CD-Review: Digression Assassins - Alpha

Besetzung

Mads Konan - Gesang
Mattias Sahlström - Gitarre
David Catala - Gitarre
David Hardenfalk - Bass
Andres Torres - Schlagzeug

Tracklist

01. 90's Skfru Sjdudksf Etc
02. Laser Ranging Experiment
03. The Guest
04. Skyrunner
05. Alpha
06. Foregather
07. 237
08. Interlude
09. Spring
10. Platitude
11. The End Of History


(Hardcore/Extreme Metal/Rock) Zugegeben, ich mag Bands wie War From A Harlots Mouth oder Dillinger Escape Plan, weil sie die brachialen Seiten der Musik in den kompliziertesten Songstrukturen hübsch verpacken, weil man immer zwanzig Mal hinhören muss um was zu verstehen und weil man trotzdem immer wieder etwas neues entdeckt. Auch die vertrackten Alben der Chaoten von I Wrestled A Bear Once fand ich recht amüsant, selbst, oder gerade weil sie den musikalischen Wahnsinn auf die Spitze getrieben haben. All diese Bands hatten allerdings eins gemeinsam: sie kreierten komplexe, aber in sich schlüssige Kompositionen, die (fast immer) Wiedererkennungswert besaßen, so dass man sie sich auch immer und immer wieder gern antun konnte. Als ich von den DIGRESSION ASSASSINS hörte, die mit „Alpha“ nun ihr zweites Album veröffentlichen, wurde ich gleich hellhörig. Wartet hier etwa eine neue, mit Formeln und Gleichungen um sich werfende „Ich höre zwar allerhand Töne, raff aber mal wieder gar nix“-Band auf mich?

Die Antwortet lautet ja, aber mich mit nicht nachvollziehbaren Songstrukturen und rüden Genremixturen zu bewerfen, entlockt mir noch lange keine gute Bewertung. Der Fünfer versucht sich nach eigenen Aussagen an einer Mischung aus Metal, Punk, Hardcore und Rock, was im weiten Sinne auch zutrifft, eckt aber immer wieder am fehlenden roten Faden an. Hier mal ein Breakdown, dort ein chaotisches Punk-Drumming, ab und an mal Klargesang, Growls, selten auch mal elektronische Spielereien, sogar ein Saxophon konnte man sich nicht verkneifen. Auf „Laser Ranging Experiment“ wirkt genau jenes mit seinem „Tröt Tröt Tüt Tüt Tröt“ ungewollt komisch, passt aber natürlich ins absolute Chaos ganz gut rein und gibt einem das Gefühl, sich gerade eine Art Free Jazz auf starker Distortion durch die Ohren zu jagen. Dennoch bleibt nach dem Genuss von „Alpha“ ein fader Beigeschmack hängen und mir geht der Gedanke einfach nicht aus dem Kopf, dass hier weniger vielleicht mehr gewesen wäre. Natürlich hat das Album auch Glanzpunkte. „Spring“ beispielsweise wirkt unter all dem Chaos eingängig und kann mit ein paar feinen Melodien punkten und wenn stellenweise das Saxophon anfängt, wirr vor sich hin zu philosophieren, dann kommt echte Irrenhausstimmung auf (man ziehe sich nur die zweite Hälfte von „The End Of History“ rein – wahnsinnig cool!). Auch der Titeltrack „Alpha“ bringt eine rockig-rotzige Stimmung mit sich, verstreut dezenten Doom-Spirit und würzt das hörenswerte Gebräu mit den hektischen Chaos-Attacken, die man von diversen Mathcore-Bands eben kennt.

Beim besten Willen, die virtuosen Fähigkeiten an den Instrumenten kann man den DIGRESSION ASSASSINS nicht absprechen – sie alle beherrschen ihr Handwerk. Abwechslungsreich ist „Alpha“ natürlich auch, für meinen Geschmack – und da kommt der Knackpunkt – wurde hier aber zu viel Abwechslung rein gebracht. „Alpha“ ist nicht homogen, es zeigt keine klare Linie sondern repräsentiert lediglich das pure musikalische Chaos. Es kommt mir so vor, als hätten die Jungs versucht, auf Teufel komm raus kompliziert zu klingen. Damit hatten sie auch Erfolg, jedoch zulasten der Eingängigkeit. Das Endergebnis besteht nun darin, dass mir kein einziger Song im Ohr hängen geblieben ist, lediglich an ein paar wenige Passagen (vor allem in Zusammenhang mit dem Saxophon) kann ich mich erinnern. Es ist immer schön, wenn Bands Genregrenzen sprengen, schöner wäre es aber, wenn im vorliegenden Fall der ein oder andere Song auch fünf Minuten nach dem Hören noch präsent gewesen wäre. Ich bin mir sicher, dass man sich „Alpha“ auf Dauer schön hören kann – das ist aber in meinen Augen nicht Sinn der Sache.

Unterm Strich bietet „Alpha“ letztendlich ein paar knackige Kompositionen, die auf den Bühnen sicher für Stimmung sorgen werden, jedoch bei Beschallung durch die heimische Anlage wenig Wiedererkennungswert bieten können und deshalb auch nur bedingt zu empfehlen sind. In die bereits hervorgehobenen Songs sollte man dennoch mal rein hören, vielleicht entdeckt hier der ein oder andere Liebhaber verquerer Töne seine neue Lieblingsband.

Bewertung: 5.5 / 10

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