Interview mit Der dunkle Parabelritter


Die YouTube-Szene im Metal-Bereich wächst stetig und bringt immer wieder neue Kanäle hervor. Den Personen dahinter und ihrer Arbeit möchten wir in unserer Interviewreihe etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und Hintergründe erfahren.
 DER DUNKLE PARABELRITTER berichtet im Interview mit uns von verborgenen Hintergründen, wieso er es bereut kein Künstler zu sein, dem Gynäkologen seiner Ex-Freundin und welche Meinung er heute zum Drachenlord hat.

Den DUNKLEN PARABELRITTER kennt wohl jeder Metalhead, der auf Youtube aktiv ist. Stell dich und dein Format bitte trotzdem kurz vor!
Ich bin der Alex und habe irgendwann mal angefangen Videos über alles zu machen, was irgendwie mit Metal zu tun hat. Aber auch über andere Themen, die mich nebenbei interessiert haben. Das sind mittlerweile, glaube ich, 700 Stück. Da sollte für jeden was dabei sein. Außer er hört Grindcore oder Slam, damit kann ich absolut nichts anfangen.

Wie ist der Name für deinen Kanal entstanden?
Ich habe Mathe immer sehr geliebt – die Logik hinter allem, dass man den wahren Kern von Aussagen erkennen kann. Da sind Menschen anders, fehlbarer. Ich sehe die Parabel daher als eine Art Metapher für die Suche nach den verborgenen Hintergründen der „Fakten“, die sich uns anbieten. Und soweit ich da geistig in der Lage bin, versuche ich meine Zuschauer an meinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Was waren deine Beweggründe Videos für YouTube zu drehen? Welche Leute möchtest du damit erreichen?
Ich mache das ja seit 2012. Damals hat man sich eigentlich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, warum man das eigentlich tun will – geschweige denn, jemanden damit zu erreichen. Ich wollte immer Leute erreichen, die sich für die selben Dinge interessieren wie ich. Und da ist Metal nun mal der zentrale Dreh- und Angelpunkt meines Lebens.


Unter anderem hast du auch aber auch Videos zum Brand der Notre Dame, Reisen nach Mallorca und in die Kaiserpfalz, sowie Jan Böhmermann gedreht. Was bewegt dich dazu, dich auch mit Metal-fremden Themen auseinanderzusetzen?
Genau dasselbe, was mich zu Metal-Videos bewegt: Ich habe Interesse an den Themen.

Wie schnell vergrößert sich denn die Reichweite? Wie viel Potenzial siehst du in der Metal-Szene?
(lacht) Ohne intensive Arbeit vergrößert sich da gar nichts. Vor allem nicht, wenn man nur den deutschsprachigen Markt für sich ausgesucht hat. Die Frage, wie viel Potential da ist, stelle ich mir seit Jahren. Für 170.000 Abonnenten reicht es. Ich denke, 200.000 sind auch noch drin, aber dann ist, glaube ich, das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die YouTuber-Szene ist heutzutage sehr schnelllebig. Was muss man deiner Meinung nach tun, um weiterhin interessant zu bleiben?
Man muss die Fans dazu bringen, dass sie dir als Person folgen. Wenn sie die Videos sehen, weil du es bist, der etwas präsentiert, dann kannst du auch einfacher auf den Wandel der Zeit reagieren.

Welche Grenzen bringt das Format für dich mit sich?
YouTube allgemein? Ich habe bislang noch keine Grenzen erkannt. Es fehlt die Nähe zu den Leuten, das sind alles nur Zahlen auf dem Bildschirm. Deswegen ist es mir so wichtig, im Sommer auf den Festivals zu sein und meine Zuschauer zu treffen! Der tollste Moment bislang war der, als ich bei meinem Festival auf der Bühne stand, kurz bevor mein Headliner zu spielen anfing und die Leute applaudierten. Da bereut man es manchmal, nicht einfach Künstler zu sein.

Welche Vor- und Nachteile siehst du bei YouTube im Vergleich zu einem (Online-) Magazin?
Ich habe ja auch ein Magazin (Silence Metal Magazin) und ich weiß, es gibt genug Menschen, die gerne Medien in Ruhe für sich konsumieren, ohne dass sie von jemandem beschallt werden. Aber es gibt eben auch die, die gerne einem Moderator dabei zusehen, wie er Inhalte verarbeitet und präsentiert. Ich mag beides. Am Ende entscheidet der Verbraucher, was ihm angenehmer ist. Der YouTube-Part ist nur eben weitaus komplizierter und anstrengender in seiner Umsetzung.

Welches Equipment nutzt du für deine Videos und wieviel Geld hast du bereits investiert?
Ich habe eine GH5, ein Rode NT1 A, ein H4N, diverse kleinere Kameras, Licht, weitere Mikrofone, Stative, ein Gimbal. Das sind mittlerweile einige Kisten voll Krempel. Alles in allem bestimmt schon 10.000 Euro. Und falls ihr euch fragt: Verdient man so viel, dass sich das lohnt? Nein. Ich habe eigentlich fast jedes Jahr meine Adsense-Einnahmen wieder reinvestiert.

