Konzertbericht: Kataklysm w/ Vader, Blood Red Throne

11.03.2026 München, Backstage (Werk)

Und täglich grüßt das Murmeltier: Zu ihrer routinemäßigen Deutschlandtour laden KATAKLYSM 2026 bereits im März. Dass die Kanadier erst vor rund einem halben Jahr da waren (und das in München im Rahmen des Free&Easy Festivals auch noch gratis), wirkt sich auf die Verkaufszahlen aus: Trotz starkem Package mit VADER und BLOOD RED THRONE füllt sich das großzügig nach allen Seiten abgehängte Backstage Werk schleppend.

Dass die Show an einem Wochentag stattfindet und entsprechend nicht jede zum Einlass da sein kann, sorgt dafür, dass das Publikum selbst im stark flächenreduzierten Werk noch vergleichsweise locker steht, als BLOOD RED THRONE den Abend um 19:15 Uhr beginnen. Die Norweger lassen sich davon nicht demotivieren – und stecken mit ihrer Spielfreude das Publikum sichtlich an: Der Bereich vor der Bühne füllt sich zusehends, und zu „Smite“ als dem letzten von insgesamt sechs Songs findet sich sogar noch eine Handvoll Fans zum Circlepit zusammen. Überraschend kommt das nicht: BLOOD RED THRONE legen mit ihrem Tech-Death einen furiosen Start in den Abend hin und können bei glasklarem Sound zumindest über die ihnen zugestandenen 30 Minuten rundum überzeugen. Dass Bassist Stian Gundersen zwischendurch sogar in den Graben kommt und direkt bei den Fans performt, tut sein Übriges: Der Opener-Slot wird BLOOD RED THRONE angesichts dieses bockstarken Auftritts eigentlich nicht gerecht.

  1. Unleashing Hell
  2. Beneath The Means
  3. Every Silent Plea
  4. Itika
  5. Vermicular Heritage
  6. Smite

So enthusiastisch wie VADER als zweite Band des Abends empfangen werden, könnte man meinen, damit wäre bereits der Headliner an der Reihe. In gewisser Weise dürfte das aber auch stimmen: Anders als KATAKLYSM waren VADER immerhin bereits drei Jahre nicht mehr auf Hallentour durch Deutschland unterwegs – und während sich an den letzten KATAKLYSM-Releases die Geister scheiden, sind sich bei VADER alle Fans einig: Die Polen liefern nach wie vor mit jedem Release auf allerhöchstem Level ab – zuletzt 2025 mit der „Humanihility“-EP. War bei dieser im Studio wie auch der letzten Tour zur großen Freude der Anhängerschaft Ex- und nun Wieder-Gitarrist Maurycy Stefanowicz alias Mauser mit von der Partie, treten VADER heute in der gewohnten Vierer-Besetzung an. Das ist aber auch die einzige „Enttäuschung“, mit der VADER-Fans heute leben müssen. Denn Peter und seine Mitstreiter nutzen die ihnen gewährten 50 Minuten perfekt.

Ohne auf der Bühne viel zu machen, außer mit sichtlicher Freude am eigenen Tun Song um Song zu spielen, erzeugen VADER eine grandiose Stimmung: Bewegung kommt zwar nur langsam in die mittlerweile zumindest dicht stehenden Fans, der Jubel und die gereckten Fäuste aber lassen keinen Zweifel an der Begeisterung für die Darbietung. Neben der Performance selbst begeistern VADER einmal mehr mit einem liebevoll zusammengestellten Set: Neben den Klassikern wie „Sothis“, „Carnal“ oder „Wings“ haben die Polen auch das eine oder andere Schmankerl dabei: „The One Made Of Dreams“ von „Litany“ und „Fractal Light“ von „Black To The Blind“ etwa, „Lead Us“ (das 2011–2024 gar nicht zu hören war). Als echte Live-Raritäten muss man schließlich „The Book“ (von „Impressions In Blood“) und „Reign Forever World“ von der gleichnamigen EP bezeichnen, die VADER in den letzten 15 Jahren quasi gar nicht gespielt hatten. So macht man sich bei seinen Fans beliebt!

