Review Casper – Lang lebe der Tod

  • Label: Sony
  • Veröffentlicht: 2017
  • Spielart: Entmetallisiert , Hip-Hop, Indie Rock

CASPER hat sich mit seinem vierten Album Zeit gelassen – allerdings nicht ganz freiwillig. Nachdem „Lang lebe der Tod“ bereits im September 2016 erscheinen sollte und die Promomaschine angelaufen war, sagte CASPER den Release ab, da das Album zu diesem Zeitpunkt noch nicht da war, wo es seiner Meinung nach hinsollte. Ein Jahr später liegt „Lang lebe der Tod“ nach jahrelanger Arbeit in den Regalen. Hört man auf die Texte, wird klar, wieso die Veröffentlichung so problematisch war: Angst, Wut und Verzweiflung dominieren „Lang lebe der Tod“.

Diese Themen machen sich unterschiedlich bemerkbar. Da ist zum einen die Abrechnung mit der perversen Sensationsgeilheit der Gesellschaft im Titeltrack, zum anderen die Wut auf Verschwörungstheoretiker in „Morgellon“ sowie die Kritik an den politischen Umständen in „Sirenen“. Auf „Lass sie gehen“ thematisiert CASPER sein ungutes Gefühl in seiner Rolle als Star und Hoffnungsträger des Hip-Hop. Die letzten drei Tracks des Albums greifen diese Unsicherheit auf und thematisieren eine weitere Ausprägung von Angst: Depression. Dabei geht CASPER extrem persönlich und schonungslos mit sich selbst ins Gericht. Während sich bei den textlich weniger persönlichen Stücken ein paar Plattitüden einschleichen, überzeugen die persönlichen Stücke mit einer ergreifenden Ehrlichkeit und Direktheit.

Musikalisch liegt der Fokus nach dem sehr indielastigen und teilweise folkigen Vorgänger „Hinterland“ und dem düsteren Indie-Rap auf „XOXO“ wieder mehr auf Hip Hop. Das bedeutet allerdings keine Rückkehr zum Stil von „Hin zur Sonne“, sondern stellt eine konsequente Weiterentwicklung von CASPER dar. Immer wieder dröhnen Synthie-Bässe und Fanfaren im Stil von Kanye Westes „Yeezus“ durch die Songs, „Sirenen“ wird von schweren Industrial-Beats bestimmt und „Lass sie gehen“ ist, trotz eines Instrumentals von Portugal. The Man unverkennbar Rap. Mit „Wo die wilden Maden graben“ liefert CASPER auf „Lang lebe der Tod“ einen astreinen Punk-Song ab und der Abschluss in „Flackern, flimmern“ beendet das Album nach einem ruhigen Aufbau mit einem waschechten Post-Black-Metal-Part im Stil von Deafheaven.

Während manche Momente großartig funktionieren, wirken einige Elemente in einzelnen Songs allerdings etwas arg gewollt. Gerade „Keine Angst“ sowie der Refrain von „Alles ist erleuchtet“ mit ihren Anklängen an die Vorgänger können mit den neuen Soundexperimenten nicht mithalten und der Synthie-Einsatz wirkt in manchen Momenten etwas unmotiviert. Dennoch ist „Lang lebe der Tod“ das in sich schlüssigste und musikalisch vielseitigste Album von CASPER.

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Wertung: 8 / 10

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