CD-Review: Bear - Propaganda

Besetzung

Maarten Albrechts - Gesang
James Falk - Gitarre
Dries Verhaert - Bass
Serch Carriere - Schlagzeug

Tracklist

01. Dissolve.Dissipate
02. Propaganda
03. Obey
04. Apollo's Heist
05. Red Throne
06. Mite
07. Gutter Love
08. Stigmata
09. The Ram
10. Flares
11. Engine
12. Kuma


(Hardcore / Nu-Metal) Pelagic Records dürfte Fans von Post-Metal, Sludge und artverwandten Genres fraglos ein Begriff sein – umso überraschender, dass BEAR aus Belgien diese Sparte nicht unbedingt bedienen. Math-Core wäre wohl eher die korrekte Bezeichnung, „Propaganda“ erinnert mit seinem Mix aus Härte und Melodie allerdings auch an den modernen (Nu-)Metal der frühen Zweitausender – im modernen (ton-)technischen Gewand. Laut ist das Ganze also, aber ist das noch zeitgemäß?

Der Opener „Dissolve.Dissipate“ gibt die Marschrichtung vor: eine ziemlich flotte und groovige Uptempo-Nummer, die neben wirklich harten und rifflastigen Passagen durchaus auch kurze Lichtblicke in Form von Atmosphäre, Melodie und sogar Ohrwurmcharakter bietet. An zweiter Stelle steht der Titeltrack, der eindrucksvoll beweist, dass die Belgier wirklich mehr als stumpfes Geprügel drauf haben: Sänger Maarten Albrechts räumt der Singstimme sowohl in der Strophe als auch im Refrain mehr Platz ein – und macht dabei gar keine schlechte Figur. Angenehm und eine gute Ergänzung zu den angezerrten Shouts, die „Propaganda“ über eine weite Strecken dominieren.

Der Name des Albums ist übrigens Programm: Ironische Querverweise auf die Propaganda-Mechanismen des 20. Jahrhunderts finden sich auf BEARs viertem Album zu Genüge. Angefangen beim ausgesprochen gelungenen Artwork, aber auch in den Texten, die sich mit den manipulativen Aspekten von Kommunikation, Marketing und eben Propaganda (und somit allgegenwärtigen Bestandteilen unseres Lebens) beschäftigen.

Das Gitarrenspiel ist anspruchsvoll und hat in manchen Momenten („Red Throne“) sogar etwas von Bands wie The Dillinger Escape Plan (zumindest was Harmonie, Tempo und Wahnsinn angeht). Neben technischem Gefrickel und Uptempo-Geballer beherrscht James Falk aber auch die groovigen und sogar noisigen Aspekte seines Handwerks mehr als solide („Gutter Love“, sicher ein Highlight auf „Propaganda“). Die Rhythmusgruppe mit Serch Carriere an den Drums und Dries Verhaert am Bass gibt das Grundgerüst der Songs ausgesprochen souverän vor – und sich dabei keine Blöße. Vom ausgesprochen guten Händchen für Songstrukturen und Melodien einmal abgesehen.

Wirkliche Balladen gibt es nicht auf die Ohren, BEAR schlagen aber mit „The Ram“ und „Mite“ auch mal leisere, fast akustische Töne an. Schön, auf den 41 quasi durchgehend harten Minuten von „Propaganda“ zwei (zugegebenermaßen ziemlich kurze, denn keiner der beiden Songs sprengt die Zwei-Minuten-Marke) Atempausen zu bekommen. In den letzten vier Minuten wird nochmal richtig auf die Kacke gehauen: der Albumcloser „Kuma“ vereinigt alle Stärken von Melodie bis Chaos des Quartetts aus Antwerpen in sich und besticht durch ein tolles Arrangement.

BEAR ist ein unerwarteter Überraschungshit ohne nennenswerte Schwächen gelungen, verschmelzen auf „Propaganda“ doch verschiedenste musikalische Elemente aus den letzten 20 Jahren zu einem verdammt coolen Metal-Cocktail – der auch ein breitgefächertes Publikum ansprechen dürfte. Fans von Converge, Slipknot oder auch der ersten vier Machine-Head-Alben dürfen blind zugreifen, reinhören sollte aber eigentlich jeder, der etwas für härtere Musik übrig hat. Definitiv ein Highlight des Jahres.

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Bewertung: 9 / 10

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