CD-Review: Deafening Opera - Let Silence Fall

Besetzung

Adrian Daleore – Gesang
Moritz Kunkel – Gitarre, Gesang
Thomas Moser – Rhythmusgitarre
Christian Eckstein – Bass, Gesang
Konrad Gonschorek – Schlagzeug
Gérald Marie – Keyboards, Gesang

Tracklist

01. Prologue
02. Deafening Overture
03. Down The River
04. Amber Light
05. The Tempest
06. Sweet Silence
07. Sundown
08. As Night And Day Collide
09. Man And Machine
10. At The Edge
11. Plus Ultra


Wow, was für ein edles Digipak! Das Artwork von „Let Silence Fall“, dem dritten Longplayer der Münchener Progger DEAFENING OPERA, ist wirklich sehr geschmackvoll – und ein Vorbote für den Inhalt. Denn auch musikalisch geht das Sextett auf dem Konzeptalbum äußerst ambitioniert zu Werke.

Schon der Einstieg ist nicht von der leichten Sorte: Auf ein schwermütiges Piano-Intro folgt eine Ouvertüre mit kompletter Besetzung, bei der die Motive und Soli für drei Minuten nur so am Hörer vorbeifliegen. Mit „Down The River“ nimmt die Band das Tempo aber direkt wieder raus und überlässt Sänger Adrian Daleore die Bühne. Das klingt düster und zerbrechlich, wird jedoch nach zweieinhalb Minuten in einem wiederum flotten Part aufgelöst. Etwas zerfahren, dieser Beginn.

Was DEAFENING OPERA hier in 70 Minuten und 11 Songs bieten, zeugt von einem ziemlich progressiven Selbstverständnis. Die Münchener wollen detailverliebt und vielschichtig sein; traditionell und zugleich modern; technisch anspruchsvoll, aber auch eingängig und emotional tiefgehend. Die Platte hat viele mitreißende und geschmackvolle Passagen zu bieten. Die Band ist instrumental ziemlich fit und hat enormes Potenzial. Wenn da nicht der eigene hohe Anspruch wäre: Er hängt wie eine dunkle Gewitterfront über dem Album und macht es schwerer zugänglich, als die Musik eigentlich ist.

Man spürt, dass DEAFENING OPERA etwas Großes schaffen wollten und sich verzettelt haben. „Let Silence Fall“ ist irgendwie alles, aber nichts davon wirklich konsequent. Das ist vor allem deshalb schade, weil den sechs Jungs etwas sehr Bemerkenswertes gelingt: In all ihrer Zerfahrenheit sind sie sehr originell. Mit Ausnahme von einigen kurzen Momenten, die in ihrer Dramaturgie an ruhigere Pain Of Salvation erinnern, klingen sie erfrischend eigenständig.

Das führt dann soweit, dass der Hörer zwischen dem noisigen Ende von „Amber Light“ und den Neoprog-Keyboards des darauffolgenden „The Tempest“ von einem seltsamen Einschub mit deutschsprachigem Operngesang überrascht wird. Soll das jetzt lustig, innovativ, überraschend oder gebildet sein?

Sänger Adrian Daleore weiß vor allem in den ruhigen Momenten zu gefallen. Der Beginn von „As Night And Day Collide“ oder „Amber Light“ zeigt, wie berührend und ausdrucksstark er singen kann. In dynamischeren Passagen fällt es ihm öfters schwer, sich gegen die Instrumente durchzusetzen und diesen Ausdruck zu bewahren. Im sehr gelungenen „Sweet Silence“ hingegen beweist er eine erstaunliche Spannbreite und Variabilität.

DEAFENING OPERA haben viele gute Ideen und das Können, diese auch zu verwirklichen. Wenn die Band sich von der Bürde des eigenen Anspruchs befreit und etwas weniger „will“, könnte das in ihrer Musik ungeahnte Energien freisetzen. Schon jetzt eine spannende Combo – aber da geht noch was. Wer sich für die deutsche Progszene interessiert, sollte reinhören!

Bewertung: 7 / 10

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