Review Ratt – Infestation

  • Label: Roadrunner
  • Veröffentlicht: 2010
  • Spielart: Hard Rock

RATT gehörten zu den Frühpionieren der Sleaze-Rock- und Glam-Metal-Szene. In der Heimat genossen sie einen ähnlichen Status wie Mötley Crüe. Nach den 80ern verlor ich das Treiben der Band etwas aus den Augen, so dass mir die Farce, die sich um die Jahrtausendwende abspielte, bislang verborgen blieb. Im Jahre 2000 trennte sich Bandgründer Stephen Pearce von der Truppe und zog seine eigene RATT auf. Es gab logischerweise einen Namensstreit zwischen Pearce und seiner ehemaligen Truppe, die ebenfalls weiterhin unter RATT musizierte. Ein Urteil entschied, dass Pearce nicht unter der Bezeichnung RATT auftreten darf, die Band aber ohne ihn auch keine neuen Platten aufnehmen darf.
Wie löst man nun solch ein Dilemma? Ganz einfach: durch eine Reunion! Offenbar haben Pearce und seine früheren Mitstreiter ihre Differenzen beiseite gelegt, denn nun ist es soweit: 31 Jahre nach Bandgründung und elf Jahre nach dem letzten Album steht ein neues Werk der legendären L.A.-Truppe in den Startlöchern.

Mit Reunions ist das ja teilweise so eine Sache. Durch das wiederaufkeimende Interesse am Sleaze Rock in den letzten Jahren, das neue Bands wie Hardcore Superstar heraufbeschworen haben, springen wieder viele altgediente Heroen dieses Genres auf den Wiedervereinigungs-Zug auf, um nochmal an der „zweiten Welle“ der Spielart mitzuverdienen. Einige Releases, die dadurch auf den Markt schwemmen, sind mangels qualitativer Ergüsse schlichtweg überflüssig.
Doch „Infestation“, das neue RATT-Album, gehört nicht dazu. Wie schon früher kann man sagen, außen pfui, innen hui. Damit meine ich, dass das Artwork – wahrscheinlich das hässlichste, das ich dieses Jahr gesehen habe – wie auch schon bei früheren Werken, richtig schlecht ist. Doch der Inhalt, die Musik von RATT, hat über all die Jahre nichts von ihrem Reiz verloren. Kräftig groovend, mit knackigen Riffs, eingängigen Hooklines und gut erarbeiteten Höhepunkten rocken die Amis die knappe dreiviertel Stunde auf gutem Niveau runter.
Dabei gibt es einige ordentliche Killer wie gleich den kraftvollen Opener „Eat Me Up Alive“, den knackigen Sleazer „A Little Too Much“, den wuchtigen Stampfer „Look Out Below“ und die Powerballade „Take Me Home“. Noch immer ist auch der Klang von Stephen Pearces Organ charakteristisch für RATTs Sound. Ich wüsste gar nicht, wie das ohne ihn richtig funktionieren soll.
Ganz auf der gefühlvollen Schiene fährt die Single-Auskoppelung „Best Of Me“, die ich zwar nicht zu den Album-Highlights zähle, die aber dennoch eine einprägsame Hook und einen mitsingkompatiblen Refrain hat. Das durchweg gelungene Songwriting setzt nur bei den ziemlich belanglosen „Lost Weekend“ und „As Good As It Gets“ kurz aus. Doch zwei sogenannte Filler kann man durchaus verkraften, wenn der Rest stimmt. Und das tut er. Und auch technisch gibt es nichts zu mäkeln. RATT präsentieren sich als Profis, und die Produktion der Scheibe ist schön druckvoll.

RATT sind noch immer bzw. wieder im Geschäft, und das ist angesichts des neuen Albums „Infestation“ auch gut so. Sie lassen damit eigentlich kaum Hard- und Sleaze-Rock-Wünsche offen. Und vielleicht klappt’s das nächste Mal auch mit einem vernünftigen Artwork.

Wertung: 7.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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