  1. Sothis
  2. Fractal Light
  3. Wings
  4. The One Made Of Dreams
  5. Reign Forever World
  6. The Book
  7. Cold Demons
  8. This Is The War
  9. Lead Us!!!
  10. Triumph Of Death
  11. Dark Age
  12. Carnal
  13. Helleluyah!!! (God Is Dead)

Man möchte KATAKLYSM nichts unterstellen – aber so viel Ehrgeiz wie VADER stecken die Kanadier gewiss nicht in die Zusammenstellung ihrer Setlist. Das fängt damit an, dass KATAKLYSM bereits 2025 (!) auf den Festivals Jubiläumssets für ihr 2006 (!) erschienenes Album „In The Arms Of Devastation“ gespielt haben – gipfelt aber darin, dass die Kanadier diese Chance, ihrer ansonsten völlig anlasslosen 2026er-Tour einen Sinn zu geben, auslassen: Statt eines Special-Sets mit Fokus auf den Fan-Liebling spielen KATAKLYSM heute ein klassisches Best-of-Set, das insgesamt neun Alben abdeckt. Auf die entsprechende Ansage zum 20. Release-Jubiläum folgt als einziger „In The Arms Of Devastation“-Track „Crippled & Broken“ – der nach „As I Slither“ meistgespielte KATAKLYSM-Song überhaupt.

Immerhin in ein paar Details haben KATAKLYSM ihre Setlist seit der letzten Tour umgebaut: So ist nun erstmalig „Die As A King“ vom aktuellen Album „Goliath“ zu hören, der aus unerfindlichen Gründen seit 2019 nicht mehr gespielte Banger „Prevail“ vom gleichnamigen Album ist zurück und Die-Hard-Fans dürfen sich über das selten gespielte „Elevate“ von „Waiting For The End To Come“ freuen. Von „Prevail“ abgesehen sind das aber keine Songs, die den Unterschied machen. Dass insbesondere die neueren Nummern zudem kräftig durch zusätzliche Backing-Gitarren angefettet sind, macht die Performance nur in der Theorie kraftvoller: Nach der Machtdemonstration von VADER wirkt das eher wie ein plumper Taschenspielertrick. So bekommt man von KATAKLYSM heute eben, was man von KATAKLYSM immer bekommt: Eine grundsolide 70-Minuten-Death-Metal-Show, zu der es sich gut moshen lässt, die jedoch spätestens das nächste KATAKLYSM-Konzert aus dem Gedächtnis verdrängen wird.

  1. Push The Venom
  2. Thy Serpents Tongue
  3. Goliath
  4. Die As A King
  5. Prevail
  6. Soul Destroyer
  7. The Rabbit Hole
  8. The Resurrected
  9. In Shadows & Dust
  10. As I Slither
  11. Bringer Of Vengeance
  12. Crippled & Broken
  13. At The Edge Of The World
  14. Narcissist
  15. The Black Sheep
  16. Elevate

Bei einer Band, die eher selten zu sehen ist, wäre eine Best-of-Show völlig normal. Wer allerdings ein- bis zweimal im Jahr die gleichen Clubs bespielt, sollte sich schon etwas Besonderes einfallen lassen, damit die Fans zu immer höheren Preisen und bei immer mehr Konkurrenzveranstaltungen auch weiterhin erscheinen. Das einzige Besondere an der heutigen KATAKLYSM-Show ist jedoch das hochkarätig besetzte Vorprogramm.

Für knapp 50 € überrascht es fast, dass immerhin geschätzte 700 Fans gekommen sind. Verglichen mit früheren Konzerten, bei denen KATAKLYSM an gleicher Stelle vor einem rund doppelt so großen Publikum standen, ist das aber kein großer Erfolg. Dass die Kanadier daraus ihre Lehren ziehen, zeichnet sich nicht ab: Ende des Jahres will die Band ihr neues Album aufnehmen, um damit im nächsten Jahr wiederzukommen. Mutmaßlich wird es dann wieder eher am Vorprogramm als am Album hängen, wie viele Fans kommen.

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Moritz Grütz

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