch wirkenden Zeichnungen perfekt unterstreicht. Nun gut, ganz so kalt sind die vier Jungs und das Mädel sicher nicht. Man fragt sich sogar, warum sie trotz, der vor allem in Deutschland vorherrschenden, Begeisterung für Pagan und Folk Metal nicht außerhalb ihres Heimatlandes bekannt sind.

Als episch, teilweise verträumt und ein bisschen weniger bombastisch als auf dem Nachfolger „Jégbontó“ kann man die Klänge auf „Fergeteg“, die passenderweise vom Rauschen des Windes eingeleitet werden, beschreiben. Innovativ ist das freilich nicht, aber hier passt es auf jeden Fall bezüglich der Übersetzung des Albumnamens. „Védj Meg, Láng“ ist ein guter, sehr ansprechender Einstieg, denn man zeigt, dass es auch möglich ist epischen Folk Metal mit weiblichen Gesang zu spielen, ohne in einem Meer aus Kitsch, Keyboard und glöckchenhellem Klargesang unterzugehen. Alles ist hier sehr dezent, die Stimme von Laura sehr angenehm und dank interessanter Rhytmuswechsel kommt in den acht Minuten nicht der Hauch von Langeweile auf. Das letzte Viertel des Liedes ist geradezu genial gestaltet, bei dem ein sehr schleppender, klagender Teil ein fulminantes, fröhliches Finale einleitet. Gut, dass sich darauf mit „Népdal“ der schnellste und „partytauglichste“ Titel des Albums anschließt. Gegen „Vérzö Ima“ kann aber auch dieser, genauso wie die übrigen Songs, nicht bestehen.

Das auf „Jégbontó“ noch viel stärker eingesetzte Zusammenspiel von weiblichen und männlichen Vocals, für die Drummer Tadeusz und Gitarrist András sorgen, ist hier ein richtiger Ohrenschmaus. Dazu ist es diese Faszination, die die ungarische Sprache ausübt. Entfernt mit dem Finnischen verwandt, hat sie noch den Hauch des scheinbar Unberührten, sowie vor allem bei den chorartigen Refrain eine große Portion Erhabenheit. Man kann den Stolz dieser Menschen und die damit verbundene Spielfreude von ECHO OF DALRIADA quasi spüren, denn die Instrumentefraktion steht zwar beim ersten Hören vielleicht im Schatten des Gesangs, der die Platte dominiert, doch verstecken muss man sich auch hier nicht. Nahezu mühelos schütteln sie an den richtigen Stellen eingängige Melodien, an anderen Stellen wieder tragende Flächen aus dem Ärmel. Einen Totalausfall leistet man sich nur mit „Szabad Madár“, der Vertonung eines ungarischen Volksliedes, doch vielleicht ist diese Art von Liedgut einfach zu ungewohnt für meine mitteleuropäischen Ohren. Dafür überrascht man mit der musikalischen Umsetzung des Gedichtes „Arab gólya“ von Janos Arany, einem der bekanntesten Dichter Ungarns, ungemein positiv. Es werden viel ruhigere, bedächtigere Töne, geleitet von einem Piano, angeschlagen, als auf den Rest der Platte.

Dies ist zudem ein wunderbarer Abschluss für den ersten Teil des Albums, denn nun folgt die dreiteilige Vertonung von „A Walesi Bárdok“, einer berühmten Ballade des schon in „A Rab Gólya“ zitierten Dichters Arany János, zu Deutsch „Die Barden Von Wales“. Diese drei Lieder veröffentlichte man bereits zuvor als Demo. Die Qualität der Stücke kann nahtlos an die der vorherigen Stücke anknüpfen. Vor allem das verspielte und recht flotte „Wales“ sticht ein klein wenig hervor, wobei man hier insgesamt noch etwas weniger bombastisch zu Werke geht, ehe mit „Ötiödik Nap“ noch eine achtminütige Demonstration erfolgt, wie viel Abwechslung und Kurzweil man in diese Zeit packen kann. Das Aufeinanderfolgen von zerbrechlichen weiblichen Vocals, kraftvollen, männlichen Klargesang und eines Chores gegen Ende ist mit Worten nur schwer zu beschreiben.

„Fergeteg“ ist ein schon sehr gut geschliffener Diamant, der auf dem Nachfolger „Jégbontó“ noch ein wenig näher an die Vollendung gebracht wird und so darf man auf das am 12. März 2007 erscheinende dritte Album der Ungarn „Kikelet“ umso mehr gespannt sein. ECHO OF DALRIADA bündeln Spielfreude, eine faszinierende Sprache und ebenso gelungenen Gesang mit abwechslungsreichen, spurenweise sogar leicht „poppigen“ Folk Metal, der sich stark von der ungarischen Folklore inspirieren ließ. Es ist nur zu schade, dass sie bisher nicht über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt sind und auch nur ein oder zwei Konzerte im benachbarten Österreich gespielt haben. Talent haben sie ohne Frage, aber was sie noch darüber hinaus bemerkenswert macht, ist diese Unverbrauchtheit in ihren Werken, die begeistert. Wer noch irgendwie ein Exemplar von „Fergeteg“ abgreifen kann, der sollte – nein, der muss unbedingt zuschlagen, wenn dieses Review Interesse geweckt hat.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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