Wie lange dauert es bis ein Video bereit zum Upload ist? Übernimmst du alles vom Schneiden, Bearbeiten und so weiter selbst?
Ich bin finanziell überhaupt nicht in der Lage Arbeit abzugeben, auch wenn ich es gerne würde. Und was die Zeit angeht, die es braucht, ein solches Video zu machen: Kann man so nicht sagen. Am längsten sitze ich an meinen Festivalvideos. Bis zu 14 Tage à zehn Stunden Arbeitszeit kann man da manchmal rechnen.

Wieviel Geld wirft YouTube für dich ab? Kannst du davon leben?
Wäre schlimm, wenn ich am Ende von einem 80-Stunden-Job nach sieben Jahren nicht leben könnte, oder? (lacht) Aber tatsächlich kann ich auch nur davon leben, weil ich mich noch in anderen Bereichen selbstständig gemacht habe. Ich finde es absolut daneben, dass mich das jeder fragt. Ich rede doch auch nicht irgendwelche Leute random auf der Straße an und frage sie nach ihrem Gehalt. Am Ende ist es definitiv viel weniger, als ich als Lehrer verdienen würde, aber ich hab verdammt nochmal mehr Spaß am Leben als die meisten Leute, die ich kenne. (lacht)

Wie sind die Reaktionen der Leute auf deine Videos? Gerade bei YouTube gibt es viel Hate Speech. Warst du davon schon betroffen?
Am Anfang war alles Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung. Seit ich bekannter geworden bin, sind viele, auch einige aus den Anfangstagen, Kritiker geworden. Das habe ich erwartet und es ist genau so gekommen – wie nach Lehrbuch. Ich bin mit mir im Reinen und stehe komplett hinter dem, was ich tue, deswegen ist das verschmerzbar.

Und wie ist das Verhältnis unter euch YouTubern? Gibt es freundschaftliche Verbindungen, kollegialen Respekt oder vielleicht sogar „Beef“?
Ich verstehe mich mit einigen Mainstream-YouTubern ganz gut – in der Metal-YouTuber-Szene, falls man das so nennen möchte, habe ich leider viele unschöne Erfahrungen gemacht. Ich will keine Namen nennen, aber die meisten haben versucht, plump an Reichweite zu kommen, indem sie auf Freund getan, aber hinterrücks dann trotzdem intrigiert haben. Verstehe ich nicht, ich habe allen stets freundlich die Hand gereicht. Das hätte so nicht sein müssen. Ich habe ja gar nichts dagegen, wenn mal jemand von meiner Reichweite profitiert. Ich feature auch gerne mal Leute einfach so. Die meisten präsentieren aber auch einen Eindruck von der Metalszene, den ich nicht vertreten kann. Mittlerweile habe ich dazu gelernt und halte da Abstand.

Du hast bereits vom Wacken, Rockharz oder With Full Force berichtet. Bekommst du Unterstützung von Veranstaltern oder Labels?
Ich arbeite mit einigen teilweise seit Jahren eng zusammen. Man kennt und schätzt sich.

Mit knapp 170.000 Abonnenten gehörst du zu den größten Metal-YouTubern Deutschlands. Was ist deiner Meinung nach verantwortlich für diesen Erfolg?
Harte, kontinuierliche Arbeit innerhalb der letzten sieben Jahre. Jeden Tag.


Wirst du auf der Straße mittlerweile erkannt?
Der Gynäkologe meiner Ex-Freundin war der situativ unangenehmste Fan. (lacht)

Viele junge Leute würden auch gerne als YouTuber durchstarten. Welchen Ratschlag würdest du einem Neuling geben?
Werdet lieber Streamer, da liegt der Markt der Zukunft.

Vor knapp vier Jahren hast du den durchaus umstrittenen YouTuber Drachenlord besucht und ihn interviewt. Wie ist deine Meinung zu ihm heute?
Ich habe mich mit dem Thema seit 2015 eigentlich nicht mehr beschäftigt. Seit ich vor Ort war, ist dieses ganze Thema echt abgründig geworden.

Ok, dann danke ich dir an dieser Stelle für das Interview. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Powerwolf:
Ich verstehe den Hype nicht mehr …
Haarpflege: Gegen mein Gestrüpp ist jede Pflege chancenlos.
Sommerurlaub: Ur…was?
Jim Morrison: Wäre heute dank Social Media nur ein peinliches Drogenopfer.
Dein Lieblingsalbum: Sich auf ein einzelnes festzulegen wäre schade.
Katja Krasavice: Bin ich das erste Mal begegnet, als sie noch keine gemachten Brüste hatte.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Ich sage schon genug in meinen Videos, irgendwann muss man auch mal die Klappe halten.

Alle bisher erschienenen Teile dieses Specials im Überblick: