CD-Review: Den Saakaldte - All Hail Pessimism

Besetzung

Niklas Kvarforth - Gesang
Sykelig - Gitarre
Seidemann - Bass
Uruz - Schlagzeug
Jormungand - Keyboards & Effekte

Tracklist

01. Audhumla
02. La Vinteren Vare Evig
03. Vandringen
04. Satans Synder
05. Frykten For Det Opprinnelige Øde
06. Samma Skrot, Samma Korn
07. Drikke Ens Skål
08. Mesias
09. Den Endelige Tankens Ufravikelige Konsekvens
10. Jag Är Den Fallna


Dass man es bei DEN SAAKALDTE mit einer etwas ungewöhnlichen Band zu tun hat, wird einem recht schnell klar: Ein skandinavisches All-Star Black Metal-Projekt, das einen Löwen und eine Bierflasche zu seinen Wappentieren gemacht hat – hoch angesehene Musiker, die auf ihrem ersten Album schwärzesten Suicidal-Black Metal unter dem doch zumindest ungewöhnlichen Titel „Øl, mørke og depresion“ („Bier, Dunkelheit und Depression“), den man vielleicht eher von den heutigen Darkthrone oder den schwedischen Tyrant erwartet hätte, veröffentlicht haben.
Konnte mich dieses erste Werk noch nicht voll überzeugen, steht nun also die zweite Veröffentlichung ins Haus, die selbstverständlich eine Besprechung verdient.

Die ersten beiden Eindrücke ergeben sich schon, bevor die CD überhaupt zu rotieren begonnen hat: Zum einen fällt das Artwork positiv auf, das, passend zum Albumtitel „All Hail Pessimism“, in bester Shining-Manier düster und morbide anmutet und mir persönlich damit weit besser gefällt als das des Debüts.
Zum anderen überrascht die Anzeige auf dem CD-Player, die eine Gesamtspielzeit von annähernd 70 Minuten verkündet. In Anbetracht der Tatsache, dass der Vorgänger weniger als halb so lang ausgefallen war, ein durchaus interessanter Aspekt. Doch nun zum Wesentlichen, der Musik:
Ein sinisteres Klavier-Intro, das ständig zwischen dissonant und lieblich schwankt, stimmt den Hörer auf die Stunde vertonte Dunkelheit ein, die dann mit „La Vinteren Vare Evig“ unaufhaltsam über ihn hereinbricht.
Auffallend schon hier, wie melodiös die Gitarrenarrangements gehalten sind: man legt viel Augenmerk auf, teils mehrstimmige, Gitarrenmelodien, ein Merkmal, das sich mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt, durch das gesamte Album zieht. Hier kommt sicherlich auch die Erfahrung der beteiligten Musiker zum tragen: Elegant spielt man mit Tempowechseln, lässt schneidende Riffs in melancholische, düster-doomige Parts übergehen und schreckt auch, wie auch schon auf dem letzten Album, nicht davor zurück, Blechblasinstrumenten und diverse Effekte zu verwenden – ein Klavier gehört ja sowieso schon zur Stammbesetzung.
Vor Allem Niklas‘ sehr eigene und charakteristische Stimme, aber auch die in den ruhigeren Parts vorherrschende Stimmung und der klare und doch raue Sound verleihen Songs wie beispielsweise „Vandringen“ einen Shining-Touch, wobei Niklas‘ Gesang, wie schon auf „Øl, mørke og depresion“, nicht ganz so markant wie auf „V: Halmstadt“ klingt, sondern eher an ältere Shining-Veröffentlichungen denken lässt – fast schade, ist der Gesang auf ebengenannter Platte doch mit der Beste, den ich bisher gehört habe. Man muss jedoch sagen, dass der Gesang diesmal um Längen besser und „Niklas-hafter“ ausgefallen ist als auf dem Debüt, das mich gesanglich ob seiner Durchschnittlichkeit doch eher enttäuschte.
Mit „Samma Skrot, Samma Korn“ wartet dann ein besonderer Leckerbissen auf den geneigten Hörer: Ein genial eingängiges, groovendes Headbang-Riff, das Satyricon vor Neid erblassen ließe, dazu ein klassisches Kvarforth-„Uh!“, gefolgt von einem noch cooleren „I said UH!“, eröffnet den Song, der dann recht schnell in ein melodisches Gitarren-Schlagzeug-Gewitter ausartet, im Mittelteil langsam herunterzukühlt und spätestens ab dem Einstieg des Frauengesangs deutlich an die Frühwerke der Griechen von Septic Flesh erinnert: melodiös, episch, getragen – und schlicht genial. Nach diesem Opus klingt „Drikke Ens Skål“ mit seinem progressiven Bläser-Intro richtiggehend vertraut – ist es auch, fand sich dieser Track doch in einer etwas anderen Version bereits auf dem ersten Album. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Song aber auch hier perfekt in das Songgefüge einpasst und zudem in einigen Punkten im Vergleich zur ersten Version stark verbessert wurde (so klingt beispielsweise die ehemals kratzige Clean-Gitarre gegen Ende des Songs nun viel weicher und stimmungsvoller), eine sehr gute Idee, schallt er jetzt doch um einiges souveräner aus den Boxen.
Nach einem dreiminütigen Klavier-Intermezzo zeigt man mit dem finalen „Jag Ar Den Fallna“ noch ein letztes Mal in aller Deutlichkeit, worum es bei DEN SAAKALDTE geht – vereint dieser Song doch alle Trademarks der Band und wirkt wie die kompakte Quintessenz des gesamten Albums: Abgefahrene, fast jazzige Bläsereinsätze, abwechslungsreiches Riffing, das von melodisch über sägend bis progressiv reicht, treibendes Schlagzeug und ein jaulender, röchelnder und sogar singender Kvarforth wirken, als wollte die Band hier mit Nachdruck noch die letzten Zweifler überzeugen; was ihnen – davon bin ich überzeugt – auch gelungen wäre…

…wäre dies überhaupt noch nötig gewesen.
Ist es aber nicht, denn wer bis zum letzten Lied noch nicht von „All Hail Pessimism“ gepackt wurde, den kann wohl auch das beste Lied nicht überzeugen – für alle anderen ist dieser Zehnminüter nurnoch eine Zugabe, das sprichwörtliche i-Tüpfelchen auf einem mehr als gelungenen Werk.
Auch wer von „Øl, mørke og depresion“ enttäuscht war, sollte DEN SAAKALDTE noch eine Chance geben, denn die haben sie sich mit diesem Werk definitiv verdient.
Anspieltipps: Das schlicht geniale „Samma Skrot, Samma Korn“ und das repräsentative „Jag Ar Den Fallna“: Wem dieser Track gefällt, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Bewertung: 9 / 10

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