CD-Review: Cruachan - The Morrigans Call

Besetzung

Karen Gilligan - Gesang
Keith Fay - Gesang, elektrische Gitarre, akkustische Gitarre, Keyboard, Bouzouki, Mandoline, Banjo, Bodhrán, Perkussion
John Clohessy - Bass
Joe Farrell - Schlagzeug, Perkussion
John Ryan - Weitere Instrumente

Tracklist

01. Shelob
02. The Brown Bull of Cooley
03. Coffin Ships
04. The Great Hunger
05. The Old Woman in the Woods
06. Ungoliant
07. The Morrigan's Call
08. Téir Abhaile Riú
09. Wolf Tone
10. The Vey Wild Rover
11. Cuchulainn
12. Diarmuid and Grainne


Die Iren von CRUACHAN sind seit langem kein unbeschriebenes Blatt mehr. Begannen sie musikalisch mit „Tuatha Na Gael“ noch stark im Black Metal verwurzelt, trat über die folgenden Alben hinweg klar die irische Folklore in den Vordergrund, welche unter anderem für atmosphärisch geniale Lieder wie „Ride On“ verantwortlich war, bis man schließlich beim 2006er Werk, „The Morrigan’s Call“ angelangt. Was vom Albumtitel her durchaus mächtig klingt, will hier genauer unter die Lupe genommen werden, um zu sehen, ob die Band auch heutzutage noch imstande ist Folklore und Black Metal unter einen Hut zu bringen.

Verehrte Leserschaft, kennen Sie den Film „Rambo“? Den Film, in welchem Sylvester Stallone 89 Minuten lang kein Wort spricht, aber es doch zuwege bringt, ca. 100 Kilo Munition zu verschießen? So beginnt „The Morrigan’s Call“ mit „Shelob“, unmelodisches, räudiges, Voll-auf-die-Fresse-Gebolze. Produktion drückt ganz gut, die erste halbe Minute des Albums geht die Welt um einen herum völlig unter. Dann plötzlich wechselt das Bild, die Rauchschwaden sind von einem Moment auf den anderen verschwunden, statt Rambo springt nun Bambi durchs Bild. Die Farbtöne werden weicher, ein warmer Wind zieht auf und alle Welt freut sich auf beinahe euphorische Weise. Fragen Sie sich, wie man auf die Schnapsidee kommen kann, innerhalb von einer Sekunde zwischen diesen beiden Motiven, die offensichtlich in keinster Weise zueinander passen und sich lediglich beißen KÖNNEN, zu wechseln? Die Antwort lautet „CRUACHAN“. Denn auf den ersten reinen Black Metal-Part des Songs folgt urplötzlich eine fröhliche, beschwingte Folk-Melodie, die in Kombination mit der nun einsetzenden Frauenstimme das Ohr förmlich umschmeichelt, während eine Minute danach wieder versucht wird, einem das Trommelfell zu zerschießen. Mir ist zwar völlig rätselhaft, wie man auf die Idee kommen kann, dass sich so etwas fürs Ohr interessant und nicht nervtötend anhört, aber man will sich ja nicht entmutigen lassen und schaltet munter den nächsten Song ein. Doch während einem zu „Shelob“ kein wirklich sinnvoll umreißender Begriff einfallen mag, ist die Findung eines solchen für den Rest des Albums wirklich kein Problem mehr.

Liebe Leser, waren Sie schon einmal im Zirkus? Der Einrichtung, in der fröhlich Clowns durch die Manege tanzen, auf Seilen gehen und Saltos auf Pferderücken schlagen? Das ist „The Morrigan’s Call“, das aktuelle Cruachan-Album, eine Zirkusvorstellung. Tatsächlich fühlt man sich ständig an eine derartige Veranstaltung erinnert, wenn man die CD anhört. Auch in den restlichen Songs wird völlig grundlos mitten im Songverlauf plötzlich mal die Grundstimmung gewechselt und es schallt einem plötzlich statt (übrigens wirklich hirnlos klingendem) Black Metal wieder reiner Folk entgegen. Das Problem, dass sich stellt, ist nun freilich, dass Cruachan keine der beiden Klangvarianten wirklich überzeugend umsetzen, während die Black Metal-Passagen wie erwähnt völlig undurchdacht klingen und eben viel zu sehr auf den Putz hauen, leben (?) die Folk-Parts von der Idee, eine Melodie so oft zu wiederholen, bis Karen Gilligan ihre Vocals fertig gesungen hat. Das hat den zweifellos gewaltigen Vorteil, dass selbst der unaufmerksamste Zuhörer merkt, worum es bei den Songs geht, allerdings auch den Nachteil, dass der Inhalt der Songs durch die Wiederholungen natürlich auch ins Nichtige zusammenschrumpft. Die Stimme Karen Gilligans, erst noch einigermaßen wohltönend (damals auf „Ride On“ klang sie sogar noch verdammt gut), nervt auch schon bald aufs höchste, wirkt sie doch teilweise etwas schief, selten jedenfalls richtig sauber. Unfreiwillige Ironie dann beim Betrachten der Promo-Papphülle: AFM kürzten jeden Song um 30-40 Sekunden, scheinbar um Raubkopierern die Suppe zu versalzen und wahrscheinlich aus Redakteur-freundlichem Verhalten, so wird nämlich auch für diesen ein nochmaliger Erwerb des Albums lohnenswert gemacht, verlängert sich das Werk doch so um immerhin um die 480 Sekunden. Bei der Qualität des Albums liegt mir aber gar die Vermutung nahe, die Songs wären gekürzt worden, um dem Rezensenten zumindest einen Teil des zu ertragenden Soundwerks zu ersparen.

Mehr brauche und will ich zu dem Album garnicht sagen, es ist zwar alles nicht unbedingt schlecht, geht aber eben doch arg schnell auf die Nerven. Die Wiederholungen wegzulassen und die Länge eines Songs damit auf eine Minute zu reduzieren, ist allerdings natürlich auch nicht das Wahre.

Lange Rede kurzer Sinn also: Wer auf unheimlich simplen irischen Folk (da hilft auch Instrumenten-Vielfalt nichts), zusammen mit wahllos und atmosphärisch unpassend eingestreuten Black Metal-Parts steht, dem sei das Album zum Reinhören ans Herz gelegt, aber ich persönlich habe kein Bedürfnis, dieses Album je wieder einzulegen (da ist die „Ride On“-EP mit ihren 4 Songs um Längen spannender), zumal auch das Cover eines der hässlichsten ist, das mir bisher untergekommen ist. Nichtmal zur Musik, eben einer reinen Zirkusvorstellung, passt es.

Bewertung: 4 / 10

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